Nachhaltigkeit

Kreislaufwirtschaft im Kleiderschrank: Die Notwendigkeit von Circular Fashion schafft Investmentchancen

Die globale Textilindustrie steht vor einem Wandel: Das bisherige Modell der «Fast Fashion» stösst angesichts enormer Umweltbelastungen und Ressourcenverknappung an seine Grenzen. So eröffnet das Konzept der «Circular Fashion» ein vielversprechendes Marktpotenzial. Für Anlegerinnen und Anleger schafft dieser Wandel attraktive Investmentchancen an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit und Konsumgut, angeführt von etablierten Branchengrössen wie Levi Strauss & Co.

Benjamin Gränicher
Publiziert
Lesedauer: 4 Minuten

«Fast Fashion» ist langfristig nicht nachhaltig

Das lineare Wirtschaftsmodell der Textilbranche («take, make, waste») verursacht dramatische Umweltschäden. Laut Schätzungen ist die Bekleidungsindustrie für 2 bis 8 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich und verbraucht sowie verschmutzt im Herstellungsprozess enorme Mengen an Wasser. Ein weiteres ungelöstes Problem sind die stetig wachsenden Altkleiderberge: Lediglich 1 Prozent der entsorgten Kleidungsfasern wird weltweit zu neuen Kleidern recycelt. Auch in der Schweiz wächst der Druck, funktionierende Recycling-Systeme zu etablieren.

Die Antwort auf diese Krise heisst «Circular Fashion». Zirkuläre Mode setzt darauf, Kleidung von Grund auf so zu entwerfen und zu verkaufen, dass Materialien möglichst lange im Kreislauf zirkulieren. Die Ellen MacArthur Foundation definiert vier Kernprinzipien zirkulärer Mode: hohe Langlebigkeit für eine längere Nutzung und den Weiterverkauf, einfache Reparierbarkeit, hohes Recyclingpotenzial (das Prinzip von Circular Design) sowie verlässliche Rücknahmesysteme.

Milliardenmarkt und neue Regulierungen für zirkuläre Textilien

Der Markt für Secondhand-Mode ist heute bereits 150 Milliarden Franken gross und soll bis 2034 auf über 400 Milliarden wachsen. Somit macht Secondhand-Mode schon einen substanziellen Bestandteil des gesamten Modemarktes von 1,5 Billionen Franken aus. Secondhand-Mode ist nur ein Teilsegment von zirkulären Geschäftsmodellen, bei der die Marktgrösse heute aber nicht belastbar beziffert werden kann. Gleichzeitig bietet die zirkuläre Textilwirtschaft wirtschaftliche Einsparungen bei Rohstoffen wie Baumwolle und grössere Robustheit gegenüber Disruptionen globaler Lieferketten. Beispielsweise könnte der Produktionsstandort Bangladesch durch vollständiges Recycling von Textilabfällen die Importe von Baumwolle um 15 Prozent reduzieren und Kosten von einer halben Milliarde Dollar einsparen und somit weniger anfällig für schwankende Rohstoffpreise sein.

Angetrieben wird der Trend hin zu «Circular Fashion» insbesondere durch die jüngeren Generationen: Laut einer PwC-Studie sind für 42 Prozent der Generation Z umweltfreundliche oder recycelte Rohmaterialien das wichtigste Kriterium für nachhaltige Mode. Zudem geben fast zwei Drittel der befragten Gen Z und Millennials an, beim Neukauf von Kleidung auf geprüfte ESG-Kriterien zu achten.

Zusätzlicher Rückenwind zugunsten zirkulärer Mode kommt von der Politik. Die Europäische Union treibt im Rahmen ihrer Textilstrategie strenge Regulierungen voran, um nachhaltige und zirkuläre Mode bis 2030 zum Standard zu machen:

Diese Rahmenbedingungen beeinflussen auch die Schweiz, wo Branchenvertreter wie auch Vertreter aus der Politik zunehmend geschlossene Wertstoffkreisläufe einfordern, um das hiesige Textilrecycling zu unterstützen. 

Technologische Durchbrüche mit Faser-zu-Faser-Recycling

Um diese Einsparpotenziale zu nutzen, braucht es technologische Innovationen, die zirkuläre Textilien ermöglichen. Eine davon ist das Faser-zu-Faser-Recycling (F2F), bei dem alte Kleider in wiederverwendbare Textilfasern umgewandelt werden. Mit F2F spart die Kleidermarke Patagonia laut eigenen Angaben über 80 Prozent CO2-Ausstoss pro hergestelltem Kilogramm Stoff ein. Nebst Patagonia gehört das US-Unternehmen Levi Strauss & Co. als langjährig Top-10-Platzierter im Circular-Fashion-Index von Kearney zu den führenden Akteuren der zirkulären Modebranche.

