Was sind Alternative Anlagen? – Definition, Chancen und Risiken für Schweizer Anleger
Alternative Anlagen sind ein wichtiger Teil beim Vermögensaufbau und -erhalt. Sie bieten Zugang zu zusätzlichen Renditequellen und stabilisieren das Anlagevermögen. Wie funktionieren sie? Und wie werden sie von der Migros Bank eingesetzt?
Zusammenfassung
– Aus Risikoüberlegungen macht es Sinn, das Anlagevermögen über verschiedene Anlageklassen zu streuen (diversifizieren).
– Die vier Haupt-Anlageklassen sind Liquidität, Aktien, Obligationen und Alternative Anlagen. Letztere eignen sich besonders gut zur Diversifikation und Stabilisierung des Anlagevermögens.
– Alternative Anlagen umfassen verschiedene Investments, wie etwa Immobilien, Gold, Infrastrukturinvestments oder Cat Bonds. Alternative Anlagen können z.B. bei Anlegerinnen und Anlegern mit einem ausgewogenen Risikoprofil langfristig 10 bis 15 Prozent des Anlagevermögens ausmachen.
1. Collectibles
Seit jeher sammeln Menschen Kunst, Schmuck und andere aussergewöhnliche Liebhaberstücke. Doch erst ab den 2000er Jahren rücken diese sogenannten Collectibles vermehrt in den Fokus zur Diversifikation des Anlagevermögens. In dieser Zeit entstanden diverse Indizes zur Preisentwicklung von Kunstwerken, Uhren, Oldtimern, Weinen, Diamanten und ähnlichen Gütern, welche die langfristig geringe Korrelation zu Aktien- und Obligationenmärkten aufzeigen. In der jüngeren Vergangenheit wurde die physische Kunst zudem durch digitale NFTs (Non-Fungible Tokens) ergänzt. Allerdings folgte nach dem NFT-Boom 2021/2022 ein massiver Absturz dieser digitalen Eigentumsrechte.
Vorteile:
- Das beschränkte Angebot der Collectibles sorgt für einen langfristigen Werterhalt.
- Collectibles weisen langfristig eine sehr tiefe Korrelation zu traditionellen Anlagen auf. Diese beträgt z.B. bei Sammlerweinen gemäss Berechnungen des Investmentmanagers Schroders unter 0,1 gegenüber Aktien und gar nur 0,01 gegenüber Obligationen. Das heisst: Die Preise von Sammlerweine machen weniger als einen Zehntel der Aktienkursbewegungen und sogar nur einen Hundertstel der Obligationenkursbewegungen mit.
Nachteile:
- Die tiefe Korrelation von Collectibles erhöht sich sprunghaft in Finanzkrisen wie jener von 2008 oder in der Covid-Krise 2020, wenn die weltweiten massiven Vermögensverluste die Nachfrage nach Collectibles einbrechen lassen.
- Collectibles erfordern hohe Mindestinvestments und eine hohe Fachexpertise. Es gibt zwar einzelne Plattformen, die auch für kleine Budgets «Bruchteilseigentum» an Kunstwerken ermöglichen. Zu achten ist hierbei allerdings auf die oft teure Gebührenstruktur und den eingeschränkten Zugang für Schweizer Anleger.
- Collectibles generieren keine laufenden Erträge.
Eignung für Privatanleger:
- Collectibles eignen sich nicht für Privatanleger, um kleine oder mittlere Vermögen zu diversifizieren. Wer sich z.B. einen Oldtimer oder eine teure Uhr kauft, sollte dies aus Freude am Objekt tun – und nicht aus Risikodiversifikationsgründen.
2. Gold und weitere Edelmetalle
Wohl ebenso alt wie die Liebhaberei der Menschen für Collectibles ist ihre Faszination für Gold als Wertanlage. In etwas geringerem Masse gilt dieses Interesse auch den weiteren Edelmetallen Silber und Platin.
Vorteile:
- Gold weist eine tiefe oder sogar negative Korrelation zu Liquidität, Aktien und Obligationen auf.
Nachteile:
- Gold generiert keine laufenden Erträge.
