Markteinschätzung

Anlageüberblick: Fester Boden, neue Horizonte

Das Jahr 2025 war ein Rekordjahr für die globalen Aktienmärkte. Solides Gewinnwachstum gepaart mit nachlassenden Zinsängsten trieb die Kurse kräftig nach oben. Auch in diesem Jahr bleiben Chancen und Risiken eng verwoben. Lesen Sie in unserem aktuellen Anlageüberblick, wie wir die derzeit herausfordernde Situation an den Finanzmärkten einschätzen.

Michael Birrer
Publiziert
Lesedauer: 30 Minuten
Allokation
Zyklischer Bullenmarkt dauert an
Fokus Märkte
2026: Ein neues Kapitel beginnt
Aktien
Spätphase eines zyklischen Bullenmarkts
Obligationen
Realwerte als Alternative zu Obligationen
Alternative Anlagen
Mehr als nur Gold – warum der Blick breiter werden sollte
Währungen
Ein weiteres Jahr im Zeichen des Franken
Wirtschaft und Prognosen
Ein zartes Konjunkturpflänzchen
Allokation

Zyklischer Bullenmarkt dauert an

Die wichtigsten Treiber für ein Andauern der Hausse an den Aktienmärkten bleiben intakt. Unsere Allokation bleibt deshalb trotz zahlreicher Risiken weiterhin zyklisch ausgerichtet.

Das laufende Jahr an den Finanzmärkten dürfte von einer – nicht zuletzt aufgrund der in zahlreichen Regionen expansiven Fiskalpolitik – robusten Konjunkturentwicklung und einer fortschreitenden Normalisierung der Inflation geprägt sein. Das erlaubt es vielen Zentralbanken, die Zinsen weiter zu senken – oder auf vergleichsweise tiefem Niveau zu belassen. Im Umfeld anziehender Wachstumsdynamik, nachlassendem Zoll-Gegenwind und vorteilhaften Finanzierungsbedingungen werden die Unternehmen ihre Gewinne weiter steigern können – und damit die Basis für ein Andauern der Hausse an den Aktienmärkten legen. Natürlich lauern auch Risiken: Die fragile geopolitische Lage bleibt auch im laufenden Jahr Unsicherheitsfaktor Nummer eins. In Kombination mit den Herausforderungen der ausufernden Staatsverschuldung, den handelspolitischen Wirren und den immer wieder aufkommenden Zweifeln an der Nachhaltigkeit der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) dürften sie für die eine oder andere volatile Phase an den Märkten sorgen. Insgesamt überwiegt aber der Optimismus. Unsere Allokation bleibt deshalb zyklisch ausgerichtet.

Aktien
übergewichtet

Neben der robusten Konjunkturentwicklung im Umfeld sinkender Zinsen bleibt die Entwicklung der künstlichen Intelligenz ein zentraler Treiber der Aktienmärkte, insbesondere in den USA. 2026 rückt die Corporate Adoption in den Fokus: Nun muss sich zeigen, dass Unternehmen die neue Technologie auch produktivitätssteigernd einsetzen können. In Europa profitieren die Unternehmen von den geplanten staatlichen Investitionen in die Infrastruktur und die Verteidigung und chinesische Unternehmen positionieren sich – trotz Zöllen – immer mehr als ernstzunehmende Konkurrenten in der globalen Industrie. Trotz Gegenwind durch die herausfordernden Bewertungen rechnen wir im laufenden Jahr mit hohen einstelligen Renditen an den Aktienmärkten. Zykliker sind Trumpf – die hochqualitativen und äusserst defensiven Schweizer Aktien dürften in diesem Umfeld weniger als Renditereiber, sondern vielmehr als willkommene Stabilitätsanker in einem von zahlreichen Unsicherheiten geprägten Umfeld fungieren.

Obligationen
untergewichtet

Schweizerfranken-Obligationen bleiben im Umfeld tiefen Zinsen auch 2026 unattraktiv. Aber auch ausländische Obligationen verlieren mit den globalen Zinsrückgängen an Attraktivität – insbesondere vor dem Hintergrund der anhaltenden Aufwertungsrisiken des Frankens. Im Corporate-Bereich ist zudem Vorsicht geboten: Die hohe Zahl anstehender Refinanzierungen aus dem Tiefzinsumfeld könnte insbesondere in weniger hochklassigen Segmenten zu Turbulenzen führen.

