Einfamilienhäuser: Rar und trotzdem sehr gefragt
Der Anteil von Einfamilienhäusern am Gesamtwohnungsbestand in der Schweiz hat in den letzten 15 Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Während im Jahr 2010 noch über 23 Prozent der Wohnungen Einfamilienhäuser waren, ist dieser Anteil bis 2025 auf knapp 21 Prozent gesunken. Dies geht aus den aktuellen Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor, die im Rahmen der Gebäude- und Wohnungsstatistik veröffentlicht wurden.
Signifikante regionale Unterschiede
Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern bleibt ungebrochen hoch, doch das Angebot wird zunehmend knapper. Wer ein solches Objekt sucht, benötigt nicht nur Geduld und ein entsprechendes Budget, sondern oft auch einen erweiterten Suchradius.
Besonders in urbanen Regionen ist der Anteil an Einfamilienhäusern am Gesamtwohnungsbestand gering. So liegt er beispielsweise in den Kantonen Basel-Stadt und Genf bei lediglich 8 Prozent beziehungsweise 10 Prozent des Gesamtwohnungsbestands.
Im Gegensatz dazu weisen ländlich geprägte Kantone wie Glarus (42 Prozent) und Jura (38 Prozent) deutlich höhere Anteile auf. Diese Unterschiede verdeutlichen, dass Einfamilienhäuser in dicht besiedelten, urbanen Gebieten anteilsmässig weniger vertreten sind als in Regionen mit mehr verfügbarem Platz. In ländlichen Gebieten dominieren zudem natürliche Personen als Eigentümertyp.
In absoluten Zahlen betrachtet, führen jedoch die bevölkerungsreichen Kantone Zürich, Bern und Aargau die Rangliste an. Jeder dieser Kantone zählt über 100'000 Einfamilienhäuser. Dies zeigt, dass trotz des rückläufigen Anteils schweizweit immer noch bedeutende Bestände an Einfamilienhäusern existieren, insbesondere in bestimmten Regionen.
Vielfältige Ursachen dieses Rückgangs
Die rückläufige Bedeutung von Einfamilienhäusern lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen:
- Einerseits sind die Preise für Einfamilienhäuser in den letzten Jahren stark gestiegen, was den Zugang für potenzielle Käufer erschwert. Gemäss IAZI-Immobilienindex, der auf effektiven Freihand-Transaktionen basiert, haben sich die Einfamilienhauspreise im Gesamtschweizer Durchschnitt allein in den letzten 12 Monaten um 2,8 Prozent verteuert (per 3. Quartal 2026). Während bestehende Eigentümer von dieser Entwicklung profitieren, wird es für Suchende zunehmend schwieriger, ein passendes Objekt zu finden.
- Andererseits spielt die aktive Förderung der Verdichtung in der Schweiz eine zentrale Rolle. In vielen Regionen wird auf kleineren Parzellen bevorzugt in den Bau von Mehrfamilienhäusern investiert, anstatt Einfamilienhäuser zu errichten. Diese Entwicklung hat bereits vor rund 15 Jahren begonnen und führt in einigen Fällen dazu, dass bestehende Einfamilienhäuser durch kleinere Wohnblöcke ersetzt werden.
- Ein weiterer Aspekt ist die Vererbbarkeit von Immobilien. Bei mehreren Erben kann es einfacher sein, mehrere Wohneinheiten eines Mehrfamilienhauses aufzuteilen, anstatt ein einzelnes Einfamilienhaus zu vererben. Dies beeinflusst die langfristige Bestandserhaltung von Einfamilienhäusern zusätzlich.
Einfamilienhäuser bieten mehr Platz – oft für weniger Bewohner
Ein markantes Merkmal von Einfamilienhäusern ist der höhere Wohnflächenverbrauch pro Person. Im Durchschnitt stehen Bewohnern von Einfamilienhäusern rund 55 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, während es in Mehrfamilienhäusern lediglich 43 Quadratmeter sind. Dieser Unterschied von über 10 Quadratmetern spiegelt sich zudem auch in der Wohndichte wider.
Interessanterweise werden Einfamilienhäuser zunehmend nicht mehr nur von Familien bewohnt, sondern auch von Paaren oder Einzelpersonen. Besonders ältere Menschen bleiben oft in ihren Häusern wohnen, selbst wenn die Kinder ausgezogen sind. Dies ist unter anderem auf die gute Verfügbarkeit von Dienstleistungen wie Gartenpflege, Haushaltshilfen und Pflegeangeboten zurückzuführen, die es ermöglichen, auch im hohen Alter in einem Einfamilienhaus zu leben. Zudem lohnt es sich finanziell oftmals nicht, in eine kleinere Wohnung zu ziehen.
Die Daten zeigen, dass 27 Prozent aller Einfamilienhäuser in der Schweiz von Haushalten bewohnt werden, deren Mitglieder ausschliesslich 65 Jahre oder älter sind. Dieser Anteil dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen, da die Schweizer Gesellschaft altert und die Geburtenrate niedrig bleibt. Diese Entwicklung führt dazu, dass grosse Häuser mit vielen Zimmern oft von wenigen Personen genutzt werden.
Ein begehrtes, jedoch schwindendes Segment
Der anteilsmässige Rückgang der Einfamilienhäuser in der Schweiz ist auf eine Kombination von verschiedenen Faktoren zurückzuführen. Während die Nachfrage nach diesen Objekten hoch bleibt, wird das Angebot durch steigende Preise und Verdichtungsstrategien zunehmend eingeschränkt. Gleichzeitig zeigt sich, dass Einfamilienhäuser weiterhin eine wichtige Rolle im Schweizer Wohnungsmarkt spielen – sei es in ländlichen Regionen, wo sie anteilsmässig dominieren, oder in urbanen Gebieten, wo sie trotz geringem Anteil in absoluten Zahlen bedeutend sind. Es ist deshalb klar, dass Einfamilienhäuser weiterhin begehrt bleiben werden.
Wo Einfamilienhäuser Vorteile gegenüber Eigentumswohnungen bieten
Einfamilienhäuser kosten in der Regel mehr als Eigentumswohnungen. Dafür bieten sie mehr Wohn- und Grundstücksfläche – und vor allem mehr Autonomie. Stockwerkeigentümer sind dagegen auf die Entscheide der Gemeinschaft angewiesen:
– Weniger Freiheit: Reglement und Hausordnung können die Nutzung gemeinsamer Räume, die Haustierhaltung oder die Vermietung (z.B. via Airbnb) einschränken.
– Langsamere Entscheide: Für Renovationen und bauliche Massnahmen an gemeinschaftlichen Teilen (z.B. Dach, Fassade, Heizung) braucht es je nach Art der Massnahme einen Mehrheitsbeschluss, teils sogar ein qualifiziertes Mehr. Das kann Projekte verzögern oder blockieren.
– Kostenrisiko: Stockwerkeigentümer beteiligen sich anteilig an gemeinschaftlichen Kosten (Erneuerungsfonds, Unterhalt, Verwaltung usw.), auch wenn sie einzelne Massnahmen persönlich nicht befürworten oder sie nicht nutzen (z.B. Kinderspielplatz, Garten, gemeinschaftlicher Partyraum usw.).
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