In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Circulose (ehemals: Renewcell) hat Levi’s eine zirkuläre Version der ikonischen 501-Jeans auf den Markt gebracht, die aus der Zellstofffaser Circulose hergestellt wird; weitere Bestandteile wie Garn und Etiketten bestehen aus 100 Prozent Baumwolle. Die patentierte Circulose ist ein Rohstoff, welcher aus recycelten Baumwolltextilien hergestellt wird und komplett biologisch abbaubar ist, da beim Herstellungsprozess Kunstfasern wie Polyester ausgefiltert werden. 

Auch in der Schweiz gewinnt F2F-Recycling stark an Bedeutung: Tell-Tex realisiert derzeit die erste Textilrecycling-Anlage der Schweiz, während der Verein Fabric Loop ein freiwilliges System für geschlossene Textilkreisläufe aufbaut.

Zwar steigt das Problembewusstsein in der Modeindustrie, doch die Umsetzung bleibt lückenhaft, wie der aktuelle Branchenindex von Kearney aufzeigt. Über 70 Prozent der untersuchten Marken begnügen sich mit Einzelmassnahmen, während nur 3 bis 7 Prozent eine konsequentere Umsetzung erreichen. Echter wirtschaftlicher Vorteil entsteht laut Kearney jedoch erst dann, wenn Zirkularität nicht als isoliertes Projekt verstanden wird, sondern Schritt für Schritt den gesamten Produktlebenszyklus umfasst: Von der Materialbeschaffung über weniger Überproduktion bis zur Wiederverwertung nach dem Tragen. 

Investment Case Levi’s: vollständige Zirkularität als Ziel

Auch Branchenführer und Top-10-Platzierte im Circular-Fashion-Index wie Levi Strauss & Co. haben noch kein vollständig geschlossenes Kreislaufsystem für ihr gesamtes Sortiment etabliert. Das Unternehmen verfolgt jedoch das klare Ziel, «circular-ready» bis Ende 2026 zu werden. Laut dem aktuellsten Sustainability Report finalisiert Levi’s mithilfe einer 2025 erhobenen Datenbasis einen konkreten Aktionsplan für das Zieljahr 2026. Dabei orientiert sich das Unternehmen an den Prinzipien der Ellen MacArthur Foundation. Nebst den Anfängen beim zirkulären Produktdesign setzt Levi’s auf weitere Kernprinzipien der Foundation:

  • Verlängerte Lebensdauer: Das Wear Longer Project sensibilisiert vor allem junge Schülerinnen und Schüler für die Pflege und Reparatur von Kleidungsstücken durch Workshops.
  • Service-Angebote: Integrierte Tailor Shops in den Geschäften bieten Anpassungen und Reparaturen an Kleidungsstücken direkt vor Ort an.

Diese strategische Ausrichtung spiegelt sich in äusserst soliden Zahlen wider. Gemäss dem Jahresabschluss 2025 erwirtschaftete Levi’s einen Gesamtumsatz von 6,3 Milliarden Dollar, was einem organischen Wachstum von 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die bereinigte EBIT-Marge lag bei 11,4 Prozent und ist somit um 0,7 Prozent höher als im Vorjahr. 

Für die Zukunft hat sich Levi's ehrgeizige Ziele gesetzt: Das Unternehmen strebt langfristig einen Gesamtumsatz von 9 bis 10 Milliarden Dollar sowie eine bereinigte EBIT-Marge von 15 Prozent an. Initiativen zur Erhöhung der Ressourceneffizienz im eigenen Eureka Innovation Lab bieten dem Unternehmen zusätzlich erhöhten Schutz vor schwankenden Rohstoffpreisen. So zeigt Levi’s, wie langfristige Zirkularitätsziele mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit in Einklang gebracht werden können.

Zirkuläre Mode als nachhaltiges Investment 

Der Wandel von «Fast Fashion» zu «Circular Fashion» ist kein kurzfristiger Trend. Wie Kearney darauf hinweist, geht es künftig nicht mehr nur darum, zirkuläre Fähigkeiten vorzuweisen, sondern sie betriebswirtschaftlich tragfähig zu machen. Mit Levi’s als Teil des Vermögensverwaltungsmandats «Inspire» der Migros Bank eröffnet sich Anlegerinnen und Anlegern die Chance, in einen Vorreiter der Zirkularität und eine der führenden Marken des Kearney-Index zu investieren.

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