EZB: Weiter wie zuvor
Die Europäische Zentralbank lässt ihre Geldpolitik für das fünfte Mal in Folge unangetastet. Die Inflation notiert bereits unter dem 2-Prozent-Ziel, und zurzeit besteht kein Handlungsbedarf für geldpolitische Anpassungen.
Bei ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr beschloss die Europäische Zentralbank (EZB), die Geldpolitik nicht anzupassen. So liegt der Einlagesatz nach wie vor bei 2 Prozent. Die Zinspause wurde weitgehend von den Finanzmärkten erwartet, die bis Jahresende mit keiner weiteren Zinssenkung rechnen.
Die Inflation im Euroraum sank im Januar auf 1,7 Prozent (dank rückläufiger Energiepreise) – und damit unter das EZB-Ziel. Auch die hartnäckige Teuerung der Dienstleistungspreise normalisiert sich allmählich. Da die Inflation unter Kontrolle bleibt, kann sich die EZB auf das Wirtschaftswachstum fokussieren.
Der Arbeitsmarkt verzeichnet eine historisch tiefe Arbeitslosenquote, und die Lockerung der Finanzierungskonditionen stützt die Investitionstätigkeit. Trotz schwierigem Umfeld wegen der US-Zollpolitik wuchs das Bruttoinlandsprodukt der gesamten Eurozone im vierten Quartal 2026 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Auch die deutsche Wirtschaft konnte nach einem rückläufigen und einem stagnierenden Quartal wieder zulegen. Die gute Nachricht zur wirtschaftlichen Resilienz der Währungsunion räumt die strukturellen Sorgen aber nicht aus. Die europäische Wirtschaft leidet seit Jahren unter strukturellen und regulatorischen Problemen, die das Wirtschaftswachstum dämpfen. Darüber hinaus belasten die US-Zölle, die generelle Unsicherheit um den Aussenhandel sowie die deutlich höheren Energiekosten im Vergleich zu den wichtigsten Konkurrenten die Wachstumsaussichten.
Ohne den weiteren geldpolitischen Kurs offenzulegen, betonte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass die Geldpolitik in einer guten Position sei und dass die Zinsentscheide von Sitzung zu Sitzung auf Basis der verfügbaren Daten getroffen würden. Die letzten EZB-Wirtschaftsprognosen vom vergangenen Dezember gehen von einem unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum und keiner deutlichen Wiederbelebung der Inflation aus. So werden die schrittweise Umsetzung der milliardenschweren Investitionspläne sowie die Zunahme des privaten Konsums aufgrund der realen Kaufkraftsteigerungen das Wirtschaftswachstum stützen, ohne dass dies zu einem übermässigen Preisdruck führt.
Im unserem Basisszenario gehen wir von einem stabilen Leitzinsniveau aus. Auf Zwölfmonatssicht erachten wir eine einzelne zusätzliche Zinssenkung als möglich, falls Konjunktur oder Inflation von den Erwartungen deutlich nach unten abweichen würden oder wenn eine zu starke Aufwertung gegenüber dem US-Dollar die exportorientierte Wirtschaft zu stark unter Druck setzt.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Aus Schweizer Perspektive ändert die Fortsetzung der Zinspause das Bild nicht. Infolge der Verschärfung der geopolitischen Lage im Januar gewann der Franken als klassischer Zufluchtswährung an Wert gegenüber dem Euro und erreichte den höchsten Wert des letzten Jahrzehnts. Zurzeit hat sich der Wechselkurs EUR/CHF knapp unter 0.92 stabilisiert. Dies ist ein Niveau, unterhalb dessen die Schweizer Nationalbank (SNB) wahrscheinlich aktiver wird und punktuelle Devisenkäufe tätigt, um Aufwertungsdruck auf den Franken abzufedern. Für die nächsten 12 Monaten rechnen wir mit einer Entwicklung in einem engen, leicht nach oben gerichteten Seitwärtskanal. Das Währungspaar hat sich dem geldpolitischen Einflussbereich weitgehend entzogen und ist vielmehr von den globalen Schwierigkeiten getrieben. Anleger werden in diesem Umfeld weiterhin ungeachtet vom tiefen Zinsniveau den Schutz im sicheren Schweizer Hafen suchen.
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