Pensionskasse & AHV auszahlen bei Auswanderung: Geht das?
Wer den Ruhestand im Ausland verbringen möchte, sollte früh klären, was mit AHV, Pensionskasse und Säule 3a passiert. Ob Sie Vorsorgegelder beziehen können und welche Regeln gelten, hängt unter anderem von der Vorsorgeform und vom Zielland ab. Auch Steuern und Versicherungen spielen bei einer Auswanderung eine wichtige Rolle. Dieser Ratgeber zeigt, was Sie beachten und wie Sie den Bezug Ihrer Vorsorgegelder planen.
Zusammenfassung
– AHV: Die AHV wird grundsätzlich als monatliche Rente ausbezahlt. Schweizer sowie EU/EFTA-Staatsangehörige erhalten ihre AHV-Rente auch bei einem Wohnsitz im Ausland. Bei anderen Staatsangehörigkeiten hängt der Anspruch unter anderem davon ab, ob ein Sozialversicherungsabkommen mit der Schweiz besteht. In bestimmten Fällen kann anstelle einer Rente eine Rückvergütung der AHV-Beiträge beantragt werden.
– Pensionskasse: Bei einem Umzug in einen EU/EFTA-Staat gelten für den obligatorischen und den überobligatorischen Teil unterschiedliche Regeln. Bei einer Auswanderung in einen Drittstaat können Sie grundsätzlich das gesamte Pensionskassenguthaben beziehen.
– Säule 3a: Bei einer definitiven Auswanderung können Sie Ihr 3a-Guthaben vorzeitig beziehen – unabhängig vom Zielland.
– Steuern: Kapitalbezüge aus der Vorsorge können in der Schweiz der Quellensteuer unterliegen. Zusätzlich sind die Besteuerung im neuen Wohnsitzland und ein allfälliges Doppelbesteuerungsabkommen zu berücksichtigen.
– Frühzeitig planen: Bereiten Sie Ihre Auswanderung frühzeitig vor und beziehen Sie Vorsorgegelder, Steuern, Versicherungen und benötigte Unterlagen mit ein. So vermeiden Sie Verzögerungen und behalten auch frühere Freizügigkeits- und Vorsorgeguthaben im Blick.
1. Säule: Kann ich mir die AHV bei der Auswanderung auszahlen lassen?
Nein. Die AHV-Altersrente können Sie bei einer Auswanderung grundsätzlich nicht als Kapital beziehen. Sie wird als monatliche Rente ausbezahlt. Ob Sie die AHV-Rente auch nach dem Wegzug ins Ausland erhalten, hängt insbesondere von Ihrer Staatsangehörigkeit und von einem Sozialversicherungsabkommen mit der Schweiz ab.
EU/EFTA-Staaten
Besitzen Sie die Schweizer oder eine EU/EFTA-Staatsangehörigkeit, erhalten Sie Ihre ordentliche AHV-Rente auch bei einem Wohnsitz im Ausland. Ziehen Sie in einen EU/EFTA-Staat, gelten für die Anmeldung und Auszahlung die Regeln zur Koordination der Sozialversicherungen zwischen der Schweiz und der EU bzw. EFTA.
Drittstaaten
Auch bei einem Umzug in einen Drittstaat behalten Schweizer sowie EU/EFTA-Staatsangehörige grundsätzlich ihren Anspruch auf die AHV-Rente. Bei anderen Staatsangehörigkeiten kommt es darauf an, ob mit der Schweiz ein Sozialversicherungsabkommen besteht. Ohne ein solches Abkommen kann die AHV-Rente in der Regel nicht ins Ausland ausbezahlt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen ist stattdessen eine Rückvergütung der bezahlten AHV-Beiträge möglich.
2. Säule: Kann ich meine Pensionskasse auszahlen lassen, wenn ich auswandere?
Bei einer definitiven Auswanderung können Sie Ihr Pensionskassenguthaben unter bestimmten Voraussetzungen als Kapital beziehen. Ob das gesamte Guthaben oder nur ein Teil ausbezahlt werden kann, hängt vor allem davon ab, ob Sie in einen EU/EFTA-Staat oder in einen Drittstaat ziehen. Entscheidend ist zudem, ob Ihr Guthaben aus dem obligatorischen oder überobligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge stammt. Beziehen Sie bereits eine Pensionskassenrente, wird diese gemäss Reglement Ihrer Vorsorgeeinrichtung auch ins Ausland ausbezahlt.
