Markteinschätzung

Die Fed zieht die Bremse an – und setzt ein globales Signal

Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent erhöht. Damit beendet sie die expansive geldpolitische Phase mit drei Zinssenkungen 2025 vorerst abrupt – und macht klar: Der Kampf gegen die Inflation ist noch nicht gewonnen.

Santosh Brivio
Publiziert
Lesedauer: 4 Minuten

Geldpolitische Wende

Die Leitzinserhöhung wurde im Vorfeld auf breiter Front erwartet. Dennoch werten wir den Schritt als geldpolitische Wende mit erheblicher Signalwirkung. Denn damit reagiert die Fed auf eine Inflation, die sich als zäher erweist als erhofft: So stieg die Kernteuerung im August um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und lag mit 2,4 Prozent weiterhin klar zu hoch. Auch die Gesamtinflation verharrte bei 3,4 Prozent und damit deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent.

Gleichzeitig liefert der Arbeitsmarkt der Fed kaum Argumente für Geduld: Das Beschäftigungswachstum fiel stärker aus als erwartet, die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent stabil, mit positiven Revisionen der Vormonatsdaten.

Entscheidend ist nun nicht allein der Zinsschritt, sondern die Botschaft dahinter. Denn sollte zur Inflationseindämmung eine nochmalige Erhöhung nötig sein, wird aus einem weitgehend eingepreisten Entscheid ein neues Regime: «Higher for longer» ist dann definitiv nicht mehr bloss ein Marktrisiko, sondern wieder der geldpolitische Grundton.

Zumal für ein Stillhalten ebenfalls gewichtige Argumente gesprochen hätten. Vor allem dass mehrere Preistreiber – geopolitische Spannungen sowie energieintensive KI-Investitionen – auf der Angebotsseite liegen und sich mit höheren Leitzinsen nur begrenzt bekämpfen lassen, erachten wir als bedeutsam und wurde von uns immer wieder erwähnt. Zudem könnte die abrupte Kehrtwende nach den Zinssenkungen von 2025 den Eindruck erwecken, die Fed reagiere hektisch auf einzelne Datenpunkte. Die Fed hat sich nun für das Gegenargument entschieden: Die Gefahr einer verfestigten Inflation wiegt schwerer als das Risiko eines zu frühen Bremsmanövers.

Aktienmärkte: Die zweite Runde zählt

An den Aktienmärkten scheint die unmittelbare Reaktion begrenzt, da die Zinserhöhung mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet wurde und das Marktumfeld derzeit mehr von den Diskussionen rund um KI geprägt ist. Die eigentliche Bewährungsprobe folgt aber mit der Rhetorik in den kommenden Wochen. Signalisiert die Fed eine weitere Straffung, geraten vor allem hoch bewertete Technologieaktien sowie Immobilien- und Versorgungswerte unter Druck. Denn höhere Diskontierungssätze treffen jene Sektoren besonders stark, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen.

Bleibt die Fed dagegen bei einer vorsichtig datenabhängigen Sprache, interpretiert der Markt die Erhöhung als einmalige Absicherung gegen einen erneuten Inflationsschub. Wir erwarten deshalb eine zunehmende Differenzierung: Robuste Unternehmensgewinne und Preissetzungsmacht gewinnen an Bedeutung, zinssensitive Wachstumsfantasie verliert an Rückhalt.

Dollar und Franken: Der Zinsvorteil wird grösser

Für den Dollar ist der Entscheid zunächst klar positiv. Gegenüber dem Franken vergrössert sich der Zinsabstand vorderhand auf rund vier Prozentpunkte. Das stärkt den Carry-Anreiz zugunsten des Dollars und spricht für Aufwärtsdruck bei USD/CHF.

Der Franken gerät damit zunächst weiter unter Abwertungsdruck. Allerdings verläuft der Weg kaum geradlinig: Eine zu restriktiv wirkende Fed dämpft die Risikoneigung an den Finanzmärkten. In einem ausgeprägten Risk-off-Umfeld gewinnt der Franken als sicherer Hafen wieder an Attraktivität und kompensiert einen Teil seines Zinsnachteils. Kurzfristig überwiegt aus unserer Sicht jedoch der Zinskanal – und damit ein stärkerer Dollar.

SNB: Abwarten wird leichter

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) erleichtert die Fed-Erhöhung den Entscheid am 25. September. Ein schwächerer Franken reduziert den Deflationsdruck über Importpreise und relativiert zugleich die jüngste Überraschung bei der Schweizer Teuerung, die im August auf 0,8 Prozent gestiegen ist. Die SNB kann deshalb mit guten Gründen bei 0 Prozent verharren.

Gleichzeitig legt sie sich kaum zu früh fest. Dass SNB-Präsident Martin Schlegel zuletzt die üblichen Hinweise auf Frankeninterventionen und Inflationsrisiken ausliess, schafft Raum für taktische Flexibilität. Nach der Fed-Erhöhung dürfte die SNB diesen Spielraum erst recht zu nutzen wissen: Sie wartet ab, beobachtet die Wechselkursentwicklung und tritt bei Bedarf verbal gegen eine übermässige Frankenaufwertung auf. Eine eigene Zinserhöhung bleibt für uns trotz der etwas höheren Inflation auf Jahressicht nicht das Basisszenario.

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