Alternative Anlagen
übergewichtet

Wir setzen auch dieses Jahr weiterhin auf Gold und Schweizer Immobilienanlagen als zentrale «Sicherheitsanker» in einem von erhöhter Volatilität geprägten Umfeld.

Michael Birrer

Leiter Research & Advisory
Fokus Märkte

2026: Ein neues Kapitel beginnt

Nach einem überraschend starken Jahr 2025, das von robustem Wirtschaftswachstum, abkühlender Inflation und steigenden Aktienmärkten geprägt war, blicken Anlegerinnen und Anleger optimistisch auf das kommende Jahr. Themen wie Künstliche Intelligenz, Reshoring sowie Friendshoring und geopolitische Entwicklungen werden die Märkte weiterhin prägen. Während die USA mit Künstlicher Intelligenz und neuen Anwendungen im Fokus stehen, bieten Schwellenländer und Europa attraktive Bewertungsmöglichkeiten.

Rückblick auf ein starkes Jahr 2025

Im Jahr 2025 entwickelte sich die Konjunktur besser, als viele zu Beginn des Jahres aufgrund des historischen «Liberation Day» befürchtet hatten. Die Weltwirtschaft wuchs solide um 3%, ohne in eine Rezession abzurutschen. Gleichzeitig kühlte sich die Inflation in den meisten Industrieländern weiter ab, was den Zentralbanken erlaubte, von ihrem restriktiven Kurs auf neutralere Leitzinsen umzuschwenken.

An den Aktienmärkten sorgte die Kombination aus solidem Gewinnwachstum und nachlassenden Zinsängsten für weitere Kursgewinne. Besonders die grossen US-Tech-Unternehmen und Gewinner im Bereich der Künstlichen Intelligenz standen erneut im Rampenlicht. Auch die Aktienmärkte in Europa und in vielen Schwellenländern konnten beeindruckende Aktienrenditen erzielen, blieben jedoch in der Bewertung hinter den USA zurück – ein Ausgangspunkt, der auch für 2026 wichtig ist.

Was die Aktienmärkte 2026 erwartet

Das Jahr 2026 dürfte für Anlegerinnen und Anleger erneut ein solides Jahr werden. Niedrige Zinsen, moderate Inflation, robustes Gewinnwachstum und strukturelle Trends wie Künstliche Intelligenz, Reshoring und Sicherheitsfragen dürften die Märkte stützen. Allerdings wird der Rückenwind durch sinkende Zinsen im Vergleich zu 2025 nachlassen. Umso wichtiger wird es, auf Qualität, Cashflows sowie die richtige Auswahl von Sektoren und Regionen zu setzen.

Gleichzeitig bleiben Risiken wie geopolitische Spannungen, Wahlzyklen und hohe Bewertungen in bestimmten Sektoren präsent. Doch diese Herausforderungen dürften den insgesamt positiven Ausblick nicht grundlegend trüben.

Künstliche Intelligenz

Die US-Notenbank Fed rechnet mittlerweile mit einem jährlichen Produktivitätsschub von rund 2,5%, der massgeblich durch KI-Anwendungen angetrieben wird. Im Jahr 2026 wird sich der Fokus von der allgemeinen Begeisterung für KI hin zu der Frage verschieben, welche Unternehmen diese Technologie tatsächlich produktiv und profitabel einsetzen können.

Die heutigen KI-Gewinner, insbesondere im Bereich Infrastruktur und Halbleiter, sind bereits hoch bewertet. Das bedeutet, dass der Spielraum für weitere Kurssteigerungen durch höhere Bewertungen begrenzt ist. Entscheidend wird daher die Fähigkeit der Unternehmen sein, Gewinne und Free-Cashflow zu generieren. Zwei strategische Lager zeichnen sich ab: Unternehmen wie beispielsweise Microsoft, die auf das GPU-Ökosystem von Nvidia setzen, und integrierte Player wie Alphabet, die eigene KI-Chips produzieren.

