Investieren in Silber: Lohnt sich das?
Der Silberpreis erreichte 2026 historische Höchststände von rund 120 Dollar pro Unze. Welches sind die Gründe, die für weitere Kursfantasie sorgen? Und wie lässt sich in Silber investieren? Lesen Sie zudem, warum sich auch ein Blick auf die anderen beiden silberfarbenen Edeldmetalle Platin und Palladium lohnt.
Zusammenfassung
– Preisentwicklung: Der Silberpreis erlebte in den letzten Jahrzehnten starke Schwankungen. Bestimmt wird die Preisentwicklung durch die Doppelrolle von Silber als Vermögensanlage und Industriemetall.
– Industrielle Bedeutung: Über 50 Prozent der Silbernachfrage stammen aus industriellen Anwendungen, insbesondere aus der Elektronik, Elektrotechnik und Photovoltaik. Zukunftstechnologien wie KI, erneuerbare Energien und Elektromobilität treiben die Nachfrage weiter an und sorgen für zusätzliche Kursfantasie, da Silber den Status eines strategischen Rohstoffs erhalten könnte.
– Investitionsmöglichkeiten: Als Anlagemöglichkeiten bieten sich vor allem physisches Silber (Münzen, Barren), Silber-ETFs, Metallkonten sowie Silberminenaktien (Einzelaktien oder ETFs). Aufgrund der hohen Volatilität sollte Silber nur als Depotbeimischung mit einem Anteil von maximal 5 Prozent, in Ausnahmefällen 10 Prozent, genutzt werden.
Nach Achterbahnfahrt erreicht Silberpreis Allzeit-Höchststände
Wer in Silber investiert, braucht mitunter starke Nerven. In den letzten zwei Jahrzehnten glich der Silberpreis nämlich einer Achterbahnfahrt. Von einem Tief bei 5.50 Dollar pro Unze (31,1 Gramm) ging es ab 2004 bis 2011 rauf zu Rekordständen bei knapp 50 Dollar. Dann folgte eine mehrjährige Baisse mit Kursen von zeitweise unter 14 Dollar. Ab 2020 setzte eine starke Erholung ein, und 2026 erreichte der Silberpreis neue historische Höchststände von rund 120 Dollar pro Unze.
Diese ausgeprägten Schwankungen erklären sich mit den verschiedenartigen Preisfaktoren, die mit der Doppelrolle des weissen Edelmetalls zusammenhängen: als Vermögensanlage und als Industriemetall.
Was den Silberpreis treibt: Angebot und Nachfrage, Goldpreis, Zentralbank-Käufe…
Entscheidend für den Preis ist das Verhältnis von Angebot (Minenproduktion, Recycling, Verkauf von Silberbeständen) und Nachfrage (v.a. Industriebedarf, Schmuck, Anlage in Münzen und Barren). 2026 dürfte das sechste Jahr in Folge sein, in dem die Nachfrage das Angebot übersteigt. Nach Schätzungen des Silver Institute, der Branchenorganisation der Silberindustrie, könnte das Angebot zwar um 1,5 Prozent steigen, weil allmählich die Silberminen die Förderung hochfahren. Das reicht aber nicht, um die auf hohem Niveau verharrende Nachfrage zu decken. Als Konsequenz rechnet das Silver Institute mit einem Angebotsdefizit von 67 Millionen Unzen. Diese Zahlen unterstützen die weitere Entwicklung des Silberpreises.
Für den Silberpreis relevant ist auch, was sich beim Gold tut. Als Vermögensanlage wird Silber oft als «kleiner Bruder des Goldes» bezeichnet, und der Silberpreis wird folglich von denselben Faktoren wie der Goldpreis bestimmt. Konkret: Je höher und unerwarteter die Inflation (z.B. wegen der US-Wirtschaftspolitik), je tiefer die (Real-)Zinsen (z.B. wegen der globalen Wachstumsschwäche) oder je grösser die Krise (z.B. wegen internationalen Spannungen), desto höher ist der Silberpreis – und umgekehrt. Die sogenannte Korrelation zwischen den beiden Metallen lag laut einer Analyse des Finanzdienstleisters CME Group seit der dem Jahr 2000 bei etwa +0,8 und bewegte sich in einem Bereich zwischen +0,6 und +0,9 (d.h. die Preisänderung des einen Metalls um 1 Prozent bewegte den Preis des anderen Metalls um 0,6 bis 0,9 Prozent in dieselbe Richtung). Während das Silber so langfristig der Richtung des Goldes folgt, sind die Ausschläge beim Silberpreis sehr viel ausgeprägter. Das Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreisen, die sogenannte Gold-Silver Ratio, ist daher grossen Schwankungen unterworfen.
