14.09.2026
Finanzstudie enthüllt: Schweiz ist vorbildlich im Alltag, patzt aber bei der Vorsorge
Die Schweizer Bevölkerung verfügt über eine breite Finanzkompetenz und hat ihre Finanzen mehrheitlich im Griff. Schwerer tut sie sich, wenn es um die eigene Vorsorge geht: Je anspruchsvoller die Massnahme, desto eher wird sie aufgeschoben. Das zeigt der erstmals von der Migros Bank und gfs.bern durchgeführte «Monitor Finanzkompetenz».
Die wichtigsten Ergebnisse
– Insgesamt finanzkompetent, aber mit Unterschieden: Die Schweizer Bevölkerung kennt sich mehrheitlich gut mit Geld aus. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede – vor allem zwischen den Geschlechtern.
– 55 Prozent sparen für die Säule 3a, aber nur eine Minderheit setzt sich intensiv mit der Pensionskasse auseinander: Viele beschränken sich auf einfaches Vorsorgesparen und vernachlässigen eine ganzheitliche Betrachtung ihrer Vorsorgesituation.
– Finanziell stabil, aber emotional verunsichert: 86 Prozent könnten eine unerwartete Rechnung von 2500 Franken stemmen – trotzdem machen sich 46 Prozent häufig Sorgen ums Geld.
– Sicherheit dominiert: Die Schweizerinnen und Schweizer legen ihr Geld in erster Linie mit dem Ziel an, das eingesetzte Kapital zu schützen – Sicherheit ist ihnen wichtiger als hohe Renditen.
– Bank schlägt Social Media: Das höchste Vertrauen bei Finanzen und Altersvorsorge geniesst die eigene Bank, das tiefste Finfluencer auf Social Media.
Sattelfest im Alltag: Die Schweizer Finanzkompetenz kann sich sehen lassen – zumindest mehrheitlich
«Wer seine Finanzen im Griff haben will, ist gut beraten, sich mit ihnen zu beschäftigen – also sie bewusst wahrzunehmen, zu verstehen, zu hinterfragen und aktiv zu gestalten», erklärt Manuel Kunzelmann, CEO der Migros Bank. Die Beschäftigung mit Finanzthemen ist der erste Schritt, um persönliche Finanzkompetenz aufzubauen. Das tun die Schweizerinnen und Schweizer intensiv: 70 Prozent der Bevölkerung ab 18 Jahren setzen sich stark oder sehr stark mit Finanzthemen auseinander. Romands und Tessiner beschäftigen sich etwas intensiver damit als die Deutschschweizer, Männer im Schnitt etwas mehr als Frauen (siehe Grafik 1).
Grafik 1
Wer sich regelmässig mit Finanzen beschäftigt, eignet sich entsprechendes Finanzwissen an. Ähnlich breit wie die Beschäftigung mit Finanzen ist daher das Wissen darüber. Beim Wissensindex zu Fragen über Geldanlage, Vorsorge und Wohneigentum erreichen 71 Prozent der Befragten mehr als 80 von 100 möglichen Punkten; der Durchschnitt liegt bei 83 Punkten (siehe Grafik 2). Das Finanzwissen steigt tendenziell mit Bildung und Einkommen. Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen: Männer erzielen in fast allen Altersgruppen höhere Werte als Frauen. Am stärksten zeigt sich die Differenz bei den 18- bis 29-Jährigen.
Grafik 2
Finanzkompetenz bedeutet nicht nur, sich mit Finanzen zu beschäftigen und sie zu verstehen, sie äussert sich auch im praktischen Finanzverhalten. Die häufigsten Massnahmen, welche die Befragten in den vergangenen 12 Monaten vorgenommen haben, sind die Überprüfung der eigenen Einnahmen und Ausgaben (76 Prozent Nennungen), das regelmässige Sparen von Geld (59 Prozent) sowie der Vergleich von mindestens zwei Informationsquellen vor Finanzentscheiden (43 Prozent, siehe Grafik 3). «Je grösser die Tragweite finanzieller Entscheidungen, desto eher ist es angezeigt, sich von Bankexperten unterstützen zu lassen», erklärt Kunzelmann. «Gerade bei Themen wie Vorsorge, Wohneigentum oder Geldanlage geht es oft um Weichenstellungen für Jahrzehnte – fundierte Beratung hilft, Risiken zu erkennen, Fehler zu vermeiden und Lösungen zu finden, die wirklich zur spezifischen Lebenssituation passen.»
