Nachhaltiges Reisen mit dem Zug: Vom Ferienziel zum Anlageziel – diese Aktien sind einen Blick wert
Nachhaltiges Reisen mit dem Zug wird zur attraktiven Anlagechance: Der Schienenverkehr überzeugt mit hoher Energieeffizienz, geringem CO₂-Ausstoss und politischem Rückenwind durch milliardenschwere Investitionen. Mit einem wachsenden globalen Marktvolumen und innovativen Technologien bietet die Bahnbranche langfristige Perspektiven für Investorinnen und Investoren in der Mobilitätswende. Zwei Beispiele sind Alstom und Ballard Power Systems.
Die Wahl des Verkehrsmittels hat einen erheblichen Einfluss auf den CO₂-Fussabdruck von Reisen, wobei rund 75 Prozent der tourismusbedingten Emissionen durch An- und Abreise entstehen, insbesondere durch Auto- und Flugverkehr. Der Schienenverkehr bietet eine klimafreundliche Alternative, da er durch geringen Rollwiderstand und hohe Transportkapazität besonders energieeffizient ist.
So benötigt die Bahn weniger als ein Zehntel der Energie pro Personenkilometer im Vergleich zu Auto oder Flugzeug. Beispielsweise verursacht eine Zugfahrt von London nach Paris nur etwa 2 kg CO₂ pro Person, während ein Flug auf derselben Strecke rund 61,5 kg CO₂ ausstösst. Zudem ist der Schienenverkehr in Europa zu 60 Prozent elektrifiziert, in der Schweiz sogar zu 99,8 Prozent, was eine emissionsärmere Energieversorgung ermöglicht. Auch der geringe Flächenverbrauch der Bahn ist ein Vorteil: Urbane Bahnsysteme können bis zu 95’000 Personen pro Stunde und Richtung transportieren, während eine Fahrspur im Individualverkehr nur 1500 bis 2000 Personen bewältigt. Dies macht die Bahn zu einem zentralen Bestandteil der Mobilitätswende und einem wichtigen Markt für nachhaltige Investitionen.
Politischer Rückenwind und langfristige Investitionen
Diese Effizienzvorteile sowie die damit einhergehende Planungssicherheit für relevante Unternehmen und Anleger werden zunehmend durch politische Impulse und staatliche Investitionsprogramme untermauert. Die EU-Kommission hält fest, dass zur Klimaneutralität eine Senkung der Gesamtemissionen um 55 Prozent bis 2030 sowie eine Reduktion von 90 Prozent der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2050 erforderlich sind. Zur Umsetzung dieser Zielsetzung plant die EU im Rahmen des Green Deal, bis 2030 mindestens 1 Billion Euro an nachhaltigen Investitionen für verschiedene Sektoren zu mobilisieren, einschliesslich dem Verkehr.
So werden beispielsweise über das Programm Connecting Europe Facility (CEF) für den Zeitraum 2021 bis 2027 25,8 Milliarden Euro für die Transport-Infrastruktur bereitgestellt. Bereits rund 15 Milliarden Euro flossen direkt in Schienenprojekte – von der Elektrifizierung bestehender Strecken bis hin zur Einführung digitaler Leitsysteme. Auch die Schweiz investiert über den Bahn-Ausbauschritt 2035 16 Milliarden Franken in das lokale Bahnsystem, um Engpässe zu beseitigen und Kapazitäten an die steigende Nachfrage anzupassen.