Die Gold-Silver-Ratio steht aktuell am oberen Rand des langfristigen Trendkanals zwischen 50 und 80. Das heisst, Silber ist in Relation zu Gold günstig. Das dürfte denn auch ein Grund sein für die Käufe von Silber durch Zentralbanken, die ihre Abhängigkeit vom US-Finanzsystem und von Dollar-Anlagen diversifizieren wollen und die dabei nicht allein auf Gold setzen wollen. Bereits im September 2024 gab die russische Zentralbank den Kauf von Silber wie auch von Platin über die kommenden drei Jahre bekannt, und im August 2025 wurde publik, dass auch die Zentralbank von Saudi-Arabien mit Silberkäufen begonnen hat. Offen ist, ob weitere Zentralbanken folgen.
… sowie Konjunktur und US-Dollar
«Es ist unwahrscheinlich, dass Silber in grossem Stil von Zentralbanken gekauft wird, da Gold einen grösseren und liquideren Markt besitzt und weniger stark schwankt, so dass es sich besser als Währungsreserve eignet», erklärt Andrej Franz, Anlagespezialist bei der Migros Bank. «Viel eher sehen wir die Möglichkeit, dass Silber von Staaten zunehmend als strategisch wichtiger Rohstoff angesehen wird.» Denn anders als Gold ist Silber nicht nur eine Vermögensanlage, sondern auch ein wichtiges Industriemetall. Industrielle Anwendungen machen über 50 Prozent der Silbernachfrage aus; 2024 entfielen allein auf die Elektronik und Elektrotechnik 40 Prozent der Silbernachfrage. Weitere Anwendungen betreffen u.a. die Fotografie, Medizin, Wasseraufbereitung und Katalyse von chemischen Prozessen (u.a. bei Wasserstoff-Brennstoffzellen). «Mit dem Aufschwung von Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz, erneuerbaren Energien und Elektromobilität steigt die industrielle Nachfrage sehr stark an und macht Silber zu einem strategischen Rohstoff, dessen Bedeutung in den kommenden Jahren weiter zunehmen dürfte, während auf der Angebotsseite seit 10 Jahren Stagnation herrscht», erklärt Anlagespezialist Franz.
Die hohe industrielle Bedeutung sorgt dafür, dass das weisse Edelmetall eine starke Konjunkturabhängigkeit aufweist. Das hat es mit einer Vielzahl von Rohstoffen gemein, und es besitzt daher eine signifikante positive Korrelation mit Rohstoffindizes. Sprich: Die Kursverläufe von Silber und Rohstoffindizes ähneln sich. Unter den Rohstoffen besonders eng ist die Verbindung zwischen Silber und Kupfer. Denn gemäss Statistiken des Silver Institute fällt rund ein Fünftel des gesamten Silberangebots als Nebenprodukt der Kupferförderung an. Zudem werden Kupfer und Silber z.T. in ähnlichen Industrien verbaut, nämlich in der Elektronik und Elektrotechnik.
Gegenläufig ist andererseits die Kursentwicklung von Silber und US-Dollar. Silber wird primär in der amerikanischen Währung gehandelt. Je tiefer der Dollar, desto günstiger wird das weisse Edelmetall aus Sicht von Anlegern ausserhalb des Dollar-Raums, und umso höher fällt die Nachfrage aus. Das gilt vor allem mit Blick auf Indien, dessen Bevölkerung traditionell ein grosser Abnehmer von Silberschmuck und -anlagen ist, sich dabei aber sehr preissensitiv verhält. Die gegenläufige Kursentwicklung von Silber und US-Dollar erklärt sich im Übrigen auch aus dem Umstand, dass Silber (wie auch Gold) als Währungsabsicherung gilt. Sinkt also das Vertrauen in den Dollar (wie aktuell infolge von Donald Trumps Wirtschaftspolitik), erhöht sich das Bedürfnis nach Silber als Absicherung.
Energiewende sorgt für zusätzliche Kursfantasie beim Silber
Während der Dollar unmittelbar und kurzfristig den Silberpreis beeinflusst, wirkt die Energiewende eher langfristig:
- Photovoltaik (PV) machte mit einem Jahresbedarf von rund 200 Millionen Unzen 2024 umgerechnet 17 Prozent der Silbernachfrage aus. Allein in einem typischen 400-Watt-Solarpanel, wie man es z.B. für den Balkon verwendet, stecken 6 bis 8 Gramm Silber. Der Hintergrund ist, dass Silber den Strom besser leitet als jedes andere Metall. Daher spielt das weisse Edelmetall eine zentrale Rolle in zahlreichen industriellen Anwendungen, bei denen es um Elektronik oder Elektrotechnik geht, z.B. bei der Konsumgüterelektronik, bei Rechenzentren für die Künstlichen Intelligenz, bei Infrastrukturen für Netzwerke usw.
- Auch die Autoindustrie ist ein wichtiger Nachfragefaktor, selbst unter der Annahme eines langsameren Wachstums der Produktion von Elektrofahrzeugen. So stecken z.B. in der Elektronik jedes Hybrid-Autos durchschnittlich 18 bis 34 Gramm Silber, bei einem rein batteriegetriebenen E-Auto sind es sogar 25 bis 50 Gramm.
Fazit: In Silber investieren – wie geht das?