Gleichzeitig verschärft sich die Rivalität im KI-Bereich zwischen den USA und China. Eine zentrale Rolle werden die Unterschiede auf der Kostenseite spielen. Chinesische KI-Systeme setzen auf nicht proprietäre Systeme, sondern auf Open-Source-Modelle, die frei verfügbar sind und auf einer insgesamt billigeren Infrastruktur betrieben werden können. Ihre Modelle können wesentlich einfacher von Unternehmen adaptiert und für spezifische Bedürfnisse optimiert werden. Auch westliche Firmen nutzen die Vorteile von Open-Source-Modellen wie beispielsweise der US-Konzern Airbnb, der auf das Owen-Modell von Alibaba setzt.

Chancen in aufstrebenden Märkten

Schwellenländer starten ins Jahr 2026 mit attraktiven Bewertungsabschlägen im Vergleich zu Industrieländern. Sie profitieren typischerweise von Phasen eines schwächeren US-Dollars und nicht-rezessiven Zinssenkungszyklen in den USA. Eine steigende Nachfrage nach Rohstoffen – angetrieben durch Infrastrukturprojekte, die Energiewende und den wachsenden Bedarf an Energie und Metallen durch KI – stärkt die Exportwirtschaft vieler Schwellenländer.

Zudem bringt der Trend zu Friendshoring und regionalen Produktionsketten in ausgewählten Schwellenländern, die politisch eng mit den USA und Europa verbunden sind, strukturelle Investitionszuflüsse. Anlegerinnen und Anleger sehen Schwellenländeraktien zunehmend als eigenständige Renditequellen und nicht mehr nur als Beimischung. Besonders Lateinamerika und bestimmte asiatische Märkte könnten 2026 im Fokus stehen.

Europa

Europa bleibt weiterhin mit einem deutlichen Bewertungsabschlag im Vergleich zu den USA zurück. Besonders auffällig ist, dass europäische Small- und Mid-Cap-Unternehmen teilweise mehr als 30% unter dem Niveau ihrer US-amerikanischen Pendants gehandelt werden. Auf der positiven Seite stehen die Reallohnzuwächse, die den privaten Konsum stützen, sowie die expansive Fiskalpolitik, die milliardenschwere Investitionen in die Infrastruktur vorsieht. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Herausforderungen. Hohe Energiepreise, eine dichte Regulierung, die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und die Handelszölle stellen Gegenwind dar. Dennoch könnten Aktien aus dem Industriesektor auch in diesem Jahr profitieren, insbesondere solche, die von Investitionen in Infrastruktur, der Rückverlagerung von Produktionsstätten (Reshoring) und der Energiewende begünstigt werden. Auch Finanzwerte haben gute Chancen, sich positiv zu entwickeln, da sie von einer steileren Zinskurve und stabilen Kreditmärkten profitieren könnten.

Die Schweiz bleibt in Europa ein defensiver Qualitätsanker mit hoher Bilanzqualität, stabilen Margen und starker Free-Cashflow-Generierung. Für Schweizer Aktien sprechen ein stabiles politisches Umfeld, eine starke Währung und die Rolle als «safe haven» in Phasen erhöhter Volatilität. Dieses Jahr könnten insbesondere dividendenstarke Qualitätswerte aus Pharma, Nahrungsmitteln, infrastrukturnahen Industrien und ausgewählten Finanzwerten gefragt bleiben, weil sie Stabilität mit internationaler Ertragsbasis verbinden.

Geopolitik: Ein zweischneidiges Schwert

Die Geopolitik bleibt auch dieses Jahr ein klarer Risikotreiber. Die fragmentierte Weltordnung mit Grossmachtkonkurrenz zwischen den USA und China sowie anhaltende Konflikte und der verstärkte Einsatz ökonomischer Waffen wie Zöllen sorgen für Unsicherheit. Gleichzeitig eröffnen sich jedoch Chancen in Sektoren wie Verteidigung, Energie, Cybersicherheit und kritischer Infrastruktur.

Trotz dieser Herausforderungen zeichnet sich für 2026 ein insgesamt positives Bild ab: Ein Umfeld mit niedrigen Zinsen, moderater Inflation und robustem Wachstum bietet Anlegern zahlreiche Möglichkeiten. Die aktive Auswahl von Qualitätswerten, starken Cashflows und zukunftsweisenden Themen wie KI oder Schwellenländern wird dabei entscheidend sein. Die Angst vor einem bevorstehenden Crash rückt in den Hintergrund – stattdessen stehen Chancen und strategische Entscheidungen im Vordergrund.

