Markteinschätzung

Fed-Zinsentscheid: Das Pausieren hält an

Die US-Notenbank Fed hält inne – und verschiebt Zinssenkungen weiter nach hinten. Die Leitzinsen bleiben bei 3,50 bis 3,75 Prozent, der Tonfall ist klar «hawkish hold». Mit diesen Entscheid vom 18. März 2026 bestätigt die Notenbank unser Szenario, eines nur noch begrenzten Lockerungspielraums für 2026.

Santosh Brivio
Publiziert
Lesedauer: 3 Minuten

Die Entscheidung von Fed-Chef Jerome Powell (BIld) für eine weitere Senkungspause war an den Märkten nahezu vollständig eingepreist. Entsprechend gering fiel die Überraschung aus. Umso spannender ist jedoch der Kontext. Die US-Wirtschaft wächst weiterhin solide, während die Arbeitslosenquote um 4  Prozent liegt und damit zwar einer Abkühlung, aber kein Alarmzeichen signalisiert Die Inflation ist zwar vom Peak heruntergekommen, klebt aber hartnäckig und relativ deutlich über dem 2-Prozent-Ziel. Der Krieg gegen den Iran hat die sehnlichst herbeigesehnte Disinflations-Story nun nochmals empfindlich gestört: Der Ölpreisschub treibt Benzinpreise und Inflationserwartungen, was direkt in die Modelle der Fed einspeist. In dieser Gemengelage kann sie es sich schlicht nicht leisten, jetzt bereits eine Serie früher Zinssenkungen glaubhaft zu signalisieren.

Dazu kommt das politische Störfeuer: Präsident Donald Trump fordert lautstark sofortige Zinssenkungen, um die Belastungen durch höhere Energiepreise zu dämpfen und seine Wachstumsagenda zu stützen. Die Fed antwortet mit einem demonstrativen Akt der Unabhängigkeit: Ein klarer «hawkish hold» trotz politischem Trommelfeuer. Im Offenmarktausschuss (FOMC) selbst verlaufen die Bruchlinien weniger plakativ, aber sichtbar. Einige Mitglieder sind offener für frühere oder stärkere Lockerungen, doch der Median im sogenannten Dot Plot zeigt weiterhin auf wenige und späten Schritten. Der Dissens materialisiert sich also in den Projektionen, nicht in spektakulären abweichenden Stimmen im Statement.

Nur minimale Lockerungen

Inhaltlich bleibt das Statement im bekannten Raster: solide Konjunktur, stabiler, aber weniger angespannter Arbeitsmarkt, eine weiterhin zu hohe Inflation – ergänzt um klar adressierte Risiken aus dem Iran-Konflikt und dem Energiekanal. In ökonomischen Projektionen spiegelt sich dies in etwas höheren Inflationspfaden, leicht robusterem Wachstum und weitgehend unveränderten Arbeitslosenquoten. Entscheidender ist jedoch der Zinsausblick: Der Median der FOMC-Mitglieder sieht für 2026 lediglich einen Zinssenkungsschritt von 25 Basispunkten. Die Märkte, die einst zwei bis drei Lockerungen eingepreist hatten, sind inzwischen näher an diese Sicht herangerückt und preisen bestenfalls ein bis zwei Schritte ein, davon meist nur einen voll.

Unsere eigene Prognose sehen wir damit erneut bekräftigt Auf Jahressicht erscheinen insgesamt zwei Zinssenkungen um je 25 Basispunkte plausibel – allerdings mit einer klaren zeitlichen Bremse. Den ersten Schritt erwarten wir weiterhin nicht vor dem zweiten Halbjahr. Der zähe Disinflationsprozess, die geopolitischen Energie-Risiken und das politische Umfeld sprechen gegen einen frühen Startschuss. Mehr als zwei Schritte wären mit der heute betonten Inflationsvorsicht kaum vereinbar, weniger als eine Senkung würde wiederum die bereits eingepreisten Erwartungen konterkarieren.

Fester Dollar nimmt der SNB den Druck

Ein solcher Pfad stützt zusammen mit der unsicheren Weltlage den Dollar. Solange der US-Zinsvorsprung nur langsam schmilzt und die USA trotz all ihrer politischen Dramen als Wachstums- und Sicherheitsanker gelten, bleibt die US -Währung strukturell gefragt. Kurzfristige Schwankungen sind möglich, die Grundtendenz bleibt aber: Der Dollar bleibt vorerst vergleichsweise fest.

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist der Fed-Entscheid vor allem eines: eine Bestätigung. Die SNB steht mit einem Leitzins von 0  Prozent in einem Umfeld sehr tiefer, aber verankerter Inflation unter keinem Handlungsdruck für einen baldigen Richtungswechsel. Ein eher starker Dollar und eine nicht lockernde Fed nehmen der SNB zusätzlichen Druck vom Wechselkurs. Entsprechend gibt es hinsichtlich des anstehenden SNB-Entscheides vom 19. März 2026 für uns keinen Grund, von unserer bisherigen Einschätzung eines für lange Zeit unveränderten Schweizer Leitzinses abzuweichen.

(Foto: Keystone / Jim Lo Scalzo)

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