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Bitcoin im Portfolio: Wie sinnvoll sind Krypto-Anlagen?

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin erreichte im Oktober 2025 ein neues Allzeithoch. Doch Rendite und Risiko liegen nahe beieinander. Was bringt daher ein Bitcoin-Investment mit Blick auf das Gesamtvermögen? Und wenn überhaupt: Wie viel vom Gesamtvermögen sollte man maximal investieren?

Urs Aeberli
Publiziert Aktualisiert
Lesedauer: 6 Minuten

Zusammenfassung

– Bitcoin als Teil des langfristigen Vermögensaufbaus: Im August 2025 präsentierte die US-Regierung Ideen, künftig Bitcoin und andere Kryptowährungen als Teil der Altersvorsorge, der sogenannten 401(k)-Rentenpläne, zuzulassen. 

– Bitcoin und Korrelation: Die Kursentwicklung von Bitcoin weist eine hohe Ähnlichkeit (Korrelation) zu jener von US-Techaktien auf. Vergleichsweise gering ist dagegen die Ähnlichkeit zu den Kursen der übrigen Aktien und vor allem zu Gold und Obligationen.

– Optimale Portfolio-Beimischung: Die vergleichsweise geringe Korrelation zu Anlageklassen wie Aktien, Obligationen und Gold macht Bitcoin zu einer diversifizierenden Beimischung im Vermögensmix. Der Bitcoin-Anteil am Gesamtvermöghen kann je nach Risikobereitschaft variieren zwischen 1 Prozent (vorsichtig) und 6 Prozent (risikofreudig, teilweise kombiniert mit Ether).

Oktober 2025 bringt Rekorde und Rückschläge


Im Oktober 2025 erreichte der Kurs des Bitcoins neue Rekordstände, verzeichnete aber auch deutliche Kursverluste: 

  • Erwartungen und Ankündigungen weiterer Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed) zur Belebung der schwächelnden US-Wirtschaft befeuerten die Aktienmärkte. Davon profitierten u.a. die sehr zinssensitiven Tech-Aktien und die bei Tech-affinen Investoren beliebten Kryptowährungen. In der Folge erreichte der Kurs des Bitcoins neue Rekordstände.
  • Verstärkend wirkte der der US-Regierungsstillstand (government shutdown): Er bestärkte gewisse Anleger für eine Flucht in alternative Anlagen wie Gold, Silber und Bitcoins.
  • Hinzu kommt: Historisch gesehen ist der Oktober überdurchschnittlich oft ein starker Monat für Bitcoin. In den letzten zwölf Jahren stieg der Kurs in zehn Oktobern, weshalb sich in der Krypto-Community der Begriff «Uptober» eingebürgert hat.
  • Gleichzeitig aber ist der Bitcoin auf dem hohen Kursniveau sehr anfällig für Kursrückschläge. So führte die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, per 1. November 2025 zusätzliche Strafzölle gegen China zu verhängen, umgehend zu deutlichen Kursverlusten des Bitcoins. Nicht zuletzt, weil amerikanische Tech- und Halbleiterfirmen überproportional von diesen Massnahmen getroffen werden könnten und die Anleger die Tech-affinen Krypotwährungen in Sippenhaft nahmen.

Was ist Diversifikation – und warum ist sie wichtig?

Rendite und Risiko sind also nahe beieinander. «Lege nicht alle Eier in einen Korb!» Der Volksmund benennt treffend einen entscheidenden Punkt des professionellen Investierens: Anlegerinnen und Anleger sollten ihr Vermögen breit streuen (oder breit diversifizieren, wie es in der Finanzsprache auch heisst). Das Ziel ist, das Vermögen gezielt auf solche Anlagen zu verteilen, deren Wertentwicklung voneinander möglichst unabhängig ist. Das heisst: Wenn eine Anlage fällt, bleibt eine andere stabil oder steigt sogar – so wird das Gesamtrisiko reduziert. Zu diesem Zweck teilt man das Vermögen traditionellerweise auf verschiedene Anlageklassen auf, wie z.B. Liquidität, Aktien, Obligationen, Immobilien, Gold und Rohstoffe.