Eignung für Privatanleger:
- Mit Gold können Privatanleger relativ einfach die Risikodiversifikation ihres Anlagevermögens verbessern. Dazu können sie z.B. 3 bis 5 Prozent des Anlagevermögens in physisches Gold (Barren, Münzen), in Gold-Fonds (sogenannte Gold-ETFs) oder in ein Metallkonto investieren.
3. Kryptowährungen
Als Alternativen zu Gold rückten in den vergangenen Jahren zunehmend Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen als Krisenwährungen in den Fokus.
Vorteile:
- Kryptowährungen weisen langfristig eine tiefe Korrelation sowohl zu Gold als auch zu traditionellen Anlagen auf (die Korrelation zu Tech-Aktien ist allerdings erhöht).
Nachteile:
- Die Kurse von Kryptowährungen können sehr stark schwanken.
Eignung für Privatanleger:
- Angesichts der hohen Kursschwankungen sollte der Krypto-Anteil am Anlagevermögen strikt limitiert bleiben. US-Analysen kommen z.B. auf einen Anteil von maximal 3 Prozent für ein ausgewogenes Anlageportfolio.
4. Weitere Rohstoffe (neben Edelmetallen)
Eine der ältesten Formen von Rohstoff-Engagements bilden Acker- und Waldflächen. Auch heute noch gibt es Investoren, die gezielt in bewirtschaftete Waldflächen investieren. Allerdings sind diese Engagements aufgrund der Bauholzpreise eng mit Konjunktur und Börse verbunden, so dass die Korrelation gegenüber Aktien mit 0,8 relativ hoch ausfällt. Daher werden Waldflächen vielfach eher zur CO2-Kompensation gehalten, wie das beispielsweise die Schweizer Post tut. Zu diesen sogenannten Nature-Based Assets können z.B. auch Investitionen in Meeresökosysteme zählen (Mangroven, Seegraswiesen).
Weitere Rohstoff-Engagements umfassen u.a. Industriemetalle (Eisen, Kupfer, Aluminium, Seltene Erden usw.), fossile Energieträger (Öl, Kohle, Gas), Soft Commodities (Agrargüter und Fleischerzeugnisse) sowie Emissionszertifikate für CO2 und für andere Treibhausgase (bislang ein Nischensegment).
Vorteile:
- Kurzfristig sind hohe Renditen möglich.
- Die Korrelation mit traditionellen Anlagen ist tief – oder phasenweise gar null wie im Fall von Agrargütern, wo das Wetter die Ernte und das Angebot stark bestimmt.
Nachteile:
- Abgesehen von Agrar- und Forstflächen generieren Rohstoff-Engagements keine laufenden Erträge. Die Investitionen basieren nämlich auf Terminkontrakten oder anderen derivativen Instrumenten, die laufend in neue Anlagen «gerollt» werden müssen.
- Abgesehen vom Spezialfall der Agrar- und Forstflächen sind Rohstoff-Engagements keine «Buy and hold»-Anlage. Stattdessen handelt es sich um taktische Anlagen, die eine enge Beobachtung der Rohstoffmärkte erfordern.
Eignung für Privatanleger:
- Es gibt auf dem Schweizer Markt zwar eine Reihe von strukturierten Produkten, ETFs usw. für Rohstoff-Engagements. Diese sollten aber nur professionelle Privatanleger nutzen.
5. Immobilien
Immobilien zählen zu den häufigsten Investments, die sich in den Portfolios von vermögenden Personen finden. Immobilien können entweder direkt gehalten werden (in Form von Wohn- und Gewerbeimmobilien, Lagerhäusern, Hotels, öffentlichen Verwaltungsgebäuden usw.) oder indirekt (v.a. in Form von Immobilienfonds). Neue Investitionsmöglichkeiten bietet u.a. der wachsende Bedarf an Rechenzentren.
Vorteile:
- Aus Sicht von Schweizer-Franken-Anlegern ist der inländische Immobilienmarkt besonders interessant. In einem unsicheren golobalen Umfeld zeichnet er sich durch hohe Stabilität aus, gestützt durch die anhaltend hohe Nachfrage bei gleichzeitig beschränktem Angebot (Knappheit von Bauland und zusätzliche Beschränkungen durch politische Eingriffe und Regulierungen). Infolgedessen zeigt die Wertentwicklung des Schweizer Wohnmarkts, z.B. basierend auf dem IAZI Private Real Estate Price Index, seit Jahren eine stetig steigende Wertentwicklung.
