Solardach: Eignung, Kosten und Planung
Eine Solaranlage auf dem Dach für die eigene Stromerzeugung: Eine solche Photovoltaik-Anlage macht nicht nur ökologisch Sinn, sondern oft auch finanziell. Wann lohnt sich ein Solardach? Wie lässt es sich optimal finanzieren? Und welche Förderprogramme und Steuereinsparungen gibt es? Erfahren Sie mehr dazu in diesem Beitrag.
Zusammenfassung
– Solaranlagen nützen die Sonnenenergie entweder zur direkten Stromerzeugung (Photovoltaik) oder zur Wärmegewinnung (Solarthermie). Photovoltaik-Anlagen – oder kurz PV-Anlagen – sind in den letzten Jahren immer populärer geworden, da ihre Installationskosten gesunken und gleichzeitig ihre Energieeffizienz gestiegen ist.
– Eine PV-Anlage kann mehrere 10'000 Franken kosten, wenn sie mit einem Batteriespeicher sowie einer Wallbox fürs E-Auto kombiniert wird. Doch über die Lebensdauer von 25, 30 oder noch mehr Jahren zahlen sich diese Investitionen aus.
– Eine PV-Anlage kann z.B. über eine Aufstockung der Hypothek oder den Bezug von Vorsorgegeldern finanziert werden. Zudem gibt es Zusatzfinanzierungen durch Förderprogramme von Bund, Kantonen und Gemeinden.
– Wer den selbst erzeugten Solarstrom nicht verbraucht, speist ihn ins Netz ein und erhält dafür eine Einspeisevergütung. Für deren Höhe gelten seit Anfang 2026 neue Regelungen.
Wie viel Strom brauche ich?
- Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus braucht etwa 4500 bis 6000 kWh Strom pro Jahr.
- Wird das Haus mit einer Wärmepumpe beheizt, werden je nach Gebäudegrösse und -dämmung weitere 3000 bis 6000 kWh benötigt.
- Handelt es sich beim Familienfahrzeug um ein E-Auto, ist bei einer jährlichen Fahrleistung von z.B. 15'000 km mit einem zusätzlichen Strombedarf von 2500-3000 kWh zu rechnen.
Wie viel Strom kann mein Dach produzieren? Eignet sich mein Hausdach für eine PV-Anlage?
- Besonders gut für eine Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) eignen sich ganzjährig unbeschattete Dachflächen, die nicht mehr als 45 Grad von Süden abweichen. Auch Dächer mit Ausrichtung gegen Osten oder Westen sowie Fassaden lohnen sich für die Nutzung durch eine PV-Anlage, da die PV-Module in den vergangenen Jahren immer effizienter geworden sind und sich gleichzeitig verbilligt haben. Die Eignung des eigenen Dachs lässt sich einfach über Plattformen wie z.B. sonnendach.ch des Bundesamts für Energie BFE feststellen.
- Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass PV-Anlagen nur an sonnigen Sommertagen effizient arbeiten. Tatsächlich erzeugen sie auch bei bewölktem Himmel Energie, da stets Licht auf das Dach fällt.
- Gemäss BFE-Statistik beträgt die durchschnittlich verbaute Leistung einer neuen PV-Anlage auf dem Dach eines Schweizer Einfamilienhauses im Schnitt 13,3 kW, was einer jährlichen Stromproduktion von rund 13'000 kWh entspricht.
Was kostet ein Solardach in der Schweiz?
Kostenbeispiel für eine PV-Anlage
Nehmen wir als Kostenbeispiel die erwähnte PV-Anlage eines Einfamilienhauses mit 13,3 kW:
- Basierend auf Preiserhebungen von EnergieSchweiz kostet eine PV-Anlage in dieser Grössenordnung rund 30’000 bis 35'000 Franken (ohne Mehrwertsteuer). Gleichzeitig kommt eine PV-Anlage in den Genuss von Fördermassnahmen der Bundes-Zertifizierungsstelle Pronovo in Höhe von 4700 bis 5900 Franken, was die Nettokosten entsprechend verringert.
- Nicht inbegriffen in diesen Kosten ist ein Speichersystem.
Brauche ich einen Batteriespeicher für die PV-Anlage?
- Nein, nicht zwingend. PV-Anlagen funktionieren ohne Speicher – der produzierte Solarstrom wird direkt vom Haushalt verbraucht oder, bei einem Überschuss, ins Netz eingespeist.
- Was ist der Vorteil eines Batteriespeichers? Der Speicher gleicht Produktionsüberschüsse und -defizite aus, so dass sich der Eigenverbrauchsanteil von 30 bis 35 Prozent (ohne Speicher) auf 60 bis 80 Prozent erhöhen lässt.