Wie passen in diesen Vermögensmix Bitcoin und andere Kryptowährungen wie z.B. Ether? Macht es Sinn, solche Anlagen beim langfristigen Vermögensaufbau zu berücksichtigen, wie das etwa die Pläne der US-Regierung vorsehen, wonach Kryptowährungen als Beimischung der 401(k)-Rentenpläne künftig erlaubt wären? Nun, für sich allein betrachtet weisen Bitcoin und andere Kryptowährungen wie Ether sehr hohe Kursausschläge auf, sowohl nach oben als auch nach unten. Entscheidend ist, ob diese Bewegungen parallel zu den anderen Anlagen des Gesamtvermögens verlaufen – man spricht hier von der sogenannten Korrelation (siehe nachfolgende Textbox):

  • Sind die Wertentwicklungen von Kryptowährungen und vom Rest des Anlagevermögens parallel, verstärken sich die Kursausschläge. Das Risiko des Gesamtvermögens steigt.
  • Sind andererseits die Bewegungen gegenläufig, gleichen sich die Schwankungen ein Stück weit aus. Das Risiko des Gesamtvermögens sinkt.

Was ist die Korrelation?

Die Korrelation drückt aus, wie ähnlich die Wertentwicklungen zweier Anlagen verlaufen. Die Korrelation reicht von -1 bis +1:

-1: Zwei Anlagen entwickeln sich exakt gegenläufig. Steigt die eine, sinkt die andere um genau denselben Betrag – und umgekehrt.

-1 bis 0: Zwei Anlagen entwickeln sich tendenziell gegenläufig.

0: Zwei Anlagen entwickeln sich komplett unabhängig voneinander.

0 bis 1: Zwei Anlagen entwickeln sich tendenziell in dieselbe Richtung.

+1: Zwei Anlagen entwickeln sich exakt in dieselbe Richtung.

Bitcoin als Teil des Vermögensmix: Ist das sinnvoll?

Ideal für die Risikodiversifikation des Vermögens sind Anlagen, die untereinander Korrelationen nahe null aufweisen. Wie schneidet dabei Bitcoin ab?

  • Aktien im Allgemeinen: Diverse Studien zeigen eine tiefe Korrelation zwischen Bitcoin und Aktien. Beispielsweise zum US-Index S&P 500 beträgt die Korrelation im Schnitt rund 0,4; zum Schweizer Index SPI fällt sie mit 0,3 sogar noch etwas tiefer aus. Mit anderen Worten: Der Bitcoin entwickelt sich relativ unabhängig vom Gesamtaktienmarkt.
  • Tech-Aktien im Besonderen: Da Bitcoin und andere Kryptowährungen auf Blockchain-Technologie basieren, werden sie oft als Teil der Technologiebranche betrachtet. Mit einer Korrelation von gut 0,5 in den letzten Jahren weisen Bitcoin und amerikanische Tech-Aktien daher gewisse ähnliche Kursmuster auf. Allerdings gilt dies nur so lange, als es keine Kryptowährungs-spezifischen Ereignisse gibt, welche die Kurse beeinflussen: z.B. regulatorische Diskussionen wie die Zulassung von Krypto-ETFs, Verkäufe von grösseren beschlagnahmten Kryptobeständen durch Strafverfolgungsbehörden oder ein sogenanntes Halving. Kommt es zu solchen Ereignissen, kann sich die Korrelation des Bitcoins zu den Tech-Aktien sehr plötzlich und stark verringern.
  • Obligationen: Die Kurse von Bitcoin und Obligationen entwickeln sich langfristig praktisch unabhängig voneinander. Die Korrelation der beiden Anlagen liegt also  nahe null.
  • Gold: Zwar wird Bitcoin oft als «digitales Gold» bezeichnet, und in gewissen Extremsituationen wie in der Covid-Pandemie 2020 oder während der US-Bankenkrise 2023 ist ein sehr ähnlicher Kursverlauf zu beobachten. Aber längerfristig liegt die Korrelation mit Gold nahe null. 
    Aufgrund dieser tiefen Korrelation prognostiziert eine Studie der Deutschen Bank, dass der Bitcoin bis 2030 in einzelnen Zentralbankbilanzen Gold als Währungsreserve ergänzen könnte. So gab Ende Januar 2025 Tschechiens Zentralbank CBN bekannt, ein Bitcoin-Investment von bis zu 5 Prozent ihrer Reserven zu prüfen. Bereits 1 Prozent seines Vermögens hält Luxemburgs Staatsfonds FSIL in Bitcoin – das Grossherzogtum ist damit das erste EU-Land, das gezielt in Bitcoin investiert. Andernorts in der Welt bestehen bereits erste staatliche Bitcoin-Währungsreserven: El Slavador hält z.B. rund 7700 Bitcoins; Bhutan besass zeitweise sogar rund 13'000 selber geschürften Bitcoins, reduziert aber seit einiger Zeit diesen Bestand zugunsten von Entwicklungsprojekten.  (Andere Staaten halten ausschliesslich Kryptowährungsbestände, die in straf- oder zivilrechtlichen Verfahren beschlagnahmt wurden. Dasselbe soll auch für die Strategic Bitcoin Reserve gelten, welche die US-Regierung aufbauen will.)