- Neben der langfristig positiven Wertentwicklung bieten Immobilien stabile, inflationsgeschützte Erträge. «Der Schweizer Immobilienmarkt behauptet sich im Nullzinsumfeld als zentrale Anlageklasse», resümiert Thomas Walter, CEO der Migros-Bank-Immobiliendienstleisterin CSL Immobilien.
Nachteile:
- Für Direktanlagen (nicht aber für indirekte Anlagen) sind hohe Mindestinvestments erforderlich, was für das Anlagevermögen ein Klumpenrisiko bedeuten kann.
- Immobilien weisen eine hohe Zinsabhängigkeit auf.
Eignung für Privatanleger:
- Indirekte Immobilienanlagen in Form von Schweizer Immobilienfonds eignen sich sehr gut, um selbst kleinere private Vermögen besser zu diversifizieren.
- Direktanlagen in Renditeimmobilien, z.B. die Vermietung einer Eigentumswohnung oder der Kauf eines Mehrfamilienhauses, bilden erhebliche Klumpenrisiken und kommen daher nur für vermögende Privatanleger infrage.
- Wer selbstgenutztes Wohneigentum besitzt, sei es als Eigenheim oder als Ferienwohnung, verfügt in seinem Gesamtvermögen bereits über ein beträchtliches Immobilienexposure, so dass zusätzliche indirekte Immobilienanlagen z.B. in Form von Immobilienfonds gut überlegt sein sollten.
6. Infrastruktur
Infrastrukturinvestitionen sind eine Art spezielle Immobilienengagements. Statt in Wohn- oder Gewerbeliegenschaften wird in Bauten von Energie-, Transport- oder Telekominfrastruktur investiert.
Vorteile:
- Infrastrukturinvestitionen liefern stabile (und oftmals auch inflationsgeschützte) Erträge über lange Laufzeiten und mit staatlich regulierten Tarifen.
Nachteile:
- Direkte Infrastrukturinvestitionen sind aufgrund der langfristigen Vertragsausgestaltung nicht kurzfristig veräusserbar.
- Infrastrukturinvestitionen können politischen Risiken unterliegen.
Eignung für Privatanleger:
- Es gibt auf dem Schweizer Markt eine ganze Reihe von Anlagefonds für indirekte Infrastrukturanlagen, die es Privatanlegern ermöglichen, selbst kleinere private Vermögen zu diversifizieren.
7. Hedgefonds
Hedgefonds sind Anlagefonds, die mit flexiblen und oft komplexen Strategien (z.B. mithilfe von Derivaten oder Leerverkäufen) versuchen, unabhängig von der Marktentwicklung möglichst hohe positive Renditen zu erzielen.
Vorteile:
- Hedgefonds haben seit den 1990er Jahren enorm an Popularität gewonnen, insbesondere nach dem Erfolg von George Soros und seinem Quantum Fund, der 1992 durch die milliardenschwere Wette gegen das britische Pfund bekannt wurde. Solche Beispiele illustrieren das theoretische Potenzial von Hedgefonds, aussergewöhnliche Renditen zu erzielen.
Nachteile:
- Die komplexen Hedgefonds-Strategien sorgen für geringe Transparenz.
- Der Zugang zu Hedgefonds ist nur über hohe Mindestinvestments und spezialisierte Manager mit teuren Kostenstrukturen möglich. Hinzu kommen lange Kapitalbindung und dadurch hohe Illiquidität.
- Sehr viele Hedgefonds haben in der Finanzkrise von 2008 die Erwartungen nicht erfüllt. Seither haben mehr und mehr professionelle Grossanleger Hedgefonds durch andere Alternative Anlagen ersetzt.
Eignung für Privatanleger:
- Hedgefonds sind im Allgemeinen nicht empfehlenswert für Privatanleger.
8. Private Equity
Private Equity bezeichnet Beteiligungen an nicht kotierten Unternehmen.