Andrea Bally

Lead Financial Research
Aktien

Spätphase eines zyklischen Bullenmarkts

Wir erwarten weltweit positive Aktienrenditen in diesem Jahr, es gibt jedoch auch Risiken. Das historisch hohe Bewertungsniveau macht den Markt verwundbar durch negative Überraschungen.

USA

Die Ausgangslage am US-Aktienmarkt bringt insgesamt gute Voraussetzungen für ein weiteres solides Börsenjahr. Die Konjunktur zeigt sich robust, begleitet von Aufwärtsrevisionen beim Wachstum und einer weiter nachlassenden Inflation, was den geldpolitischen Spielraum vergrössert. Zinssenkungen der Fed werden voraussichtlich in einem nicht-rezessiven Umfeld erfolgen, was dem Markt zusätzlichen Rückenwind verleihen sollte. Gleichzeitig lässt der Gegenwind durch Zölle nach, während die Fiskalpolitik durch Steuersenkungen und Deregulierung ebenfalls unterstützend wirken dürfte. Anziehende M&A-Aktivität, umfangreiche Aktienrückkäufe sowie steigende Unternehmensgewinne werden zusätzliche Unterstützung bieten. Dabei ist besonders erfreulich zu sehen, dass der Markt an Breite gewinnt. Der Anteil am geschätzten Gewinnwachstum in den nächsten zwölf Monaten, der nicht aus den sieben führenden Tech-Titeln kommt, hat gegenüber den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen.

Dennoch bereitet das aktuell hohe Bewertungsniveau am US-Aktienmarkt vielen Anlegern zunehmend Sorgen. Manche Marktbeobachter beschwören bereits gerne die Parallelen zur Internetblase Anfang der zweitausender Jahre. Solche Vergleiche sind aus unserer Sicht zu verfrüht und zu pessimistisch.

Das historisch hohe Bewertungsniveau macht den Markt sicherlich verwundbar durch negative Überraschungen. Vor allem durch Risiken, die weniger mit der Geschäftsentwicklung der Unternehmen selbst zu tun haben, wie mögliches Eskalationspotenzial auf der geopolitischen Bühne oder die ausufernden Budgetdefizite und Staatsschulden der US-Regierung und ihrer Pendants.

Wenn man auf der Unternehmensebene bleibt, muss man konstatieren, dass die Kursgewinne und Bewertungen im Tech-Sektor zwar hoch sind – aber nicht so hoch, dass eine massive Preisübertreibung augenscheinlich wäre. Die heute führenden Technologieunternehmen verfügen über funktionierende Geschäftsmodelle, sind hochprofitabel und bestens kapitalisiert. Das verringert die Fallhöhe und bilden einen stabilen Boden für den Fall, dass die Begeisterung der Anleger für das KI-Narrativ abkühlen sollte. Ein grosser Teil der hohen Kurse ist aufgrund der starken Gewinnentwicklung gerechtfertigt. Im Jahr vor dem Platzen der Internetblase waren die Kurse viel stärker von Bewertungsexpansion getrieben als heute. Zudem sind die «Magnificent Seven» finanziell viel gesünder aufgestellt als die Dominatoren zu Zeiten der Internet-Blase, da ihre Investitionen bisher aus Cashflows finanziert wurden.

Dennoch gibt es auch gerechtfertigte Parallelen. Wir beobachten einen zunehmenden Aufbau von Schulden zur Finanzierung der KI-Investitionen, das ist sicherlich eine beunruhigende Entwicklung. Zudem hat der Siegeszug der Tech-Werte zu einem gefährlichen Klumpenrisiko geführt, welches die Marktkonzentration zu Zeiten der Internetblase (2000) oder der Nifty-Fifty-Blase (1973) bescheiden aussehen lässt. Ob Blase oder nicht, damals wie heute bleibt Diversifikation ein wichtiges Credo für eine langfristig orientierte, erfolgreiche Investment-Strategie.

