Markteinschätzung

Konjunktur-Prognose: Schuldenmonster

Wer an Monster denkt, erwartet Zähne, Lärm und Panik. Das Staatsverschuldungs-Monster funktioniert aber anders. Es lässt sich unauffällig in den Hintergrund drängen, begleitet von beruhigenden Zahlenkolonnen, niedrigen Zinsen und der verführerischen Annahme, ein Staat werde seine Rechnungen schon irgendwie zu begleichen wissen. Erst wenn die Finanzierung immer teurer wird, lässt sich das Monster nicht mehr ignorieren – bloss ist es mittlerweile zur furchteinflössenden Grösse angewachsen.
Was dies mit dem aktuellen Konjunkturgeschehen, der Geldpolitik, den Zins- und Devisenmärkten und dem Immobilienmarkt auf sich hat, erfahren Sie in den neuesten Konjunkturprognosen der Migros Bank. Ohne Furcht und Panik!

Publiziert Aktualisiert
Lesedauer: 10 Minuten
In Kürze

Ja nicht die Taschenlampe ausknipsen!

Konjunktur

Wenn Schulden auf Wachstum treffen

Die Weltkonjunktur hält sich vorderhand besser, als es die geopolitische Lage und die steigenden Finanzierungskosten erwarten liessen. Doch die Stabilität ist regional sehr ungleich verteilt. Für die Schweiz ist dies zugleich Vorteil und Belastung.

Geldpolitik

Die Fed hält ihre Karten bedeckt

Im September steht die Geldpolitik erneut im Zeichen der angezogenen Inflation. Während die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an den Kapitalmärkten als weitgehend sicher gelten, herrscht deutlich mehr Meinungsvielfalt in Bezug auf den Kurs der Federal Reserve (Fed).

Zinsen

Die Staatsverschuldung belastet

Neben den Inflationsängsten gibt es noch einen weiteren Faktor, der die Kapitalmärkte von den USA über Japan bis nach Europa belastet. Das Schuldenmonster ist auf vielen Kapitalmärkten präsent und treibt die Renditen langfristiger Staatsanleihen in die Höhe. Nur die Schweiz bleibt davon dank gesunder Staatsfinanzen verschont.

Immobilien

Zwischen Herbstsaison und Jahresendspurt – Verschuldungsthematik Immobilien

Die Sommerpause ist vorüber, und der Schweizer Immobilienmarkt tritt in die dynamische Herbstphase ein. Inmitten dieser Marktdynamik rückt die Frage nach der Hypothekarverschuldung in der Schweiz in den Fokus – ein Thema, das sowohl für private Haushalte als auch für die Gesamtwirtschaft von zentraler Be-deutung ist.

Trotz dieser hohen absoluten Zahlen ist die durchschnittliche Verschuldung aller Immobilienbesitzer in der Schweiz moderat. Eine Überschuldung ist nicht gegeben. Hohe Belehnungen bei Neufinanzierungen im Eigenheimsegment werden durch konservativere Finanzierungsstrukturen bei Renditeliegenschaften sowie einem hohen Eigenkapitalanteil bei institutionellen Investoren ausgeglichen.  Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass das Hypothekarwachstum in den letzten Jahren das BIP-Wachstum übertroffen hat. 

Die tiefen Zinsen der vergangenen Jahre haben die Verschuldung zusätzlich begünstigt, da sie den Zugang zu Fremdkapital erleichterten. Für den Eigenheimmarkt sind jedoch weniger unmittelbare Risiken zu erwarten, da ein Grossteil der Hypotheken als Festhypotheken strukturiert ist und die Tragbarkeitsprüfungen in der Schweiz vergleichsweise streng sind. Dennoch bleibt ein Szenario, in dem steigende Zinsen mit sinkenden Immobilienpreisen einhergehen, eines der grössten Risiken für die Stabilität des Marktes. 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Hypothekarverschuldung in der Schweiz trotz ihres hohen absoluten Niveaus und ihrer Relation zum BIP derzeit keine akute Gefahr darstellt. Die robuste Nachfrage nach Immobilien und das stabile Zinsumfeld tragen zur Stabilität des Marktes bei. Dennoch ist Vorsicht geboten, insbesondere im Hinblick auf mögliche Zinssteigerungen und einer übermässigen Verschuldung. Trotz der bestehenden Risiken bleibt der Immobilienmarkt aufgrund seiner strukturellen Stärke und der konservativen Finanzierungspraktiken ein stabiler Pfeiler der Schweizer Volkswirtschaft.

Währungen

Der Franken bleibt der Preis der Glaubwürdigkeit

Das Schuldenmonster wirkt auch am Devisenmarkt: Es belohnt nicht zwingend die höchste Rendite, son-dern zunehmend die glaubwürdigste Bilanz. Der Franken dürfte deshalb stark bleiben – gegenüber dem Euro mit wieder leicht zunehmender Tendenz, gegenüber dem Dollar eher in einer volatilen Seitwärtsbe-wegung.

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