Grafik 3
Vorsorge: Wenn Komplexität zum Aufschieben verleitet
Bei der Vorsorge ist das Bild entsprechend gemischter. Zwar beschäftigen sich 62 Prozent der Bevölkerung stark oder sehr stark mit Vorsorgefragen, aber der Wert liegt unter den 70 Prozent, die sich intensiv mit allgemeinen Geld- und Finanzthemen auseinandersetzen. Zudem konzentriert sich die Bevölkerung bei der Vorsorge auf Massnahmen, die einfach umzusetzen sind. So geben 55 Prozent der Befragten an, regelmässig auf eine Säule 3a einzuzahlen; bei den 18- bis 39-Jährigen sind es sogar 66 Prozent. Sobald aber die Vorsorgeplanung eine vertiefte Auseinandersetzung verlangt, sinkt die Umsetzung deutlich. Nur 33 Prozent haben ihren Pensionskassenausweis auf mögliche Vorsorgelücken geprüft. 30 Prozent haben sich mit Nachlass, Testament, Vorsorgeauftrag oder Patientenverfügung beschäftigt. Eine finanzielle Beratung haben 28 Prozent in Anspruch genommen, freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse lediglich 15 Prozent (siehe Grafik 4).
Grafik 4
Dabei fehlt es nicht grundsätzlich am Bewusstsein für die Bedeutung dieser Themen. Viele Befragte erachten entsprechende Massnahmen als sinnvoll oder planen, sie künftig umzusetzen. Die Herausforderung liegt weniger im Erkennen der Notwendigkeit als im konkreten Schritt zur Umsetzung. Was hält die Bevölkerung davon ab, sich intensiver mit der Altersvorsorge zu beschäftigen? Als wichtigster Grund wird von 38 Prozent der Befragten genannt, dass Geld fürs Vorsorgesparen fehle. 34 Prozent erklären, dass sie auf AHV und Pensionskasse vertrauen. 20 Prozent sagen, dass sie die Altersvorsorge schlicht als zu kompliziert empfinden. «Die persönliche Vorsorgesituation ist die Summe von verschiedenen Variablen – z.B. Teilzeitpensen, Vorsorgelücken, Wohneigentum, Familienkonstellationen und Erbfolgen», so Kunzelmann. «Die Komplexität mag auf viele abschreckend wirken. Umso wichtiger ist die Begleitung durch einen Partner, dem man vertraut.»
Tradition dominiert: Hohes Vertrauen in Banken, Skepsis gegenüber Finfluencern
Wem vertraut die Schweizer Bevölkerung bei Finanzen und Altersvorsorge? An der Spitze steht die eigene Bank mit einem Mittelwert von 7,3 auf der Skala von 0 (überhaupt kein Vertrauen) bis 10 (sehr grosses Vertrauen, siehe Grafik 5). Dann folgen AHV und Pensionskasse mit 6,9 bzw. 6,6. Banken allgemein erreichen 6,2, die Schweizer Bundesbehörden 6,1, Familie, Freunde und Bekannte 5,7. Weniger Vertrauen geniessen spezialisierte Finanzmedien (4,9), Versicherungen (4,7), unabhängige Finanzberater (4,5) und klassische Medien (4,1). Besonders skeptisch sind die Befragten gegenüber Finfluencern (1,7).