Optimaler Vermögensmix: Wie viel Bitcoin soll es sein?

Dem erwähnten vorteilhaften Einfluss des Bitcoins auf die Diversifikation steht sein Nachteil gegenüber: Er ist ausgeprägten Kursschwankungen unterworfen. Der optimale Anteil von Bitcoin am Gesamtvermögen ist daher von der Risikobereitschaft abhängig:

  • Mittlere und tiefe Risikobereitschaft: Mithilfe verschiedener Modellrechnungen kommt die Analyse der US-Investementfirma WisdomTreen auf einen optimalen Anteil von 3 Prozent für ein ausgewogenes Anlageportfolio. Für konservative, risikoscheue Anleger ergibt sich ein Anteil von 1 Prozent.
  • Erhöhte Risikobereitschaft: 5 Prozent Vermögensanteil errechnen sich für Personen, die das Renditepotenzial stärker ausreizen möchten und dazu eine erhöhte Risikobereitschaft mitbringen. So das Ergebnis von Analysen u.a. der HWZ Hochschule für Wirtschaft und der Investmentmanager Grayscale und WisdomTree. VanEck kommt in seinen Analysen sogar auf einen noch höheren optimalen Krypto-Anteil von 6 Prozent, je hälftig aufgeteilt in Bitcoin und Ether.

Fazit: Bitcoin als spekulative Depotbeimischung

Anlagen in Bitcoin und andere Kryptowährungen wie etwa Ether können mit Blick auf das Gesamtvermögen Sinn machen. Sie sollten aber aufgrund der hohen Kursschwankungen nur als spekulative Depotbeimischung betrachtet werden – gewissermassen als ein «Satellit» im sogenannten Core-Satellite-Ansatz (siehe nachstehende Textbox).

Was ist der Core-Satellite-Ansatz?

Der Core-Satellite-Ansatz ist eine beliebte Anlagestrategie. Dabei wird das Vermögensportfolio zweigeteilt:

– Kernanlage im Umfang von mindestens 75 bis 80 Prozent: Der Hauptteil des Vermögens ist breit diversifiziert investiert, z.B. mittels Strategiefonds, Vermögensverwaltungsmandat oder einem gut gestreuten Wertschriftendepot.

– Satelliten im Umfang von maximal 20 bis 25 Prozent: Ergänzend zur Kernanlage kann in spekulativere Anlagen investiert werden, z.B. Themenfonds, spekulative Einzeltitel, aussersbörslich gehandelte Aktien, Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether usw.

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