Obligatorium vs. Überobligatorium
Das Obligatorium umfasst den gesetzlich vorgeschriebenen Teil der beruflichen Vorsorge. Sparleistungen, die darüber hinausgehen, gehören zum Überobligatorium. Diese Unterscheidung ist bei einer Auswanderung in die EU oder EFTA wichtig: Für den obligatorischen und den überobligatorischen Teil gelten unterschiedliche Regeln für die Barauszahlung.
EU/EFTA-Staaten
Ziehen Sie in einen EU/EFTA-Staat und sind Sie dort obligatorisch gegen Alter, Invalidität und Tod versichert, können Sie nur den überobligatorischen Teil Ihrer Pensionskasse bar beziehen. Der obligatorische Teil bleibt in der Schweiz und wird auf ein Freizügigkeitskonto oder eine Freizügigkeitspolice übertragen.
Sind Sie im neuen Wohnsitzland nicht obligatorisch versichert und können dies nachweisen, ist die Auszahlung auch des obligatorischen Teils möglich. Ob eine Versicherungspflicht besteht, lässt sich über den Sicherheitsfonds BVG abklären.
Drittstaaten
Ziehen Sie dauerhaft in einen Staat ausserhalb der EU und EFTA, können Sie grundsätzlich das gesamte Pensionskassenguthaben beziehen – also sowohl den obligatorischen als auch den überobligatorischen Teil. Eine Abklärung der Versicherungspflicht durch den Sicherheitsfonds BVG ist dafür nicht erforderlich.
3. Säule: Was passiert mit der 3. Säule bei einer Auswanderung?
Bei einer definitiven Auswanderung können Sie Ihr Guthaben aus der Säule 3a vorzeitig beziehen. Anders als bei der Pensionskasse spielt es dabei keine Rolle, ob Sie in einen EU/EFTA-Staat oder in einen Drittstaat ziehen. Voraussetzung ist, dass Sie die Schweiz endgültig verlassen.
Berücksichtigen Sie vor der Auswanderung auch mögliche Beitragslücken in der Säule 3a. Seit 2026 lassen sich Lücken ab dem Beitragsjahr 2025 bis zu zehn Jahre rückwirkend schliessen. Die Nachzahlung können Sie im Jahr der Einzahlung vom steuerbaren Einkommen abziehen. Voraussetzung ist unter anderem, dass Sie sowohl im Jahr der Beitragslücke als auch im Jahr der Nachzahlung ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen in der Schweiz erzielen und den ordentlichen 3a-Maximalbetrag im laufenden Jahr vollständig einzahlen. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber «Säule 3a nachzahlen: Was ab 2026 gilt». Beim Bezug der Säule 3a können Steuern sowohl in der Schweiz als auch im neuen Wohnsitzland anfallen. Welche Regeln gelten und welche Rolle ein Doppelbesteuerungsabkommen spielt, erklären wir weiter unten im Kapitel zu den Steuern.
Die Säule 3b gehört zur freien Vorsorge. Über entsprechende Sparguthaben können Sie grundsätzlich frei verfügen. Bei Versicherungs- oder anderen Vorsorgelösungen gelten die jeweiligen Vertragsbedingungen.
Steuern: Was muss ich bei einer Auswanderung beachten?
Beziehen Sie nach Ihrem Wegzug Kapital aus der Pensionskasse, einem Freizügigkeitskonto oder der Säule 3a, zieht die Schweizer Vorsorgeeinrichtung grundsätzlich Quellensteuer ab. Massgebend ist dabei der Sitzkanton der Vorsorgeeinrichtung. Die Höhe der Quellensteuer hängt unter anderem vom Kanton und von der Höhe der Kapitalleistung ab.
Ob diese Quellensteuer definitiv anfällt, hängt vom Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen der Schweiz und Ihrem neuen Wohnsitzstaat ab:
- Weist das Abkommen das Besteuerungsrecht dem neuen Wohnsitzstaat zu, können Sie die in der Schweiz abgezogene Quellensteuer unter den entsprechenden Voraussetzungen zurückfordern. Den Antrag müssen Sie grundsätzlich innerhalb von drei Jahren nach der Auszahlung einreichen.
- Auch bei einer laufenden Pensionskassenrente bestimmt das jeweilige DBA, ob die Schweiz Quellensteuer erheben darf oder das Besteuerungsrecht beim Wohnsitzstaat liegt.
