Markteinschätzung

Die EZB erhöht erneut die Leitzinsen

Am Donnerstagnachmittag, 10. September 2026, beschloss die Europäische Zentralbank (EZB), für das zweite Mal im laufenden Jahr ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte zu erhöhen. So will sie den energiepreisbedingten Anstieg der Inflation entgegenzuwirken und vor allem die Inflationserwartungen verankern. Dennoch erachten wir das zusätzliche Erhöhungspotenzial als begrenzt.

Valentino Guggia
Publiziert
Lesedauer: 3 Minuten

Zusammenfassung

– Aufgrund des Anstiegs der Inflation beschloss die EZB bei der September-Sitzung eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent (Einlagesatz).

– Die langsame Erholung der Konjunktur erschwert die Aufgabe der EZB, die Inflation durch Zinserhöhung zu bekämpfen, ohne dass das Wirtschaftswachstum gebremst wird.

– Das begrenzte Erhöhungspotenzial setzt die SNB nicht unter Zugzwang. Wir gehen nach wie vor von einer Seitwärtsentwicklung des Wechselpaars CHF/EUR aus.

Eine schwierige Konjunkturlage

Im zweiten Quartal 2026 entwickelte sich die Konjunktur in der Eurozone besser als erwartet (+0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal) nach einer halbjährigen Stagnation. Entscheidend trugen sowohl der Aussenhandel als auch eine Belebung der Industrie bei. Die Aussichten bleiben aber eingetrübt: Der Anstieg der Energiepreise könnte deutliche Wachstumsspuren auf die energieintensiven Industrie hinterlassen, der Zollkonflikt belastet den Aussenhandel mit den USA, und der private Konsum wächst weiterhin unterdurchschnittlich aufgrund der steigenden Konsumentenpreise. Zudem verzögert sich die Umsetzung der milliardenschweren Investitionspakete in Infrastruktur und Verteidigung und schafft es daher (noch) nicht, die Wirtschaft richtig anzukurbeln. 

Die EZB setzt ein Zeichen

Vor dem Hintergrund des Wirtschaftswachstums ist es gerade nicht die beste Zeit für eine Straffung der Geldpolitik, da der noch schwache Erholungsprozess durch höhere Finanzierungskosten gebremst werden könnte. Allerdings zeigte sich die EZB schon seit Beginn der Sperrung der Strasse von Hormus über deren Folgen für die Inflation besorgt. Die Teuerung wuchs für drei Monate in Folge auf aktuell 3,3 Prozent. Mit dem heutigen Zinsentscheid zeigt die EZB, dass sie die Wiederbelebung der Teuerung ernst nimmt. 

Dennoch entsteht die aktuelle Inflation in einer anfänglichen Phase aus einer anderen Ursache als nach der Covid-Pandemie, als die EZB die Geldpolitik zu zögerlich straffte. Es ist eine Verknappung des Angebots, die die Preise nach oben zieht, ohne eine Überhitzung der Nachfrage. So lässt sich der Preisauftrieb schwieriger von der Zentralbank durch Zinserhöhungen bekämpfen, da der Störungsfaktor ausserhalb des Einflussbereichs der Geldpolitik liegt. Vielmehr will die EZB mit ihrer Geldpolitik eine Verbreitung der Teuerung in andere Konsumbereiche und damit einen Anstieg der Inflationserwartungen bremsen: Die Forderungen nach Lohnerhöhungen sollen nicht zu hoch ausfallen. Denn sonst könnte dies zu weiteren Preiserhöhungen führen. So befindet sich die EZB auf einer Gratwanderung. Entsprechend erachten wir das weitere Zinserhöhungspotenzial als begrenzt. Darüber dürften sich die hochverschuldeten Euro-Länder freuen, deren Anleiherenditen zuletzt eine Aufstiegstendenz aufweisen, was die Refinanzierungskosten erhöht.

Weniger Einfluss auf die Geldpolitik der SNB

Der Zinsentscheid vom 10. September war von den Finanzmärkten vollständig eingepreist. Daher rechnen wir mit keiner deutlichen Bewegung beim Eurokurs, die im Laufe des Sommers eine positive Entwicklung für den Euro verzeichnete. Haupttreiber dafür ist die Aussicht auf eine sich ausweitende Zinsdifferenz. Die für die Schweiz relativ bessere konjunkturelle Lage bei gleichzeitig tieferer Inflation sowie die Rolle des Frankens als sicherer Hafen sind zuletzt bei der Marktbestimmung des Wechselkurses in Hintergrund getreten. Wir sind aber der Meinung, dass es um eine vorübergehende Situation handelt. Auf 12-Monats-Sicht erwarten wir daher einen Wechselkurs unter dem aktuellen Spot. In der gegenwärtigen Phase dämpft der starke Franken den Preisanstieg bei importierten Produkten – darunter auch den Erdölprodukten – etwas weniger als noch vor einigen Monaten. Dennoch gibt es noch keine Anzeichen der Entstehung von Zweirundeffekten in der Schweiz: Die Teuerung bleibt gut verankert innerhalb des Preisstabilitätsbereichs der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Demzufolge ist keine Massnahme seitens der SNB erforderlich. 

(Foto: Keystone / Boris Roessler)

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