Vorteile:
- Private Equity bietet hohe Renditechancen. Eine der Pioniere in diesem Anlagebereich ist die kalifornische Beamten-Pensionskasse CalPERS. Ihr Private-Equity-Portfolio erzielte in den vergangen 20 Jahren eine Durchschnittsrendite von 7,6 Prozent – 0,9 Prozentpunkte mehr als ihre Engagements in öffentlich kotierte Aktien und deutlich mehr als jedes andere Anlagesegment, in das CalPERS investiert. Angesichts dieses Erfolgs hat CalPERS den Private-Equity-Anteil an den Gesamtanlagen auf 17 Prozent erhöht.
Nachteile:
- Der Zugang zu Private-Equity-Investments ist in aller Regel nur über grosse Mindestinvestments und via spezialisierte Private-Equity-Manager möglich. Diese haben z.T. sehr teure Kostenstrukturen.
- Abhängig sind Private-Equity-Renditen nicht nur vom Private-Equity-Manager, sondern auch z.B. von der Unternehmensphase, in der investiert wird (Venture Capital, Pre-IPO, Management Buyout usw.), oder von der jeweiligen Branche.
- Private-Equity-Investments erfordern eine lange Kapitalbindung und sind daher sehr illiquid.
Eignung für Privatanleger:
- In Vermögensverwaltungsmandaten oder Fonds für Privatanleger können Private-Equity-Anlagen enthalten sein. Privatanleger sollten allerdings die Finger davon lassen, auf eigene Faust in Private Equity zu investieren. Irreführend sind dabei ETFs mit der Bezeichnung «listed Private Equity»: Sie sind zwar für Privatanleger zugänglich, sie investieren aber nicht direkt in Private Equity, sondern in Aktien von börsenkotierten Private-Equity-Managern. Diese sind hochkorreliert mit den Aktienmärkten und taugen daher nicht zur Diversifikation des Anlagevermögens.
9. Private Debt
Private Debt (oder Private Credit) hat sich in den letzten Jahren zu einer der am schnellsten wachsenden Anlageklassen weltweit entwickelt. Im Unterschied zu Private Equity geht es hier nicht um privat platzierte Aktienbeteiligungen an Unternehmen, sondern um privat platzierte Unternehmensanleihen oder -kredite.
Vorteile:
- Private Debt stellt hohe Zinserträge in Aussicht.
Nachteile:
- Private Debt hat grundsätzlich dieselben Nachteile wie Private Equity: Zugang nur über hohe Mindestinvestments und spezialisierte Manager mit teuren Kostenstrukturen sowie lange Kapitalbindung und dadurch hohe Illiquidität. Hinzu kommen Klumpenrisiken in Branchen mit hohem Finanzierungsbedarf (z.B. KI-Sektor). Diese Nachteile wurden durch die Finanzmarktturbulenzen des Iran-Kriegs offengelegt.
Eignung für Privatanleger:
- Private Debt ist im Allgemeinen nicht empfehlenswert für Privatanleger.
10. Cat Bonds
Cat Bonds (abgekürzt für «Katastrophen-Obligationen») sind eine spezielle Form von Anleihen, die von Versicherungen ausgegeben werden, um sich gegen grosse Schadensereignisse wie Naturkatastrophen abzusichern
Vorteile:
- «Cat Bonds bieten Investoren die Möglichkeit, in ein Produkt zu investieren, dessen Rendite weitgehend unkorreliert mit den traditionellen Finanzmärkten ist», erklärt Cedric Bieri, Obligationenanalyst der Migros Bank. Während nämlich die Entwicklung von Aktien und Obligationen von wirtschaftlichen Faktoren abhängt, werden Cat Bonds vom Auftreten von Naturkatastrophen beeinflusst, wie Erdbeben und Hurrikanen. Die Schäden solcher Extremereignisse werden mit entsprechenden Cat Bonds finanziert, zulasten der Cat-Bond-Besitzer. Für dieses mögliche Verlustrisiko werden die Cat-Bond-Besitzer mit einer vergleichsweise hohen Verzinsung entschädigt.
