Nachhaltigkeit

Digitale Nachhaltigkeit: Wie IT-Infrastrukturen den ökologischen Fussabdruck prägen

Ob Smartphone, Streaming oder Navigation im Elektroauto: Digitale Technologien sind längst zu selbstverständlichen Begleitern unseres Alltags geworden. Sie erleichtern Kommunikation, Arbeit und Mobilität und versprechen mehr Komfort und Effizienz. Doch der digitale Fortschritt hat eine oft übersehene Kehrseite: Hinter den Anwendungen steckt eine Infrastruktur, die enorme Mengen an Energie benötigt und wertvolle Rohstoffe verbraucht.

Benjamin Gränicher
Publiziert
Lesedauer: 4 Minuten

Gesucht sind nicht nur technische Innovationen, sondern auch neue Geschäftsmodelle

Serverfarmen benötigen enorme Mengen Strom, um Daten zu speichern, zu verarbeiten und rund um die Uhr verfügbar zu machen. Die Herstellung von Mikrochips und elektronischen Bauteilen verschlingt kritische Rohstoffe wie Kobalt, Lithium oder seltene Erden und verursacht CO₂-Emissionen entlang komplexer globaler Lieferketten. Gerade moderne Technologien wie künstliche Intelligenz, Blockchain oder Cloud-Dienste treiben den Energiebedarf zusätzlich in die Höhe. Schätzungen zufolge könnten der Ausbau von Rechenzentren und die erheblichen Investitionen in KI innerhalb von drei Jahren die Emissionen dieser Infrastruktur mehr als verdoppelt haben.

Hier setzt das Konzept der digitalen Nachhaltigkeit an. Es bedeutet, die Digitalisierung so zu gestalten, dass ökologische Auswirkungen minimiert werden: durch effizientere Hardware, sparsamere Software, erneuerbare Energien im Betrieb von Rechenzentren und nachhaltige Recyclinglösungen für elektronische Geräte. Dabei geht es nicht nur um technische Innovationen, sondern auch um neue Geschäftsmodelle, die Umwelt- und Klimaschutz stärker in den Fokus rücken.

Rechenzentren machen bereits 4 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs aus

Die weltweite IT- und Telekommunikationsbranche steht zunehmend im Fokus der Nachhaltigkeitsdebatte. Schätzungen zufolge stammen etwa 1,5 bis 4 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen aus diesem Sektor. Ein wesentlicher Energieverbraucher sind Rechenzentren. Im Jahr 2022 belief sich ihr Stromverbrauch auf etwa 240 bis 340 Terawattstunden (TWh), das entspricht rund 1 bis 1,3 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Rechenzentren sind auch in der Schweiz zu einem bedeutenden Faktor im Energiehaushalt geworden. Bereits im Jahr 2019 verbrauchten sie rund 2,1 TWh, was etwa 3,6 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs entspricht. Dieser Anteil ist beachtlich, insbesondere im Vergleich zum Energiebedarf einer mittelgrossen Schweizer Stadt.

Die Entwicklung in diesem Bereich zeigt eine hohe Wachstumsdynamik. In diesem Zusammenhang weisen Expertinnen und Experten auf die Möglichkeit eines signifikanten Anstiegs des Energiebedarfs hin. Prof. Adrian Altenburger, Co-Leiter des Instituts für Gebäudetechnik und Energie IGE an der Hochschule Luzern, schätzt, dass der Stromverbrauch von Rechenzentren in der Schweiz bis 2030 bis zu 15 Prozent des gesamten nationalen Stromverbrauchs ausmachen könnte.                                             

Dies verdeutlicht, dass der Betrieb der digitalen Infrastruktur, insbesondere durch Rechenzentren, einen bedeutenden Einfluss auf den globalen Energieverbrauch hat und zunehmend zu einem zentralen Aspekt der Energie- und Klimapolitik wird.

Nachhaltigkeit in der Schweizer Digitalstrategie

Die Schweiz hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt und strebt an, bis 2050 klimaneutral zu werden. In diesem Kontext kommt der digitalen Wirtschaft eine zentrale Rolle zu. In der Strategie «Digitale Schweiz» betont der Bundesrat die Bedeutung eines effizienten, ressourcenschonenden und nachhaltigen Einsatzes digitaler Technologien. Die EU plant unter anderem seit 2024 einen Digital Product Passport, der zukünftig Informationen über Energieverbrauch, CO₂-Fussabdruck und Recyclingfähigkeit von digitalen Produkten ausweisen soll.

Für Investorinnen und Investoren bietet dieser Bereich vielversprechende Perspektiven. Die Nachfrage nach umweltfreundlicher Technologie steigt kontinuierlich – sowohl seitens der Konsumentinnen und Konsumenten als auch durch neue gesetzliche Vorgaben und die Nachhaltigkeitsziele von Unternehmen. Unternehmen, die digitale Lösungen mit einer klaren nachhaltigen Ausrichtung kombinieren, könnten daher künftig sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich eine bedeutende Rolle einnehmen.

Infineon: Praxisbeispiele digitaler Nachhaltigkeit

Ein Unternehmen, das digitale Nachhaltigkeit konkret vorantreibt, ist Infineon Technologies. Der Halbleiterhersteller gilt als einer der führenden Anbieter energieeffizienter Chips und liefert zentrale Bauteile, die weltweit in Rechenzentren, Industrieanlagen, Fahrzeugen und Ladeinfrastrukturen eingesetzt werden. Das Ziel: den Energieverbrauch dort zu senken, wo Strom in grossen Mengen fliesst und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Besonders in Rechenzentren tragen moderne Leistungshalbleiter von Infineon dazu bei, die Energieeffizienz deutlich zu verbessern. Sie steuern, wie viel Strom durch Server und Speichersysteme fliesst, und reduzieren Verluste, die sonst in Form von Abwärme verloren gingen. Selbst kleine prozentuale Einsparungen summieren sich hier zu erheblichen Mengen, denn weltweit laufen Millionen von Servern rund um die Uhr. Auch in der Elektromobilität ist Infineon ein wichtiger Akteur. Seine Chips sorgen dafür, dass Elektroautos effizienter laden und weniger Energie verbrauchen. Damit verlängern sie nicht nur die Reichweite, sondern machen auch das Ladenetz insgesamt leistungsfähiger.

Nach Unternehmensangaben ermöglichen die Produkte von Infineon während ihrer Nutzungsphase Einsparungen von rund 130 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten, was mit den jährlichen Emissionen von mehreren Millionen Autos vergleichbar ist. Infineon zeigt damit, wie technologische Innovation in der Halbleiterindustrie unmittelbar zu mehr Energieeffizienz beitragen kann und verdeutlicht, dass digitale Nachhaltigkeit nicht nur ein Konzept ist, sondern bereits heute spürbare Wirkung entfaltet.

Blick in die Zukunft

Digitale Nachhaltigkeit wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Neue Technologien, regulatorische Vorgaben und ein wachsendes Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz treiben die Branche voran. Unternehmen wie Infineon zeigen, dass Fortschritt und Klimaschutz keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig verstärken können.

Für nachhaltig orientierte Anleger:innen bietet die Migros Bank mit dem Vermögensverwaltungsmandat Inspire die Möglichkeit, ökologische Verantwortung mit attraktiven Renditechancen zu verbinden. Unternehmen, die heute in neue Technologien, Netze und Speicher investieren, werden morgen zentrale Rollen in einem dekarbonisierten Energiesystem spielen und damit nicht nur zum Klimaschutz beitragen, sondern auch wirtschaftliche Chancen eröffnen.

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