Markteinschätzung

EZB: Jahresausklang ohne Überraschung

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt ihre Geldpolitik unangetastet. Die Aussichten für die Eurozone bleiben aufgrund zahlreicher Herausforderungen nicht rosig. Zurzeit besteht kein Handlungsbedarf für geldpolitische Anpassungen.

Valentino Guggia
Publiziert
Lesedauer: 3 Minuten

Bei ihrer letzten Sitzung vom Jahr 2025 beschloss die EZB, die Leitzinsen unangetastet zu lassen. So liegt der Einlagesatz nach wie vor bei 2 Prozent. Die Zinspause wurde weitgehend von den Finanzmärkten erwartet. Wie üblich betonte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass sich die Geldpolitik in einer guten Position befindet und dass die Zinsentscheide von Sitzung für Sitzung auf Basis der verfügbaren Daten getroffen werden. Daher verzichtet die Zentralbank auf einen klaren Hinweis auf den zukünftigen Kurs der Geldpolitik. Die Märkte erwarten nicht mehr, dass es zu einer weiteren Zinssenkung in den nächsten 12 Monaten kommen wird.

Die Euroraum-Inflation verharrte zuletzt mit 2,1 Prozent nahe beim EZB-Ziel, der Arbeitsmarkt verzeichnet eine historisch tiefe Arbeitslosenquote, und die Lockerung der Finanzierungskonditionen stützt die Investitionstätigkeit. Trotz des international schwierigen Umfelds wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der gesamten Eurozone um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Diese gute Nachricht zur Resilienz der Wirtschaft in der Währungsunion räumt aber die Sorgen nicht aus, vor allem wenn man die Entwicklung der einzelnen Mitgliedsländer ansieht. Die europäische Wirtschaft leidet seit Jahren unter strukturellen und regulatorischen Problemen, die das Wirtschaftswachstum dämpfen. Darüber hinaus führen die US-Zölle, die Stärke des Euro sowie die generelle Unsicherheit weiterhin zu einer Belastung des Aussenhandels. Zudem zeigt sich bei den grösseren Volkswirtschaften ein düsteres Bild.

Insbesondere Deutschland kommt nicht vom Fleck und stagniert weiterhin. Die Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung sind mit den umfangreichen öffentlichen Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur verbunden. Diese werden sich jedoch über viele Jahre erstrecken und zu hitzigen politischen Debatten über die angemessene Verwendung dieses Sondervermögens führen. Auch in Italien bleibt das Wirtschaftswachstum verhalten, während Frankreich mit einem überdurchschnittlichen Wachstum überraschte. Allerdings könnte es sich um ein Strohfeuer handeln. Der Grund dafür ist, dass der Staat in Frankreich aktiv in die Wirtschaft eingreift: Die Staatsquote, die das Verhältnis zwischen Staatsausgaben und BIP misst, liegt bei 58 Prozent, einem Spitzenwert unter den Industrieländern.

Die EZB-Präsidentin musste auch die Erwartungen auf Zinserhöhungen dämpfen. Vor kurzer Zeit sagte Direktionsmitglied Isabel Schnabel in einem Interview, dass der nächste Schritt der EZB eine Erhöhung wegen der Wachstums- und Inflationsrisiken sein werde. Das wird aber nicht so bald passieren. Denn die Makro-Prognosen der EZB für das kommende Jahr unterstützen diese These nicht. Es wird von einem noch verhaltenen Wirtschaftswachstum ausgegangen und mit keiner deutlichen Wiederbelebung der Inflation gerechnet.

Im unserem Basisszenario gehen wir von einem stabilen Leitzinsniveau aus. Auf Zwölfmonatssicht erachten wir eine einzelne zusätzliche Zinssenkung als möglich, falls Konjunktur oder Inflation von den Erwartungen deutlich abweichen würden.

Kaum Einfluss für den Wechselkurs

Aus Schweizer Perspektive ändert die Fortsetzung der Zinspause das Bild nicht: Beim Wechselkurs EUR/CHF zeichnet sich keine Veränderung ab, und wir rechnen für die nächsten 12 Monaten mit einer Entwicklung in einem Seitwärtskanal. Das Währungspaar hat sich dem geldpolitischen Einflussbereich weitgehend entzogen und ist vielmehr von den Schwierigkeiten im Euroraum getrieben. Anleger werden in diesem Umfeld weiterhin ungeachtet vom tiefen Zinsniveau den Schutz im sicheren Schweizer Hafen suchen.

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