- Cat Bonds haben nicht nur eine geringe Korrelation mit Aktien und Obligationen (knapp 0,2). Sie haben auch den Vorteil, dass sie in Krisen weit weniger Wert verlieren als die Aktienmärkte: Gemäss einer Analyse des Rückversicherers Scor büssten Cat Bonds in der Finanzkrise 2008 maximal 4,1 Prozent ein, Aktien 56,7 Prozent; in der Covid-Krise 2020 waren es 1,7 gegenüber 31,9 Prozent.
Nachteile:
- Cat Bonds basieren auf komplexen Vertragsgrundlagen.
Eignung für Privatanleger:
- Es gibt auf dem Schweizer Markt eine ganze Reihe von Anlagefonds für Cat Bonds (auch Insurance-Linked Securities, ILS), die es Privatanlegern ermöglichen, selbst kleinere private Vermögen zu diversifizieren.
11. Environmental Impact Bonds
Die Environmental Impact Bonds (EIBs) sind ein noch junges Segment der Alternativen Anlagen. Es handelt sich um Obligationen zur Finanzierung von ökologischen Projekten, wobei die Rendite ergebnisorientiert ist: Je erfolgreicher die Ziele des Projekts erreicht werden, desto höher ist die Rendite (Stichwort «pay for success»). Seit 2016 ist eine Handvoll solcher EIB-Obligationen emittiert worden. Eine der bekanntesten ist der Rhino Bond, der 2022 von der Weltbank herausgegeben worden ist. Seine Rendite wird von der Entwicklung der Nashornpopulation bestimmt.
Vorteile:
- Die Rendite von EIBs hängt von ökologischen Entwicklungen ab und ist daher unabhängig vom Verlauf der Aktien- und Obligationenmärkte.
Nachteile:
- Die zu erwartenden Renditen sind im Vergleich zu anderen Alternativen Anlagen moderat.
- Es handelt sich um einen kleinen und folglich nicht sehr liquiden Markt.
Eignung für Privatanleger:
- EIBs sind für Privatanleger nicht geeignet.
12. Intellectual Property & Royalties Assets
Patente, Markenrechte und Urheberrechte für geistiges Eigentum liefern laufende Lizenzgebühren (englisch «royalties»). Verschiedene grosse Investoren engagieren sich daher im Bereich von sogenannten Intellectual Property & Royalties Assets. Besonders populär sind Musikrechte. Einer der bedeutendsten Investoren in diesem Bereich ist der US-Pensionsfonds Michigan Treasury Pension System, der rund 1,1 Milliarden Dollar bzw. rund 1,5 Prozent seines Anlagevermögens in dieses Segment investierte.
Vorteile:
- Das Hörverhalten der Musikfans ist unabhängig von Wirtschaft und Konjunktur; die Lizenzgebühren aus Musikstücken fliessen also unabhängig davon, wie sich die Aktien- und Obligationenmärkte entwickeln.
Nachteile:
- Der an der Londoner Börse kotierte Hipgnosis Fund zeigt: Musikrechte sind kein Selbstläufer. Musik ist Moden unterworfen, und wenn z.B. die Fangemeinde älter wird und wegstirbt, fallen auch die Lizenzgebühren weg. Vor diesem Hintergrund geriet der Hipgnosis Fund in Ertragsprobleme, und er wurde schliesslich 2024 von der Private-Equity-Firma Blackstone übernommen und dekotiert.
Eignung für Privatanleger:
- Wer Musik liebt, sollte sie als Hörerlebnis geniessen und nicht als Renditeobjekt betrachten.
13. Prozessfinanzierung
Bei der Prozessfinanzierung (Litgiation Finance) finanzieren Investoren Gerichtsverfahren und erhalten im Erfolgsfall einen Teil der Entschädigungssumme.
Vorteile:
- Der Geschäftserfolg der Prozessfinanzierung ist vollständig unabhängig von der Entwicklung der Finanzmärkte; das Ergebnis hängt einzig vom Gerichtsverfahren ab. Entsprechend interessiert sind Investoren an diesem Segment der Alternativen Anlagen, das weltweit ein aktuelles Finanzierungsvolumen von gut 20 Milliarden Dollar umfasst und gemäss Schätzungen jährlich mit rund 10 Prozent wächst.