- Entscheidend sind deshalb der Zeitpunkt und die Reihenfolge Ihrer Bezüge. Berücksichtigen Sie neben der Schweizer Quellensteuer auch die Besteuerung im neuen Wohnsitzland und die Bestimmungen des jeweiligen DBA.
Bleibt ein Teil Ihres Pensionskassenguthabens nach dem Wegzug in der Schweiz, kann er beispielsweise auf einem Freizügigkeitskonto weitergeführt werden.
Was passiert mit den obligatorischen Versicherungen bei einer Auswanderung?
Mit dem Wegzug aus der Schweiz ändern sich auch Ihre Versicherungen. Welche Regelungen gelten, hängt vom Zielland und von Ihrer persönlichen Situation ab.
- Krankenkasse: Die obligatorische Schweizer Krankenversicherung endet bei einer Auswanderung nicht in jedem Fall automatisch. Ziehen Sie in einen EU/EFTA-Staat und beziehen Sie eine Rente aus der Schweiz, können Sie je nach Zielland und persönlicher Situation weiterhin dem Schweizer Krankenversicherungssystem unterstellt sein. Bei einem Umzug in einen Drittstaat benötigen Sie in der Regel eine Krankenversicherung im neuen Wohnsitzland oder eine internationale Lösung.
- Unfallversicherung: Die obligatorische Unfallversicherung über den Arbeitgeber endet nach Aufgabe der Erwerbstätigkeit. Der Versicherungsschutz bleibt noch für eine begrenzte Zeit bestehen und lässt sich mit einer Abredeversicherung vorübergehend verlängern. Danach benötigen Sie eine andere Unfallversicherung oder eine entsprechende Deckung über Ihre Krankenversicherung.
- Arbeitslosenversicherung: Bei einer definitiven Auswanderung entfällt der Anspruch auf Leistungen der Schweizer Arbeitslosenversicherung grundsätzlich. Ziehen Sie in einen EU/EFTA-Staat, wird Ihnen die Arbeitslosenentschädigung unter bestimmten Voraussetzungen für eine begrenzte Zeit während der Stellensuche im Ausland ausbezahlt.
Wie muss ich für den Bezug von Vorsorgegeldern konkret vorgehen?
Bereiten Sie den Bezug Ihrer Vorsorgegelder frühzeitig vor. Je nach Vorsorgeeinrichtung, Zielland und Bezugsform unterscheiden sich Fristen und benötigte Unterlagen. Eine schrittweise Vorbereitung hilft, Verzögerungen und unnötige Steuerfolgen zu vermeiden.
- 12 bis 18 Monate vor der Auswanderung: Informieren Sie sich über die Einwanderungsbestimmungen Ihres Ziellandes und klären Sie ab, welche Visa Sie benötigen. Lassen Sie sich eine detaillierte Aufstellung von allen Ihren Vorsorgegeldern zustellen: AHV-Kontoauszug, Pensionskassenguthaben und 3a-Kontostände. Diese Übersicht bildet die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
- 6 bis 12 Monate vorher: Beantragen Sie die notwendigen Visa und klären Sie die Krankenversicherung für Ihr Zielland ab. Falls Sie in ein Land ohne Sozialversicherungsabkommen auswandern, prüfen Sie eine AHV-Beitragsrückerstattung. Erwägen Sie den Transfer Ihrer 3a-Gelder zu einer Vorsorgeeinrichtung in einem steuergünstigen Kanton.
- 3 bis 6 Monate vorher: Melden Sie bei der AHV die Rentenauszahlung ins Ausland an und informieren Sie alle Pensionskassen über Ihre geplante Auswanderung. Organisieren Sie eine grenzüberschreitende Steuerberatung, da die steuerlichen Konsequenzen komplex sind.
- 1 bis 3 Monate vorher: Reichen Sie die Austrittsformulare bei den Pensionskassen ein und lassen Sie die notariell beurkundete Zustimmung Ihres Ehepartners bzw. Ihrer Ehepartnerin für Pensionsbezüge erstellen. Kündigen Sie alle schweizerischen Versicherungen und Abonnemente oder passen Sie diese an.