Grafik 5
Sicherheit vor Rendite: Wie die Schweiz beim Anlegen priorisiert
Die Schweizer Bevölkerung hat nicht nur bei ihren Vertrauenspartnern klare Vorstellungen, sondern auch bei der Geldanlage. Für 43 Prozent ist Sicherheit das wichtigste Anlageziel (siehe Grafik 6). An zweiter Stelle steht der langfristige Vermögensaufbau mit 31 Prozent, gefolgt von der jederzeitigen Verfügbarkeit des Geldes mit 30 Prozent. Die Gewichtung unterscheidet sich insbesondere nach Alter und Geschlecht: Mit zunehmendem Alter gewinnt die Sicherheit an Bedeutung, und Frauen gewichten sie stärker als Männer. Das umgekehrte Bild zeigt sich beim Vermögensaufbau: Dessen Wichtigkeit nimmt mit dem Alter ab, und für Frauen steht der Vermögensaufbau weniger im Vordergrund als für Männer.
Grafik 6
Das Geld-Paradox: Finanziell gut aufgestellt und trotzdem verunsichert
Insgesamt zeigt die Umfrage bei der Schweizer Bevölkerung eine hohe Finanzkompetenz, die sich bei der Mehrheit in einer entsprechend soliden Finanzsituation niederschlägt. Zwar mussten in den letzten 12 Monaten 10 Prozent der Befragten eine Rechnung verspätet zahlen, weil das Geld fehlte. Aber fast 90 Prozent der Befragten geben an, mit den regelmässigen Zahlungen gut zurechtzukommen, und selbst eine unerwartete Zahlung von z.B. 2500 Franken könnten 86 Prozent ohne Kreditaufnahme oder Versetzen von Wertsachen meistern.
Trotzdem erklärt mit 46 Prozent fast die Hälfte der Befragten, dass sie sich häufig Sorgen wegen des Geldes mache. Damit zeigt die Umfrage einen bemerkenswerten Gegensatz: Finanzielle Stabilität und subjektive Sicherheit sind nicht dasselbe. «Das ist ein Widerspruch, den wir oft in der Praxis beobachten», erklärt Kunzelmann. «Zahlreiche Kundinnen und Kunden verfügen über eine solide finanzielle Situation und fühlen sich dennoch unsicher. Sie führen ein Budget oder sparen regelmässig, zögern aber bei wichtigen Entscheiden etwa bei der Vorsorge oder dem Vermögensaufbau. Genau hier soll Beratung helfen, die Situation zu klären und konkrete Schritte zu planen.»
Über die Umfrage
Im Auftrag der Migros Bank befragte gfs.bern 3572 Personen ab Alter 18 aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Die repräsentative Umfrage erfolgte vom 29. Juni bis zum 23. Juli 2026.
Die ausführlichen Ergebnisse finden sich unter diesem Link.
Weitere Auskünfte
Public Relations Migros Bank
Tel. 044 839 88 01, E-Mail: medien@migrosbank.ch
Über die Migros Bank
Die Migros Bank ist eine 100-prozentige Tochter des Migros-Genossenschafts-Bundes und als solche nicht börsenkotiert. Dadurch kann sie sich optimal auf das Schaffen von Kundennutzen fokussieren statt auf die Steigerung des Aktienwerts. Sie beschäftigt rund 2000 Mitarbeitende, betreibt 70 Geschäftsstellen mit ganzheitlicher Finanzberatung in allen Landesteilen und ist so gleichermassen weit vernetzt wie regional gut verankert. Ihre über 1,2 Million Kundinnen und Kunden vertrauen der Bank Kundeneinlagen im Gesamtwert von 46 Milliarden Franken an. Als sechstgrösste Bank in der Schweiz trägt die Migros Bank grosse Verantwortung für ihre Umwelt und die Gesellschaft und nimmt diese auch bewusst wahr. Als erste grosse Schweizer Bank hat sie 2019 ausserdem bereits die Boni abgeschafft, ganz im Sinne eines verantwortungsbewussten und konsequent kundenorientierten Ressourcenumgangs.
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