Auf der Suche nach einem sicheren Hafen
Der aus politischer Sicht intensive Januar hat zu erhöhten Kapitalflüssen in sichere Häfen wie Gold und Schweizer Franken geführt. Der Goldrausch erfasst immer mehr Privatanleger, während die globalen Zentralbanken das Tempo der Einkäufe reduzieren. Die rasche Aufwertung des Frankens erhöht den Druck auf die Schweizerische Nationalbank, der aber die Hände gebunden sind.
Die Entführung und Verhaftung des venezolanischen Staatsoberhauptes. Die blutig niedergeschlagenen Massenproteste im Iran, die zu einer US-Interventionen führen könnten. Und dann noch die groteske Rede von US-Präsident Donald Trump am World Economic Forum in Davos, um die US-Ansprüche auf Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit zu erheben: Der erste Jahresmonat war aus geopolitischer Sicht sehr ereignisreich.
Es fehlte auch nicht an nationalen Ereignissen, die auf den internationalen Finanzmärkten grosses Echo fanden. So eröffnete das US-Justizministerium eine Untersuchung gegen den Fed-Präsidenten Jerome Powell wegen angeblichen Missbrauchs im Rahmen der milliardenschweren Renovierung des Hauptsitzes der Zentralbank. Ein beispielloser Versuch, die Geldpolitik zu beeinflussen, während die US-Staatsverschuldung ständig wächst und einen immer höheren Anteil des öffentlichen Haushalts beansprucht, um die Schuldenlast zu bedienen.
Gold glänzt wie noch nie
Dieses äusserst unsichere Umfeld bildet die optimalen Rahmenbedingungen für die als sicher wahrgenommen Anlagen. Insbesondere gibt es einen echten Goldrausch, der den Goldpreis immer weiter nach oben treibt. Wie weit kann das Edelmetall noch steigen? Die Aufgabe der Prognostiker ist in diesem Fall besonders schwierig, da Kursprognosen, regelmässig sehr schnell übertroffen werden. Das Tempo des Goldpreisanstiegs ist von verschiedenen Faktoren geprägt. Die erratische Handelspolitik und die geopolitische Neuorientierung der USA haben zum Vertrauensverlust gegenüber dem US-Dollar beigetragen, ein von Präsidenten Trump gewünschter Effekt zur Unterstützung der Warenausführen.
Da Gold an den Finanzmärkten in US-Dollar gehandelt wird, zeigt eine historische Auswertung, dass der Preis des gelben Metalls in Zeiten einer Dollarschwäche tendenziell steigt. Die Dollarschwäche wird sich nicht in kurzer Zeit auflösen. Die unberechenbare Politik von Trump, die die USA zunehmend von ihren Alliierten entfernt, und die sich immer mehr als nicht nachhaltig abzeichnende Haushaltsdefizite haben im vergangenen Jahr zahlreiche Länder dazu veranlasst, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. So beschleunigte sich ein Trend, den die Zentralbanken von aussereuropäischen Ländern bereits seit einigen Jahren vornehmen: Die USD-Währungsreserven werden zu Gunsten vom Gold und zu einem kleinen Teil von anderen Währungen umgeschichtet. Eine Auswertung des Internationalen Währungsfonds bestätigt den allmählichen Anstieg der Goldquote in den globalen Zentralbankenreserven – diese hat per Ende 2025 den USD-Anteil zum ersten Mal seit 1996 übertroffen.
Im vergangenen Jahr ging die Nachfrage der Zentralbanken auf hohem Niveau zurück und wurde von der schnell wachsenden Nachfrage von privaten und institutionellen Anlegern übertroffen, die ihren historisch niedrigen Goldanteil in ihren Portfolios deutlich erhöht haben. Hingegen ging der Verbrauch von Gold für Schmuck aufgrund der stark angestiegenen Preise zurück.
Was die zukünftige Entwicklung des Goldkurses angeht, muss man zwischen verschiedenen Treibern unterschieden. Zusätzlich zur strukturellen Entdollarisierung der Zentralbanken und dem Wunsch der Investoren, die eigenen Anlagen zu diversifizieren, scheint es in letzter Zeit eine spekulative Komponente zu geben. Gold ist in aller Munde, und die Befürchtung, nicht vom raschen Kursanstieg profitieren zu können, hat viele zum Kauf veranlasst. Wir bleiben bei der Meinung, dass zurzeit eine Aufwertung des Goldes auf ein angemessenes Niveau angesichts der neuen Weltordnung erfolgt. Wir erkennen jedoch die mögliche Gefahr erhöhter Volatilität aufgrund von Gewinnmitnahmen entlang des Wachstumspfads.
Auch der Franken bleibt gesucht
Aber nicht nur das Gold bleibt im aktuellen Umfeld gesucht. Die hiesige Währung hat sich in dieser Woche auf das höchste Niveau des letzten Jahrzehnts gegenüber dem Dollar und dem Euro aufgewertet. Das erhöht den Druck auf die Schweizerische Nationalbank (SNB), die ihre nächste Sitzung Mitte März abhalten wird. Die Notenbank befindet sich zwischen Hammer und Amboss. Mehrmals teilte SNB-Präsident Martin Schlegel mit, dass es hohe Hürden für die Wiedereinführung von Negativzinsen gebe. Im aktuellen Umfeld scheint es wahrscheinlich, dass zur Erzielung einer dauerhaften Wirkung auf den Wechselkurs die SNB tief in den negativen Bereich gehen müsste – mit den bekannten sehr negativen Nebenwirkungen.
Das Tool der Devisenmarktinterventionen kann sie dagegen zwar punktuell einsetzen, um Momente starken Drucks zu dämpfen. Aber eine dauerhafte, langfristige Intervention würde erhebliche Ressourcen erfordern und könnte die Aufmerksamkeit der USA auf sich ziehen. Die SNB-Devisenmassnahmen könnten, trotz einer gemeinsamen Erklärung im Herbst 2025 zu Währungspraktiken, auf Widerstand der US-Regierung stossen, weil sie beabsichtigen, den Dollar zu schwächen. Der Spielraum scheint daher sehr begrenzt zu sein. Da die Gründe für die Frankenaufwertung ausserhalb des Einflussbereichs der SNB liegen, rechnen wir mit keiner Anpassung des Leitzinses in diesem Jahr.
(Foto: Keystone / Martin Rütschi)
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