Nachteile:
- Der direkte Zugang zur Prozessfinanzierung ist in der Regel nur via spezialisierte Litigation-Finance-Fonds möglich, die von Private-Equity-Managern mit hohen Mindestinvestments und komplexen Gebührenstrukturen aufgelegt werden.
Eignung für Privatanleger:
- Der direkte Zugang zur Prozessfinanzierung steht Privatanlegern nicht offen. Als einer der Marktführer ist zwar Burford Capital an der US-Börse kotiert. Ein allfälliges Investment sollten aber nur Anleger mit der nötigen Risikobereitschaft prüfen.
Häufige Fragen (FAQs)
Welche alternativen Anlagen sind in der Schweiz am weitesten verbreitet und für Privatanleger zugänglich?
Die Schweiz bietet eine breite Palette an Alternativen Anlagen, die auch für Privatanleger zugänglich sind:
- Anlagefonds und ETFs: Über die Börse handelbar sind diverse Anlagefonds und ETFs z.B. für Edelmetalle und weitere Rohstoffe, Immobilien, Infrastrukturengagements, Hedgefonds, Private-Equity- und Private-Debt-Anbieter sowie Cat Bonds.
- Strukturierte Produkte: Für Kryptowährungen besteht eine Vielzahl börsenkotierter Strukturierter Produkte.
- Metallkonten: In die Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium lässt sich einfach und kostengünstig über Metallkonten investieren.
Ab welchem Anlagevermögen lohnt es sich, Alternative Anlagen beizumischen, und wie hoch sollte der Anteil sein?
- Strategiefonds wie jene der Migros Bank weisen zur Diversifizierung standardmässig eine gewisse Quote Alternativer Anlagen auf. Dadurch können Fondsanleger bereits mit geringen Vermögen von den Vorteilen Alternativer Anlagen profitieren.
- Auch in Vermögensverwaltungsmandaten wie jenen der Migros Bank wird standardmässig eine Quote für Alternative Anlagen vorgesehen.
- Auch wer selber anlegt, sollte auf eine breite Risikodiversifikation seines Vermögens achten und kann dazu sinnvollerweise Alternative Anlagen einsetzen. Ein Anteil von 5 bis 15 Prozent ist sinnvoll, und dieser lässt sich bereits bei Anlagevermögen in fünf- und sechstelliger Höhe z.B. über Fonds, ETFs oder (im Falle von Gold) Metallkonten einfach abdecken.
Wie werden Alternative Anlagen in der Schweiz steuerlich behandelt?
Die steuerliche Behandlung erfolgt wie bei anderen Anlagevermögen: Erträge unterliegen der Einkommenssteuer; Kapitalgewinne sind einkommenssteuerfrei, werden aber von der Vermögenssteuer erfasst.
Was sind Life Settlements? Warum sind diese einst boomenden Alternativen Anlagen verschwunden?
Der Begriff Life Settlements (auch bekannt als Handel mit «Secondhand-Policen» oder «Altpolicen») bezeichnet den Verkauf von Lebensversicherungspolicen durch den Versicherungskunden an einen Investor. Der Versicherungskunde profitiert, weil er bei der Veräusserung an den Investor mehr erhält, als wenn er die Police kündigen und von der Versicherungsgesllschaft zurückkaufen liesse. Der Investor seinerseits führt die Police weite, übernimmt die Prämien und kassiert beim Tod des Versicherungskunden die volle Versicherungssumme. Sein Gewinn ergibt sich aus der ausbezahlten Versicherungssumme abzüglich Kaufpreis und geleisteten Prämien. Dieser Gewinn ergibt sich unabhängig vom Geschehen auf den Aktien- und Obligationenmärkten, weshalb Life Settlements als Alternative Anlagen gelten.
Das Geschäftsmodell der Life Settlements verlor ab den späteren 2000er Jahren deutlich an Schwung. Zum grundsätzlichen ethischen Problem (der Gewinn ist umso grösser, je früher die versicherte Person verstirbt) traten regulatorische und steuerliche Verschärfungen. Zudem offenbarte sich, dass die Rechenmodelle der Investoren die allgemein steigende Lebenserwartung systematisch unterschätzten und die Renditen folglich überschätzten. In der Folge wandten sich die Anleger anderen Formen der Alternativen Anlagen zu.
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