Fed-Zinsentscheid: Noch nicht Zeit, den Leitzins zu erhöhen
Die US-Notenbank Fed verzichtet vorerst auf eine Straffung der Geldpolitik. Die Inflationsrisiken bleiben aufgrund der Lage im Nahen Osten erhöht, und die Fed nimmt sich Zeit, um die Lage besser einschätzen zu können. Wir rechnen mit einer Zinserhöhung im Herbst.
Kein einstimmiger Entscheid
Am Mittwochabend beschloss die Fed, den Leitzins unverändert zwischen 3,50 und 3,75 Prozent zu lassen. Im Gegensatz zum ersten Zinsentscheid unter der Führung des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh fiel der Entscheid nicht einstimmig: Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses sprachen sich für eine Zinserhöhung aus und zeigten sich daher besonders sensibel gegenüber der Inflation, die seit mehreren Jahren über dem Ziel der Fed liegt.
Die Markterwartungen waren vor dem Entscheid gespalten: Die Wahrscheinlichkeit einer Verlängerung der Zinspause lag bei rund zwei Drittel, und eine Zinserhöhung war erst für September eingepreist. Der Paradigmenwechsel in der Kommunikation der Fed mit dem Verzicht auf eine Forward Guidance und die unsichere Inflationsentwicklung mit der Wiederaufnahme der Angriffe im Iran trugen beide zur Verhinderung der Entstehung einer dominierenden Marktmeinung bei. So lag der Fokus mehr auf den Aussagen von Warsh während der Pressekonferenz als auf dem kurzen Statement. Er bestätigte die Absicht der Fed, die überschiessende Inflation wieder auf den Zielwert bringen zu wollen, und bekräftigte seine Absicht, sich nicht über den zukünftigen Kurs zu äussern, sondern einen datengestützten Ansatz zu verfolgen.
Die Makrolage
Die Entwicklung der Inflation bleibt eine grosse Unbekannte. Nach dem Rückgang im Juni von 4,2 auf 3,5 Prozent erwarten wir einen Anstieg im Juli, da sich der Erdölpreis im Vergleich zu vor einem Monat um 20 Prozent erhöht hat und der Schiffverkehr durch die wichtigen Seewege bei der Strasse von Hormuz und nun auch bei Bab al-Mandab eingeschränkt bleiben. Darüber hinaus gingen die strategischen Erdölreserven in den USA innerhalb der letzten Monate deutlich zurück. Dies erschwert die Fähigkeit der Regierung, den Druck auf die Treibstoffpreise für längere Zeit zu dämpfen.
Zurzeit deutet die Daten trotz allem auf ein widerstandsfähiges Wirtschaftswachstum in den USA. Auch der Arbeitsmarkt zeigt sich in einer besseren Verfassung nach einer Abkühlungsphase und einer bei 4,2 Prozent verharrenden Arbeitslosenquote. Dies verschafft der Fed Spielraum, um den Leitzins bei Bedarf zu erhöhen. Ähnlich wie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) würde eine Zinserhöhung wenig zur Eindämmung der Inflation beitragen, da diese von einem exogenen angebotsseitigen Schock herrührt, der ausserhalb des Einflussbereichs der Fed liegt. Dennoch würde die Fed ein Zeichen setzen, dass sie die Inflationsrisiken ernst nimmt – und damit Inflationserwartungen und Vorstellungen über Lohnforderungen verankern. In unserem Basisszenario gehen wir von einer einzigen Zinserhöhung bis Ende Jahr aus.
Pläne für die Zukunft
Längerfristig strebt Warsh einen niedrigen Leitzins und eine Änderung der Geldpolitik an. Zurzeit untersucht die Fed, inwiefern der Einsatz von Künstlicher Intelligenz inflationsbremsend wirkt, was ein tieferes Leitzinsniveau erlauben würde. Das zukünftige Leitzinsniveau ist auch hinsichtlich des Abbaus der Fed-Bilanz von entscheidender Bedeutung, da der Bilanzabbau zum grossen Teil durch den Verkauf von Staatsanleihen durchgeführt werden soll, was zu einem Anstieg der Rendite führen würde. Das Renditeniveau der US-Staatsanleihen hat sich bereits aufgrund der Sorgen um den schnell wachsenden Schuldenberg erhöht. Eine zusätzliche Zunahme würde die Staatsfinanzen noch mehr unter Druck setzen. Wenn Warsh diesen Plan wirklich umsetzen will, wird es eine schwierige Aufgabe sein, die Unabhängigkeit der Fed aufrechtzuerhalten, ohne sie den Forderungen nach fiskalischer Dominanz zu opfern.
Fester Dollar gegenüber dem Franken
Zuletzt hat der US-Dollar wieder etwas an Wert gegenüber dem Franken und weiteren Währungen gewonnen. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe. Erstens ist Erdöl in Dollar notiert, und wenn der Ölpreis steigt, steigt die Nachfrage nach dem Greenback. Und zweitens stützen die Aussichten nach einer Ausweitung des US-Zinsvorsprungs die amerikanische Währung. Wir rechnen aber nicht mit einer deutlichen Abwertung des Frankens, sondern erwarten eine Seitwärtsbewegung mit möglichen kurzfristigen Ausschlägen, die sich jeweils innerhalb von Wochen wieder korrigieren.
(Foto: Keystone / Shawn Thew)
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