Europa

Der europäische Aktienmarkt mit seiner attraktiven Dividendenrendite sowie einem moderaten Bewertungsniveau, aber auch vielen spannenden hochqualitativen Unternehmen bietet eine Möglichkeit, das Portfolio zu diversifizieren. Da europäische Aktien im relativen Vergleich zu den USA weiterhin attraktiv bewertet sind, besteht die Perspektive einer Bewertungsexpansion.

Auch aus konjunktureller Sicht könnte es Schützenhilfe geben. Die Aufwärtsrevisionen der Wachstumserwartungen deuten auf den Beginn einer möglichen Erholung hin. Die Inflation hat sich im Zielbereich der Notenbanken stabilisiert. Das ermöglicht weiterhin tiefe Leitzinsen und damit günstige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen. Zusätzlich lässt der Gegenwind durch US-Zölle nach, was insbesondere exportorientierten europäischen Unternehmen zugutekommt.

Die Fiskalpolitik wirkt zunehmend expansiv und wird flankiert von der Aussicht auf unternehmensfreundliche Reformen, etwa zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, zum Abbau regulatorischer Hürden, zur Förderung von Start-ups und zur strategischen Ausrichtung gegenüber Protektionismus.

Schweiz

Die Einigung zwischen der Schweiz und den USA im Zollstreit sorgte im vierten Quartal für Entlastung bei vielen Schweizer Unternehmen, da die USA ein wichtiger Absatzmarkt sind. Der zuvor weit abgeschlagene Schweizer Aktienmarkt hat den S&P 500 und den Stoxx 600 im vierten Quartal deutlich hinter sich gelassen.  Aus unserer Sicht gibt es bei dieser Aufholjagd in den kommenden Monaten weiterhin Luft nach oben.

Ein robustes Wirtschaftswachstum, begleitet von tiefer Inflation und entsprechend niedrigen Leitzinsen, schafft ein stabiles makroökonomisches Fundament. Zusätzliche Impulse sind von einer anziehenden Konjunkturdynamik in der Eurozone in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten, wovon viele international ausgerichtete Schweizer Unternehmen profitieren. Gleichzeitig lässt der Gegenwind durch Zölle und die zuvor ausgeprägte Frankenstärke nach. Auf Unternehmensebene sprechen moderat steigende Gewinne von rund 8% sowie die Aussicht auf eine Bewertungsexpansion bei insgesamt fairen Bewertungsniveaus für den Markt.

Attraktive Dividendenrenditen erhöhen die relative Attraktivität im anhaltenden Tiefzinsumfeld. Zudem positioniert sich der Schweizer Aktienmarkt international als hochqualitativer, defensiver Sicherheitsanker in einem zyklischen, von hoher makroökonomischer Volatilität geprägten Umfeld. Zwar dürfte er in einem zyklischen Bullenmarkt – insbesondere gegen Ende des Jahres – gegenüber US- und Eurozonen-Aktien etwas unterdurchschnittlich abschneiden, profitiert jedoch gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit von seiner Qualität und Stabilität.

Andrej Franz

Anlagespezialist
Obligationen

Realwerte als Alternative zu Obligationen

Im aktuellen Tiefzinsumfeld bieten Schweizer Obligationen kaum noch attraktive Renditen. Als Alternative bieten sich Realwerte an. Die Diversifikation sollte dabei jedoch nicht vernachlässigt werden.

Nach der Senkung des SNB-Leitzinses auf 0% Mitte letzten Jahres befindet sich die Schweiz erneut im Tiefzinsumfeld, das voraussichtlich auch im laufenden Jahr anhalten wird. Wie schon in der Zeit der Negativzinsen in der Periode von 2015–2021 stehen Anleger erneut vor der Herausforderung, positive reale Renditen zu erzielen. Damals erzielten Schweizer Aktien inflationsbereinigt rund 10% Rendite pro Jahr, Obligationen dagegen nur etwa 0,7%.

Das zeigt den grossen Nachteil, welcher Obligationen im Tiefzinsumfeld anhaftet: Aufgrund ihres Nominalwertcharakters bieten sie kaum mehr positive reale Renditen – also positive Renditen nach Abzug der Inflation. Was sind die Alternativen?

