Markteinschätzung

SNB wieder mehr aktiv

Angesichts der aktuellen globalen Unsicherheit bleibt der Franken stark. In den kommenden Monaten rechnen wir mit einer Seitwärtsentwicklung. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bleibt wachsam und tätigt in Zeiten des Drucks auf den Franken Devisenkäufe.

Valentino Guggia
Publiziert
Lesedauer: 2 Minuten

Franken im Vergleich zu Hauptwährungen auf hohem Niveau

Der Sommer ist traditionell Reisezeit, und die Entwicklung des Franken-Wechselkurses wird von der Öffentlichkeit mehr als sonst beobachtet. Gegenwärtig bleibt der Franken im Vergleich zu den Hauptwährungen auf einem hohen Niveau. Das dürfte für Freude sorgen bei denjenigen, die eine Auszeit im Ausland verbringen. Als Zufluchtswährung neigt die Schweizer Währung in Zeiten globaler Unsicherheit zur Stärke. 

Doch eine zu plötzliche Aufwertung wirkt sich nicht nur auf die Exportwirtschaft aus (da ihre Produkte relativ teurer werden), sondern auch auf die Inflation. Denn die Kosten importierter Produkte sinken und tragen negativ zur Teuerung bei. Sollte dieser Effekt spürbar werden, könnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) eingreifen. Eine Einigung mit den USA vom vergangenen Jahr hat die Leitlinien festgelegt, innerhalb derer Interventionen zulässig sind, ohne Gefahr zu laufen, von den USA als Währungsmanipulationen betrachtet zu werden.

SNB wieder aktiv am Devisenmarkt

Die SNB hat kürzlich ihre Daten zu Devisenmarktinterventionen aktualisiert. Die Daten liegen mit grosser Verspätung vor: Die aktuellsten stammen aus dem ersten Quartal 2026. In den drei Monaten kaufte die Zentralbank Fremdwährungen im Wert von 3,94 Milliarden Franken auf. Das ist der zweithöchste Wert seit vier Jahren. Beide Spitzenwerte bei den Einkäufen spiegeln Momente starken Aufwertungsdrucks auf die Schweizer Währung wider: Im zweiten Quartal 2025 fand der Liberation Day statt, d.h. die Ankündigung von US-Präsident Donald Trumps Importzöllen, die die Finanzmärkte erschütterten und zu einer starken Abwertung des US-Dollars beitrugen. Im März 2026 war es der Ausbruch des Iran-Krieges mit der Blockade der Strasse von Hormus, der den Franken unter Aufwertungsdruck setzte. Infolgedessen wurde ein Allzeithoch gegenüber dem Euro erreicht, der unter 90 Rappen sank. Die Daten bestätigen daher die Absicht der SNB, eine rasche Aufwertung zu verhindern. Diese Bereitschaft, durch punktuelle Massnahmen zu handeln, wurde bei den vierteljährlichen Sitzungen der SNB wiederholt bekräftigt. Wir glauben jedoch nicht, dass eine Rückkehr zu massiven Devisenkäufen zur Abschwächung des Frankens denkbar ist. Strukturell gesehen tragen eine niedrige Inflation, eine widerstandsfähige und innovative Wirtschaft und gesunde Staatsfinanzen langfristig zur Stärkung der Währung bei.

Kurzfristig spielen andere Faktoren eine Rolle, die den Wechselkurs beeinflussen, wie die Erwartungen hinsichtlich der Leitzinsen und des konjunkturellen Verlaufs. Während die Weltwirtschaft zwischen geopolitischer Unruhe, chinesischer Deflationsgefahr und einer sich verlangsamenden US-Konjunktur navigiert, bestätigt der Devisenmarkt, was das jüngste Konjunkturbild bereits nahelegte: Der Schweizer Franken bleibt der stille Gewinner. Nicht, weil hierzulande alles glänzt – sondern weil andernorts vieles trübe ist. 

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