- Wann macht ein Batteriespeicher tendenziell Sinn?
- Wenn nachts viel Strom benötigt wird (z.B. Wärmepumpe, E-Auto)
- Wenn die Einspeisevergütung niedrig ist
- Wenn der Strombezug teuer ist
- Bei Wunsch nach Energieunabhängigkeit - Was kostet ein Batteriespeicher? Basierend auf den oben erwähnen Preiserhebungen von EnergieSchweiz ergeben sich folgende grobe Kostenschätzungen:
- Kleiner Haushalte (5 kWh): 4500 Franken
- Typisches Einfamilienhaus (10 kWh): 7000 Franken
- Grösserer Haushalt oder E-Auto (15 kWh+): 10’000 Franken
Kann ich die Kosten einer PV-Anlage von der Steuer abziehen?
- Ja – und zwar vollständig. Aktuell sind die Anschaffungskosten (PV-Anlage, Batteriespeicher, Montage usw.) steuerlich abzugsfähig. Eine Änderung ergibt sich erst mit Inkrafttreten der Vollzugsbestimmungen zur Abschaffung der Eigenmietwertbesteuerung; der Termin ist aber noch nicht terminiert.
- Tipp: Bei grösseren Investitionskosten kann es sich lohnen, diese auf zwei Kalenderjahre zu verteilen.
Lohnt sich ein PV-Anlage?
- Ertrag aus der Einspeisevergütung: Wer den selbst erzeugten Strom nicht verbraucht, speist ihn ins Netz ein und erhält dafür eine Einspeisevergütung. Zu beachten sind dabei die seit 1. Januar 2026 geltenden Änderungen des Energiegesetzes und der Energieverordnung des Bundes. Demnach richtet sich die Vergütung «nach dem vierteljährlich gemittelten Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung»; dieser Referenzmarktpreis wird vom BFE berechnet. Gleichzeitig besteht eine Minimalvergütung. Diese beträgt für PV-Anlagen mit einer Leistung bis 30 kW aktuell 6 Rp./kWh.
- Ersparnis für den Eigenverbrauch: Wenn Sie den Strom nicht ins Netz einspeisen, sondern selbst verbrauchen, sparen Sie in erheblichem Umfang Stromkosten. Denn der Strom aus dem Netz kostet je nach Hoch- und Niedertarif und je nach Strommix ein Mehrfaches der Einspeisevergütung. Dieser günstige Eigenkonsum bildet daher einen ganz grossen finanziellen Vorteil der PV-Anlage.
- Werterhalt bzw. Wertsteigerung: Der Wert einer Immobilie wird positiv beeinflusst durch ein zeitgemässes Heizsystem (z.B. eine Wärmepumpe für Heizung/Warmwasser kombiniert mit einer PV-Anlage und einem Batteriespeicher) . Denn alte, fossile Heizungen sind oft nicht mehr konform mit den heutigen Umweltrichtlinien und müssen früher oder später ersetzt werden. Dieser Sanierungsbedarf kann sich negativ auf die Zahlungsbereitschaft von Kaufinteressenten der Immobilie auswirken.
Wie finanziere ich eine PV-Anlage?
- Hypothek: PV-Anlagen lassen sich über eine Aufstockung der Hypothek finanzieren. Voraussetzung ist, dass die finanziellen Tragbarkeit und die Eigenmittelerfordernisse erfüllt sind.
- Vorsorgegelder: Alternativ lässt sich eine PV-Anlage auch über den Vorbezug von Vorsorgegeldern finanzieren.
- Förderprogramme:
- Die wichtigste Fördermassnahme stammt von der Zertifizierungsstelle Pronovo des Bundes. Die Einmalvergütung von Pronovo beträgt für Anlagen unter 30 kW rund 350 bis 440 Franken/kW, also z.B. bei einer Leistung von 13,3 kW für ein typisches Einfamilienhaus 4700 bis 5900 Franken (unter diesem Link findet sich der Tarifrechner). Die Auszahlung erfolgt nach der Installation und Anmeldung bei Pronovo.
- Neben dem Bund unterstützen diverse Kantone und Gemeinden PV-Anlagen mit eigenen Förderprogrammen. Eine Übersicht findet sich auf energiefranken.ch.