Realwerte im Tiefzinsumfeld attraktiv

Realwerte – etwa Aktien, Immobilien oder Edelmetalle – repräsentieren Ansprüche an realen, greifbaren Gütern und gleichen die Inflation im Gegensatz zu Nominalwerten wie Obligationen langfristig aus. Im aktuellen Umfeld fungieren Realwerte deshalb erneut als Alternative zu Obligationen, denn sie eröffnen auch in einem Umfeld anhaltend tiefer Zinsen eine Chance auf vergleichsweise attraktive inflationsbereinigte Renditen – und ermöglichen damit einen langfristigen Vermögensaufbau. Dieser ist mit Obligationen angesichts ihrer tiefen bis gar negativen Realverzinsung kaum mehr umsetzbar.

Mit Diversifikation Risiken minimieren

Da die Kurse von Realwerten wie beispielsweise Aktien deutlich stärker schwanken als diejenigen von Nominalwerten, steigt mit ihrem Anteil auch das Portfoliorisiko. Entscheidend ist darum eine breite Diversifikation: Kombinationen aus Aktien, Immobilien, Gold und anderen Realwerten mindern das Risiko und stabilisieren die Erträge. Trotz niedriger Zinsen sollten Obligationen nicht vollständig vernachlässigt werden, da sie Stabilität in turbulenten Zeiten bieten. 

Neben Aktien, die wir auch im laufenden Jahr als attraktiv einschätzen, bleiben auch Schweizer Immobilienanlagen aussichtsreich: Sie profitieren vom tiefen Zinsniveau, hoher Nachfrage und begrenzter Bautätigkeit und verfügen nach wie vor über ein attraktives Risiko-Rendite-Profil. Nicht zuletzt verdient auch Gold als klassischer Inflationsschutz und Absicherung gegen geopolitische Risiken weiterhin einen festen Platz im Portfolio.

Michael Birrer

Leiter Research & Advisory
Alternative Anlagen

Mehr als nur Gold – warum der Blick breiter werden sollte

Edelmetalle stehen auch dieses Jahr im Fokus von Anlegern, da sie Stabilität und Chancen in unsicheren Zeiten bieten. Während Gold und Silber traditionell dominieren, gewinnen Platin und Palladium durch ihre industrielle Bedeutung und Zukunftspotenziale zunehmend an Aufmerksamkeit. Ein breiterer Blick auf diese Metalle könnte Investoren neue Möglichkeiten eröffnen.

Edelmetalle stehen auch in diesem Jahr wieder im Zentrum des Interesses von Anlegerinnen und Anlegern. In einer Welt, die von geopolitischen Spannungen, steigender Staatsverschuldung, geldpolitischer Unsicherheit und tiefgreifendem strukturellem Wandel geprägt ist, haben sich Gold, Silber, Platin und Palladium als bemerkenswert widerstandsfähig und zugleich vielversprechend erwiesen. Während Gold und Silber traditionell die Hauptrolle spielen, wird immer deutlicher: Die oft übersehenen Metalle Platin und Palladium verdienen mehr Beachtung.

Starke Performance als Fundament

Das vergangene Jahr war für Edelmetalle aussergewöhnlich. Gold konnte sich als stabiler Wertspeicher erneut behaupten und erreichte neue Höchststände. Zentralbankkäufe, sinkende Realzinsen und die Suche nach Sicherheit trugen massgeblich zu diesem Erfolg bei. Silber hingegen übertraf Gold in seiner Performance deutlich und profitierte zusätzlich von seiner wachsenden Bedeutung in der Industrie, insbesondere in der Solar- und Elektronikbranche.

Doch nicht nur die Klassiker glänzten: Platin und Palladium, die oft im Schatten von Gold und Silber stehen, erlebten eine beeindruckende Entwicklung. Nach Jahren der Underperformance legten beide Metalle kräftig zu – Platin um 130% und Palladium um 93%. Der Hauptgrund für diesen Anstieg war ein strukturelles Angebotsdefizit. Die Förderung dieser Metalle ist stark geografisch konzentriert: Rund 70% des weltweiten Platins und etwa 35–40% des Palladiums stammen aus Südafrika, während ein Grossteil des restlichen Palladiums aus Russland kommt. Probleme wie wiederkehrende Stromausfälle, eine marode Infrastruktur, soziale Spannungen und jahrelange Unterinvestitionen in Südafrika haben das Angebot stark eingeschränkt, während die Nachfrage weiterhin hoch bleibt.