Wer positiv gestimmt ist, was die weitere Nachfrage und Preisentwicklung des Silbers betrifft, hat mehrere Investitionsmöglichkeiten:
- Für viele ist es am naheliegendsten, physisches Silber in Form von Münzen oder Barren zu kaufen. Beachten Sie, dass beim physischen Kauf von Silber (anders als bei Gold) eine Mehrwertsteuer anfällt und dass zusätzliche Gebühren für die sichere Verwahrung bei einer Bank zu berücksichtigen sind (persönliches Tresorfach oder Sammelverwahrung).
- Als Alternativen zum physischen Silber bieten sich einerseits sogenannte Silber-ETFs. Dabei handelt es sich um börsenkotierte Indexfonds (in der Fachsprache Exchange Traded Funds oder kurz ETFs genannt), die den Silberpreis eins zu eins abbilden. Eine weitere Alternative zu physischem Silber bildet andererseits ein Metallkonto, eine günstige Variante, um in Silber zu investieren.
- Anlagen in einzelne Silberminenaktien oder in einen Silberminenaktien-ETF sollten nur Investoren mit der nötigen erhöhten Risikobereitschaft ins Auge fassen.
Egal, zu welcher Anlageform man sich letztlich entscheidet: Aufgrund seiner starken Kursschwankungen eignet sich Silber nur als Depotbeimischung in klar limitiertem Ausmass (als Teil der sogenannten Alternativen Anlagen, die einen bestimmten Prozentsatz des Gesamtvermögens ausmachen). Nur wer bereit ist, erhöhte Volatilität in Kauf zu nehmen, sollte ein Silber-Engagement überhaupt in Betracht ziehen. Dazu erklärt Anlagespezialist Franz: «In einem ausgewogenen Portfolio sollte der Anteil bei maximal 5 Prozent liegen. 10 Prozent wären nur etwas für ausgesprochene ‹Enthusiasten› mit entsprechender Risikobereitschaft und -fähigkeit.»
Was ist mit den anderen «silberfarbenen» Edelmetallen Platin und Palladium?
– Nicht nur Silber glänzte 2025 mit einer mit einem Plus von über 140 Prozent des Unzen-Preises in Dollar. Auch die beiden silberfarbenen Edelmetalle Platin und Palladium, die oft im Schatten von Gold und Silber stehen, erlebten eine beeindruckende Entwicklung. Nach Jahren der Underperformance legten beide Metalle kräftig zu – Platin um 130 Prozent und Palladium um mehr als 90 Prozent. Der Hauptgrund für diesen Anstieg war ein strukturelles Angebotsdefizit. Die Förderung dieser Metalle ist stark geografisch konzentriert: Rund 70 Prozent des weltweiten Platins und etwa 35 bis 40 Prozent des Palladiums stammen aus Südafrika, während ein Grossteil des restlichen Palladiums aus Russland kommt. Probleme wie wiederkehrende Stromausfälle, eine marode Infrastruktur, soziale Spannungen und jahrelange Unterinvestitionen in Südafrika haben das Angebot stark eingeschränkt, während die Nachfrage weiterhin hoch bleibt.
– Platin: Ein Schlüsselrohstoff der Zukunft. Platin ist längst mehr als nur ein Metall für Katalysatoren, die schädliche Abgase in weniger schädliche Stoffe umwandeln. Es hat sich zu einem unverzichtbaren Rohstoff für die chemische Industrie, Hochtemperaturtechnik und vor allem für die Wasserstofftechnologie entwickelt. In Brennstoffzellen ist Platin nahezu unersetzlich, was es zu einem zentralen Baustein der Energiewende macht – ein Aspekt, der lange Zeit unterschätzt wurde.
– Palladium: Chancenreich, aber volatil. Auch Palladium zeigte im vergangenen Jahr eine starke Erholung, trotz seiner hohen Volatilität. Im Gegensatz zu Platin ist die Anwendung von Palladium enger gefasst: Rund 70 bis 80 Prozent der Nachfrage entfallen auf Katalysatoren in der Automobilindustrie. Diese starke Abhängigkeit vom Automobilsektor macht Palladium anfälliger für konjunkturelle Schwankungen, erklärt aber auch die ausgeprägte Volatilität des Metalls.
–Ausblick 2026: Die Aussichten für Edelmetalle bleiben auch in diesem Jahr vielversprechend. Erwartete Zinssenkungen, hohe Staatsdefizite und anhaltende geopolitische Unsicherheiten sprechen weiterhin für Edelmetalle als stabilen Vermögensanker. «Während Gold und Silber weiterhin eine wichtige Rolle in den Portfolios von Anlegern spielen, sollten Platin und Palladium nicht länger übersehen werden. Ihre Bedeutung in der Industrie und ihre Rolle in zukunftsweisenden Technologien machen sie zu spannenden Optionen für Investoren», erklärt Andrea Bally, Leiterin Financial Research der Migros Bank. «Wer seinen Blick über Gold und Silber hinaus erweitert, könnte von den Chancen der Edelmetalle Platin und Palladium profitieren – und sich so für die Herausforderungen der Zukunft wappnen.»
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