Fazit: Das sind die Vorteile einer PV-Anlage
Eine PV-Anlage kann zwar mehrere 10'000 Franken kosten, wenn sie mit einem Batteriespeicher sowie einer Wallbox fürs E-Auto kombiniert wird. Doch über die Lebensdauer von 25, 30 oder noch mehr Jahren lohnen sich diese Investitionen. Dies insbesondere dann, wenn der Solarstrom vor allem selbst verbraucht wird, z.B. für eine Wärmepumpe (Heizung, Warmwasserboiler) oder für das Laden eines E-Autos:
- Eingesparte Stromkosten: Je nachdem bis zu mehreren 1000 Franken pro Jahr bei Eigenverbrauch.
- Staatliche Förderung: Einmalig rund 4700 bis 5900 Franken.
- Steuerabzug: Einmalig mehrere 1000 Franken für Anschaffung und Montage, jährlich 200 bis 800 Franken für den Unterhalt (siehe FAQ-Frage Nr. 5 – dies, solange die Vollzugsbestimmungen zur Abschaffung der Eigenmietwertbesteuerung noch nicht in Kraft getreten sind).
- Werterhalt bzw. Wertsteigerung des Wohneigentums: Ein zeitgemässes Heizsystem, wie z.B. eine Wärmepumpe für Heizung/Warmwasser kombiniert mit einer PV-Anlage und einem Batteriespeicher, kann den Wert einer Immobilie positiv beeinflussen.
Häufige Fragen (FAQ)
1. Welche Arten von Solaranlagen gibt es?
Solaranlagen nutzen die Sonnenenergie entweder zur direkten Stromerzeugung (Photovoltaik) oder zur Wärmegewinnung (Solarthermie):
- Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen): Sie wandeln Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom um, der sich im Haushalt einsetzen lässt (z.B. für Wärmepumpe, Laden des E-Autos usw.). Sie bestehen aus Solarzellen, die aus Halbleitermaterialien wie beispielsweise Silizium gefertigt sind. Die steigende Effizienz und die gleichzeitig sinkenden Kosten der Solarzellen haben in den vergangenen Jahren zu einem deutlich Anstieg von installierten PV-Anlagen geführt.
- Sonnenkollektoren: Sie nutzen die Wärme der Sonne, um Wasser oder eine andere Flüssigkeit zu erhitzen. Sie bestehen aus Absorbern, die die Sonnenwärme aufnehmen und an die Flüssigkeit weiterleiten. Die erhitzte Flüssigkeit wird dann in einem Speicher genutzt, z.B. für Warmwasser oder Heizungsunterstützung. Aufgrund der gestiegenen Attraktivität von PV-Anlagen ist in der Schweiz die Zahl der installierten Sonnenkollektoren rückläufig.
2. Wie ist bei der Planung einer PV-Anlage vorzugehen?
- Potenzial und Eignung prüfen: Klären Sie, ob Ihr Dach hinsichtlich Standort, Grösse und Ausrichtung für eine PV-Anlage geeignet ist. Hauseigentümer können dafür Plattformen wie sonnendach.ch konsultieren.
- Konzept entwickeln: Legen Sie fest, welchen Anteil des erzeugten Stroms Sie selbst verbrauchen möchten und ob Sie die Anlage beispielsweise mit einer Wärmepumpe, einer Speicherbatterie oder einer Wallbox für Ihr E-Auto kombinieren möchten.
- Offerten einholen und vergleichen: Fordern Sie Angebote von verschiedenen Anbietern an, und vergleichen Sie die eingegangenen Offerten, um die beste Lösung für Ihre Bedürfnisse zu finden.
- Kosten und Finanzierung klären: Schätzen Sie die Gesamtkosten, und planen Sie die Finanzierung. Eine PV-Anlage kann beispielsweise durch eine Erhöhung der Hypothek oder den Bezug von Vorsorgegeldern finanziert werden.
- Auftrag erteilen: Beauftragen Sie den ausgewählten Anbieter mit der Umsetzung.
- Anmeldung der PV-Anlage: Der ausgewählte Anbieter übernimmt für Sie die Anmeldung des Baus der PV-Anlage bei Ihrer Gemeinde und beim zuständigen Elektrizitätswerk.
- Montage: Der ausgewählte Anbieter organisiert für Sie die verschiedenen Handwerkerarbeiten durch Installateur, Elektriker, Maurer usw.
3. Benötigen PV-Anlagen eine Baubewilligung?
Seit Inkrafttreten des revidierten Raumplanungsgesetzes ist für PV-Panels auf Dächern keine Baubewilligung mehr erforderlich, und auch ein Ausstecken wie bei Bauvorhaben entfällt. Abgesehen von Sonderfällen, wie beispielsweise denkmalgeschützten Gebäuden, reicht es aus, die PV-Anlage der Gemeinde zu melden.
