Die Fed enttäuscht die Finanzmärkte nicht
Die US-Notenbank senkte den Leitzins zum dritten Mal in Folge um einen Viertelprozentpunkt. Mit dieser Zinslockerung trotz weiterhin guter Konjunkturdaten und überschiessender Inflation erfüllt sie die selbst geschaffenen Markterwartungen. Gleichzeitig deutet Fed-Präsident Jerome Powell einen vorsichtigeren Kurs an.
Der Zinsentscheid am 10. Dezember hielt die Finanzmärkte in Atem. Umkehrung der Markterwartungen und Reden von Fed-Offiziellen in widersprüchlichen Richtungen: Die Meinungsvielfalt im Vorfeld war gross. Nach dem Meeting von Ende Oktober deutete Fed-Präsident Jerome Powell an, dass eine Senkung im Dezember nicht im Stein gemeisselt sei. Aufgrund des mittlerweile abgeschlossenen Shutdowns kam es zu Ausfällen und Verzögerungen bei der Veröffentlichung von makroökonomischen Daten, die die Beurteilungsgrundlage der Fed darstellen. Zunächst waren die Märkte überzeugt, im Dezember eine Pause einzulegen, bis die Rede des Präsidenten der New Yorker Fed, John Williams, die Karten neu mischte. Er sah ausreichenden Spielraum, um die Zinsen zu senken. Grund dafür sei das steigende Risiko einer Abschwächung auf dem Arbeitsmarkt und die abnehmende Gefahr einer zu hohen Inflation. In der Folge stieg die marktimplizierte Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung von 30 auf 90 Prozent an.
Kein dringender konjunktureller Bedarf
Aufgrund dieser Aussagen befand sich die Fed praktisch unter Zugzwang zur Lockerung. Mit der nunmehr geltenden Zinsspanne von 3,5 bis 3,75 Prozent indiziert die Notenbank, dass sie im Rahmen des dualen Mandats derzeit den Risiken am Arbeitsmarkt mehr Gewicht beimisst als der Inflation, die nach wie vor über 3 Prozent liegt.
Mit der langsamen Wiederaufnahme der Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten wird unsere Annahme bestätigt, dass sich der Arbeitsmarkt nicht in Richtung Einbruch bewegt. Im September lag die Anzahl neugeschaffener Stellen deutlich über den Erwartungen, die Nachfrage der Unternehmen hat sich leicht erhöht und die neuen Anmeldungen für das Arbeitslosengeld lassen keine Entlassungswelle erkennen. Wir beurteilen die aktuelle Lage als eine Normalisierung nach einer Überhitzungsphase. Darüber hinaus zeigt das Wirtschaftswachstum trotz der Zollpolitik keine Bremsung der Konjunkturdynamik, sondern eher einen anhaltend hohen Gang. Wir gehen von einer Fortsetzung dieser robusten Dynamik in den kommenden Quartal aus, gestützt auch von steuerlichen Entlastungen im nächsten Jahr.
Auch bezüglich der Inflation bliebe ein vorsichtigerer Fed-Kurs angezeigt, da alle Kenngrössen das anhaltende und deutliche Überschiessen des Fed-Ziels von 2 Prozent untermauern. Der vielfach befürchtete Preisschock aufgrund der drastischen Importzölle lässt aber weiter auf sich warten.
Wenige weitere Zinssenkungen werden folgen
In unserer Leitzinsprognose gingen wir bewusst von einer Zinspause im Dezember aus, die auf den erwähnten Faktoren basiert und konsistent mit dem angekündigten datenbasierten Ansatz der Fed ist. Wir erkannten jedoch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung aufgrund von Faktoren, die nicht rein konjunkturell bedingt sind. Der politische Druck auf die Fed ist offensichtlich und Powell nähert sich dem Ende seiner Amtszeit an der Spitze der Zentralbank. Innerhalb des Gremiums bleiben die Meinungsverschiedenheiten bestehen. Zwar ist es nicht mehr wegzudiskutieren, dass die Forderungen des Weissen Hauses im Offenmarktausschuss (FOMC) zunehmend mehr Gehör finden. Allerdings dürften die weiterhin robuste Konjunktur und die latente Inflationsgefahr für einen vorsichtigeren Kurs sorgen. Diese Meinung wird auch von einem immer noch überwiegenden Teil der FOMC-Mitglieder geteilt, der innert Jahresfrist nur mit einer einzigen Zinssenkung rechnet.
(Foto: Keystone / EPA, Michael Reynolds)
Disclaimer
Die in dieser Publikation der Migros Bank AG enthaltenen Informationen dienen zu Werbe- und Informationszwecken gemäss Art. 68 des Finanzdienstleistungsgesetzes. Sie sind nicht das Ergebnis einer (unabhängigen) Finanzanalyse. Die darin enthaltenen Informationen begründen weder eine Aufforderung, ein Angebot noch eine Empfehlung zum Kauf und Verkauf von Anlageinstrumenten oder zur Durchführung bestimmter Transaktionen oder zum Abschluss eines anderen Rechtsgeschäftes, sondern haben ausschliesslich beschreibenden, informativen Charakter. Die Informationen stellen weder ein Kotierungsinserat, ein Basisinformationsblatt noch einen Prospekt dar. Insbesondere stellen sie keine persönliche Empfehlung oder Anlageberatung dar. Sie berücksichtigen weder Anlageziele, das bestehende Portfolio noch die Risikobereitschaft oder Risikofähigkeit oder finanzielle Situation oder andere besondere Bedürfnisse des Empfängers. Der Empfänger ist ausdrücklich aufgerufen, seine allfälligen Anlageentscheide aufgrund eigener Abklärungen inklusive Studium der rechtsverbindlichen Basisinformationsblätter und Prospekte oder auf der Informationsbasis einer Anlageberatung zu treffen. Die rechtsverbindlichen Produktdokumentationen sind, sofern diese vorgeschrieben und vom Emittenten bereitgestellt wurden, über migrosbank.ch/bib erhältlich. Der Inhalt dieser Publikation wurde möglicherweise ganz oder teilweise mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Die Migros Bank AG verwendet beim Einsatz von künstlicher Intelligenz ausgewählte Technologien und veröffentlicht keine maschinell generierten Inhalte ohne menschliche Überprüfung. Unabhängig davon, ob die vorliegenden Informationen mit oder ohne Unterstützung durch künstliche Intelligenz erstellt wurden, übernimmt die Migros Bank AG keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der vorliegenden Informationen und lehnt jegliche Haftung für allfällige Verluste oder Schäden irgendwelcher Art ab, welche im Zusammenhang mit diesen Informationen entstehen könnten. Die vorliegenden Informationen stellen lediglich eine Momentaufnahme im aufgedruckten Zeitpunkt dar; es erfolgen keine automatischen, regelmässigen Anpassungen.