Platin: Ein Schlüsselrohstoff der Zukunft

Platin ist längst mehr als nur ein Metall für Katalysatoren, die schädliche Abgase in weniger schädliche Stoffe umwandeln. Es hat sich zu einem unverzichtbaren Rohstoff für die chemische Industrie, Hochtemperaturtechnik und vor allem für die Wasserstofftechnologie entwickelt. In Brennstoffzellen ist Platin nahezu unersetzlich, was es zu einem zentralen Baustein der Energiewende macht – ein Aspekt, der lange Zeit unterschätzt wurde.

Palladium: Chancenreich, aber volatil

Auch Palladium zeigte im vergangenen Jahr eine starke Erholung, trotz seiner hohen Volatilität. Im Gegensatz zu Platin ist die Anwendung von Palladium enger gefasst: Rund 70–80% der Nachfrage entfallen auf Katalysatoren in der Automobilindustrie. Diese starke Abhängigkeit vom Automobilsektor macht Palladium anfälliger für konjunkturelle Schwankungen, erklärt aber auch die ausgeprägte Volatilität des Metalls.

Ausblick 2026: Edelmetalle bleiben attraktiv

Die Aussichten für Edelmetalle bleiben auch in diesem Jahr vielversprechend. Erwartete Zinssenkungen, hohe Staatsdefizite und anhaltende geopolitische Unsicherheiten sprechen weiterhin für Gold als stabilen Vermögensanker. Wir prognostizieren, dass der Goldpreis bis Ende des Jahres auf beeindruckende 5000 US-Dollar pro Unze steigen könnte. Silber dürfte ebenfalls von der steigenden industriellen Nachfrage insbesondere aus der Solarbranche profitieren. Hier wird ein Preisanstieg von derzeit 78 US-Dollar auf 100 US-Dollar pro Unze erwartet.

Während Gold und Silber weiterhin eine wichtige Rolle in den Portfolios von Anlegern spielen, sollten Platin und Palladium nicht länger übersehen werden. Ihre Bedeutung in der Industrie und ihre Rolle in zukunftsweisenden Technologien machen sie zu spannenden Optionen für Investoren. Wer seinen Blick über das klassische Gold hinaus erweitert, könnte von den Chancen dieser Edelmetalle profitieren – und sich so für die Herausforderungen der Zukunft wappnen.

Andrea Bally

Lead Financial Research
Währungen

Ein weiteres Jahr im Zeichen des Franken

Das neue Jahr wird wie das alte: Der Franken bleibt stark. Die Währungsentwicklung der kommenden Monate wird von einem Dreiklang geprägt: einer nur zögerlich helleren Konjunktur in Europa, einer noch immer robusten US-Wirtschaft und einer SNB, die mit Nullzins und hoher Glaubwürdigkeit den Franken verankert.

Beim EUR/CHF sprechen mehrere Faktoren für einen Seitwärtstrend wie schon im Jahr 2025. Aus geldpolitischer Sicht spricht sowohl für die SNB als auch für die EZB eine hohe Wahrscheinlichkeit gegen weiter sinkende Zinsen. Damit dürfte die Zinsdifferenz konstant bleiben. Der Franken ist bereits stark bewertet, und die SNB hat den Leitzins im letzten Sommer auf 0 Prozent gesenkt. Seither signalisiert sie vor allem Abwarten und Devisenmarktinterventionen bei Bedarf. Diese Zurückhaltung erzeugt zusätzlichen Aufwertungsdruck, setzt den Franken aber auch nicht unter Druck. Gleichzeitig bessern sich die Wachstumsaussichten im Euroraum leicht. Die Konjunkturdynamik bleibt zwar verhalten, dürfte im laufenden Jahr aber marginal höher ausfallen als hierzulande. Dies dürfte den Euro gegenüber dem Franken rund um das Niveau von 0.93 gut abgestützt lassen.