Gleichzeitig verändert sich der regulatorische Rahmen. Auf europäischer Ebene zielen neue Vorgaben darauf ab, Klimakosten im Verkehrssektor stärker zu berücksichtigen, und Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern sollen angepasst werden. Dazu zählen unter anderem der steigende CO₂-Preis im Luftverkehr sowie verbindliche Vorgaben zur Beimischung nachhaltiger Flugkraftstoffe, die die Kostenbasis des Flugverkehrs erhöhen. Parallel verfolgt die EU das Ziel, Kurzstreckenverkehr gezielt auf klimafreundlichere Alternativen zu verlagern. Konkret wird eine Verdoppelung des schienenbasierten Hochgeschwindigkeitsverkehrs bis 2030 sowie eine Verdreifachung bis 2050 angestrebt. Für Reisende wie auch für Investierende verschiebt sich die Wettbewerbsfähigkeit damit zunehmend zugunsten der Bahn. Fachanalysen weisen jedoch darauf hin, dass die bislang geplanten Infrastrukturprojekte allein nicht ausreichen dürften, um diese Verdopplungsziele vollständig zu erreichen. Allerdings schlägt die EU-Kommission bereits vor, das CEF-Investitionsvolumen für den Zeitraum 2028 - 2034 auf 51,5 Milliarden Euro zu verdoppeln.
Anlagechancen entlang der Mobilitätswende
Der globale Eisenbahnmarkt profitiert von der steigenden Transportnachfrage und der anhaltenden grünen Wende und verzeichnete 2021 bis 2023 einen Boom mit einem durchschnittlichen Jahresvolumen von 201,8 Milliarden Euro. Der Verband der europäischen Eisenbahnindustrie (UNIFE) prognostiziert in seinem World Rail Market Report ein stabiles jährliches Marktwachstum von 3 Prozent bis 2027.
Für Anlegerinnen und Anleger ist entscheidend, welche Unternehmen effiziente Bahninfrastruktur bereitstellen, um die Mobilitätswende hin zu nachhaltigem Fernverkehr zu ermöglichen und langfristig voranzutreiben.
- Ein Beispiel dafür ist Alstom, ein international tätiges Unternehmen, das Züge, Signaltechnik und digitale Steuerungssysteme für den Schienenverkehr entwickelt. Das Unternehmen ist jedoch nicht nur im Fernverkehr aktiv. Mit seinen Tram- und Stadtbahnlösungen, die weltweit in wachsenden Ballungsräumen eingesetzt werden, engagiert sich Alstom auch stark im städtischen und regionalen Passagiertransport. Diese Systeme bilden die technische Grundlage dafür, dass mehr Reisende auf die Schiene wechseln können. Sie erhöhen die Transportkapazität bestehender Netze, verbessern Pünktlichkeit und Sicherheit und ermöglichen es Städten, mehr Menschen zu bewegen, ohne zusätzlichen Verkehrsraum zu schaffen.
- Ergänzend dazu adressieren Unternehmen wie Ballard Power Systems technologische Lücken und systemische Engpässe dort, wo eine vollständige Elektrifizierung kurzfristig nicht realisierbar ist. Das Unternehmen entwickelt Brennstoffzellensysteme auf Wasserstoffbasis für den Einsatz im Schienenverkehr. Diese können dazu beitragen, Dieseltriebzüge auf nicht elektrifizierten Strecken zu ersetzen. Gerade im regionalen Reiseverkehr eröffnet dies die Möglichkeit, auch jene Strecken klimaschonender zu betreiben, wo Elektrifizierungsprojekte oft mit hohen Kosten oder langen Planungszeiträumen verbunden sind.
Nachhaltiges Reisen als langfristiges Anlageziel
Für Anlegerinnen und Anleger stellt der Wandel hin zu klimaverträglicher Mobilität eine langfristige Entwicklung mit klar erkennbaren Perspektiven dar. Der Schienenverkehr vereint dabei mehrere Faktoren, die stabile Rahmenbedingungen für nachhaltige Investitionen schaffen: eine hohe Energie- und Emissionseffizienz, langfristig angelegte staatliche Förderungen sowie klare regulatorische Vorgaben zur Emissionsreduktion. Diese Aspekte prägen bereits heute die Bahninfrastruktur und unterstützen eine planbare Nachfrage entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
(Foto: Keystone / Elisabeth Real)
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