4. Wie viel kostet eine PV-Anlage für ein Einfamilienhaus in der Schweiz?
- Eine PV-Anlage für ein typisches Einfamilienhaus mit einer Jahresproduktion von 13'000 kWh kostet rund 30’000 bis 35'000 Franken. Eine PV-Anlage dieser Grössenordnung kommt in den Genuss einer Bundesförderung von 4700 bis 5900 Franken durch die Zertifizierungsstelle Pronovo, was die Nettokosten entsprechend verringert.
- Wird zusätzlich ein Batteriespeicher gewünscht, sind dafür weitere 4500-10'000 Franken zu veranschlagen, je nach Grösse des Haushalts und je nachdem, ob auch noch ein E-Auto aufgeladen werden soll.
5. Wie hoch sind die Unterhaltskosten einer PV-Anlage?
Eine PV-Anlage ist wartungsarm. Entsprechend sind die Unterhaltskosten relativ gering, mit rund 200 bis 800 Franken pro Jahr:
- Regelmässige Wartung und Inspektion (100-300 Franken p.a.): Es empfiehlt sich eine jährliche Inspektion, um die Anlage auf Schäden, Verschmutzungen oder technische Probleme zu überprüfen. Dies kann durch einen Installateur oder einen spezialisierten Dienstleister erfolgen.
- Reinigung der Solarmodule (bei Bedarf alle 1-3 Jahre, ca. 200-500 Franken): Der Regen reinigt die Module oft ausreichend. In Gebieten mit viel Staub, Pollen oder Schnee kann jedoch eine professionelle Reinigung sinnvoll sein.
- Wechselrichter-Wartung und Austausch (Rücklage von 100-200 Franken p.a.): Der Wechselrichter hat eine Lebensdauer von rund 10 bis 15 Jahren; ein Austausch kostet je nach Modell 1500 bis 3000 Franken. Es empfiehlt sich daher, pro Jahr 100 bis 200 Franken für den Ersatz zurücklegen.
- Versicherung (bei Bedarf 100–300 Franken p.a.): Sofern gewünscht, kann eine spezielle Versicherung für PV-Anlagen abgeschlossen werden.
6. Ist das Magnetfeld einer PV-Anlage schädlich?
Elektromagnetische Felder durch PV-Anlagen sind vergleichsweise gering. Die Messwerte zeigen Feldstärken selten über dem Niveau eines Haushaltsgeräts. Diverse Studien kommen zum Schluss, dass keine langfristigen negativen Gesundheitsfolgen bestehen (z.B. Bundesamt für Strahlenschutz Deutschland, Fraunhofer Institut, North Carolina State University / APA Policy 2024 usw.).
7. Wie sind Schäden an der PV-Anlage versichert?
- Die Gebäudeversicherung deckt Elementarschäden z.B. infolge von Feuer, Sturm und Hagel. Spezielle Gebäudezusatzversicherungen für Solaranlagen decken weitere Schäden, z.B. durch Vandalismus oder Bedienungsfehler.
- Auch die Migros Versicherungen bieten im Rahmen ihrer Gebäudeversicherung eine Deckung für Schäden an der PV-Anlage. Die PV-Anlage wird in den ersten fünf Jahren zum Neuwert ersetzt, danach zum Zeitwert zuzüglich 20 Prozent des Neuwerts.
8. Wie lange ist die Lebensdauer einer PV-Anlage?
- Hochwertige Solarmodule haben oft eine Leistungsgarantie von 25 Jahren, wobei sie nach dieser Zeit noch etwa 80 bis 90 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung erbringen können. Die tatsächliche Lebensdauer kann jedoch 30 oder mehr Jahre betragen.
- Der Wechselrichter einer PV-Anlage hat eine kürzere Lebensdauer als die Solarmodule und muss in der Regel nach etwa 10 bis 15 Jahren ausgetauscht werden.
9. Was ist mit PV-Anlagen für Balkone, Terrassen oder kleine Flächen, sogenannten «Balkonkraftwerken»?
- Hierbei handelt es sich um kompakte, mobile PV-Kleinanlagen, die sich unkompliziert als Plug-and-Play-Lösung einfach an die Steckdose anschliessen lassen. Typische Modelle haben eine Leistung von maximal 0,6 kW (600 Watt) und sind bis zu dieser Grösse in der Regel genehmigungsfrei.
- Die Kosten betragen 500 bis 1000 Franken. Die Amortisationszeit beträgt rund fünf bis zehn Jahre, je nach Standort, Investitionskosten, Eigenverbrauch und Strompreis.
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