Der kritische Moment: Melden Sie sich erst von Ihrer schweizerischen Wohngemeinde ab, nachdem Sie alle Formalitäten erledigt haben. Die Abmeldebescheinigung benötigen Sie für fast alle weiteren Schritte. Beziehen Sie Ihre Vorsorgegelder erst nach der Anmeldung im Zielland, um von der günstigeren Quellensteuer zu profitieren.
Häufige kostspielige Fehler: Nie Vorsorgegelder vor der Abmeldung aus der Schweiz beziehen, da sonst die teurere Kapitalgewinnsteuer statt der Quellensteuer anfällt. Unterschätzen Sie auch nicht den administrativen Aufwand – manche Verfahren dauern Monate. Rechnen Sie also sicherheitshalber einen Zeitpuffer ein.
Welche Unterlagen brauche ich für die Auszahlung der Pensionskasse?
Die genauen Anforderungen unterscheiden sich je nach Pensionskasse. In der Regel benötigen Sie unter anderem:
- Antrag auf Barauszahlung
- Abmeldebestätigung der Schweizer Wohngemeinde
- Nachweis über den neuen Wohnsitz im Ausland
- Identitätsnachweis
- Angaben zur Bankverbindung
- bei verheirateten Personen die erforderliche Zustimmung des Ehepartners beziehungsweise der Ehepartnerin
Bei einem Umzug in einen EU/EFTA-Staat können zusätzliche Nachweise erforderlich sein, insbesondere zur Frage, ob Sie im neuen Wohnsitzland obligatorisch sozialversichert sind. Erkundigen Sie sich deshalb früh bei den zuständigen Vorsorgeeinrichtungen, welche Unterlagen sie verlangen.
Wie lange dauert die Auszahlung von AHV und Pensionskasse nach Antrag?
Für die Auszahlung gibt es keine einheitliche Bearbeitungsdauer.
- AHV: Melden Sie den Rentenbezug etwa drei bis vier Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn an. Die Ausgleichskasse benötigt Zeit, um die notwendigen Angaben zu beschaffen und die Rente zu berechnen.
- Pensionskasse: Wie lange die Auszahlung dauert, hängt von der Vorsorgeeinrichtung und vom Einzelfall ab. Die Auszahlung kann erst erfolgen, wenn alle erforderlichen Unterlagen vorliegen und die Voraussetzungen für den Bezug geprüft sind. Bei einem Wegzug in einen EU/EFTA-Staat kann zusätzlich abgeklärt werden müssen, ob Sie dort obligatorisch sozialversichert sind.
Reichen Sie die Anträge und Unterlagen deshalb möglichst früh und vollständig ein. So reduzieren Sie das Risiko, dass sich die Auszahlung wegen fehlender Nachweise verzögert.
Wie vermeide ich finanzielle Nachteile bei der Auswanderung?
Beim Bezug Ihrer Vorsorgegelder können Zeitpunkt, Bezugsform und steuerliche Rahmenbedingungen einen erheblichen Unterschied machen. Deshalb lohnt es sich, die einzelnen Entscheidungen aufeinander abzustimmen und nicht isoliert zu treffen. Achten Sie insbesondere auf folgende Punkte:
- Bezüge zeitlich abstimmen: Planen Sie frühzeitig, wann Sie Gelder aus Pensionskasse und Säule 3a beziehen. Ein ungünstiger Zeitpunkt kann zu höheren Steuern führen.
- Steuern im Zielland einbeziehen: Entscheidend ist nicht nur die Schweizer Quellensteuer. Auch die Besteuerung im neuen Wohnsitzland und ein allfälliges Doppelbesteuerungsabkommen beeinflussen, wie viel vom Vorsorgekapital übrigbleibt.
- Kapitalbezug sorgfältig abwägen: Wer Pensionskassenguthaben als Kapital bezieht, trägt anschliessend selbst die Verantwortung dafür, wie das Geld angelegt und über die Pensionierungsjahre eingesetzt wird. Dabei spielen unter anderem Anlagehorizont, Risikobereitschaft und Inflation eine Rolle.
- Entscheidungen aufeinander abstimmen: Beziehen Sie Vorsorge, Steuern, Versicherungen und Ihre langfristige Finanzplanung gemeinsam in die Vorbereitung ein. Bei komplexen grenzüberschreitenden Fragen kann eine fachliche Beratung sinnvoll sein.
Wer die finanziellen Folgen vor der Auswanderung gesamthaft betrachtet, kann unnötige Kosten und steuerliche Nachteile eher vermeiden.
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