Markteinschätzung

Die Fed und die EZB lassen die Leitzinsen unverändert

In einem aufgrund der wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs besonders unsicheren Umfeld fielen die Zinsentscheide der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank (EZB). Wie von den Märkten erwartet, wurde beschlossen, keine Veränderung der Geldpolitik vorzunehmen. Der Fokus lag mehr auf den Aussagen zum zukünftigen Kurs, der nebulös bleibt.

Valentino Guggia
Publiziert
Lesedauer: 2 Minuten

Unterschiedliche Ansichten bei der Fed

Am Mittwochabend fand der letzte Zinsentscheid unter der Leitung von Jerome Powell statt. Die Meinungsvielfalt war besonders hoch: Die Beibehaltung des Leitzinses im aktuellen Bereich zwischen 3,5 und 3,75 Prozent stand nicht zur Diskussion, da sich nur Stephen Miran wie üblich für eine Lockerung der Geldpolitik aussprach. Der Grund für die Meinungsverschiedenheiten war der zukünftige Kurs der Fed: Acht FOMC-Mitglieder wollten im Communiqué die ausdrückliche Bereitschaft beibehalten, die Zinsen zu senken, während drei weitere Mitglieder gegen diese asymmetrische Formel waren. Dass es zu so einer Meinungsspaltung kommt, ist aussergewöhnlich. Entscheidend wird die Entwicklung der Inflation sein, deren Gefahr in der Formulierung der Fed gegenüber der letzten Sitzung als höher eingestuft wird. Mitte Mai wird mit Zustimmung des Senats Kevin Warsh sein Amt antreten. Powell betonte, dass er nach dem Ablauf seines Mandats an der Spitze der Fed weiterhin als Direktor im FOMC-Gremium dienen werde, mindestens so lange, bis die gegen ihn gerichteten Ermittlungen abgeschlossen sind. In der gegenwärtigen Situation scheint, dass die Meinungsvielfalt in der Fed andauern wird. Sowohl wir als auch die Marktteilnehmer gehen von höchstens einer Zinssenkung bis Ende Jahr aus. 

Die EZB erkennt hohe Risiken an 

Auch bei der EZB wurde heute keine Änderung der Geldpolitik erwartet. Die aktuellen Daten zur Inflation (April: 3 Prozent) und zum Wirtschaftswachstum (1Q26: +0,1 Prozent) zeigen, wie stark die europäische Wirtschaft den Schwankungen der Energiepreise ausgesetzt ist. Die Angst vor einer Stagflation hat die Markterwartungen nach raschen Zinserhöhungen getrieben. Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass die EZB ab dem Sommer die Leitzinsen allmählich erhöhen wird, schätzen aber den Spielraum aus zwei Gründen als beschränkt ein. Erstens ist die aktuelle Situation auf eine Angebotsinflation zurückzuführen, bei der der Preisanstieg durch die Knappheit eines Guts verursacht wird. Dies erschwert die Aufgabe der Zentralbank, die Inflation durch Zinserhöhungen zu bekämpfen – im Vergleich zu einer Inflation, die aus einer überhitzen Nachfrage entsteht. Zweitens bleibt das Wirtschaftswachstum in der Eurozone schwach, und eine zu hohe Straffung der Geldpolitik könnte zu einer Rezession führen. Die EZB steht daher vor einer schwierigen Gleichgewichtsübung. 

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