Ganz anders präsentiert sich USD/CHF: Hier trifft eine langsam weichere Fed auf einen SNB-Leitzins, der bereits am Boden angekommen ist. Die US-Notenbank hat nach einem langen Straffungszyklus mit graduellen Zinssenkungen begonnen, und der Markt preist für die nächsten Quartale weitere Schritte ein, wodurch der Zinsvorsprung des Dollars gegenüber dem Franken schrittweise schrumpft. Im Vergleich zu den Finanzmärkten erwarten wir zwar eine etwas zaghaftere Fed-Gangart, stellen eine sukzessive «dovishere» Politik aber nicht grundsätzlich in Frage.

Zudem hat der Dollar im Jahr 2025 aufgrund von Präsident Trumps unberechenbarer Politik teilweise seine Rolle als sicherer Hafen verloren. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Lage zumindest vorerst beruhigt hat. Der Dollar ist und bleibt die Hegemonialwährung an den globalen Finanzmärkten, solange es keine vernünftigen Alternativen gibt. Für 2026 sind wir der Ansicht, dass die USA ein viel höheres Wirtschaftswachstum als die Schweiz haben werden, was die Abwertung des Dollars bremsen wird. Wir sehen eine Stabilisierung des Greenbacks bei 80 Cent.

EUR/USD schliesslich bewegt sich zwischen diesen beiden Polen. Die EZB hat ihren Zinssenkungszyklus weitgehend hinter sich, die Einlagefazilität liegt bei rund 2 Prozent, während die Fed mit einem Korridor um 3,75 bis 4,00 Prozent noch sichtbar darüber liegt – der Zinsvorteil des Dollars ist also intakt, aber nicht mehr so dominant wie in den Jahren zuvor. Gleichzeitig verbessern sich die Wachstumsaussichten im Euroraum leicht, getrieben von fiskalpolitischen Impulsen und dem Abebben der Energiekrise, während die US-Konjunktur robust bleibt. Insofern erwarten wir deshalb eine allmähliche Aufwertung des Euro und gehen davon aus, dass jede weitere Lockerung der Fed eher den Dollar schwächt als den Euro.

Zum Schluss noch ein Blick auf den Yen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten liegt der Zinsvorteil nun im Fernen Osten, da die Bank of Japan (BoJ) gerade den Leitzins auf 0,75% angehoben hat. Gegenüber dem Franken verlor die japanische Währung sie seit Jahresbeginn etwa 12 Prozent und notiert bei den historischen Tiefständen. Der künftige Kurs hängt auch vom Erfolg des Konjunkturpakets ab. Wir erwarten insgesamt, dass die JPY-Talsohle erreicht ist und dass sich die japanische Währung leicht über dem aktuellen Niveau stabilisieren kann.

Valentino Guggia

Ökonom
Wirtschaft und Prognosen

Ein zartes Konjunkturpflänzchen

Konjunktur            

Die US-Wirtschaft bleibt mit robustem bis starkem Wachstum die globale Konjunkturlokomotive. Die Schweiz und die Eurozone müssen sich aber vorerst mit einer schwachen Dynamik abfinden. China schliesslich hat weiterhin mit strukturellen und exportseitigen Problemen zu kämpfen, kann das Jahreswachstum aber bei rund 4,5 Prozent halten. Damit lässt sich das globale Konjunkturbild für 2026 mit «Grundsätzlich positiv, aber dennoch verhalten» zusammenfassen. Mögliche Störfeuer sind insbesondere bei der Geo- und Handelspolitik auszumachen.

Zinsen

In der Schweiz ist der Anlagenotstand zurückgekehrt und er wird das Jahr 2026 prägen. Eine Trendumkehr ist vorderhand nicht auszumachen. In der Eurozone hingegen hat sich das Renditeniveau von derjenigen der Leitzinsen entkoppelt und wird von den Sorgen um die Staatsfinanzen getrieben. Dies gilt auch für die amerikanischen Treasuries. Ein deutlicher Renditerückgang zeichnet sich aufgrund der haushalts- und handelspolitischen Unwägbarkeiten nicht ab.

Geldpolitik

Ein negativer Leitzins ist in der Schweiz weiterhin nicht angezeigt und wäre kontraproduktiv. Auch für die Europäische Zentralbank rechnen wir mit keiner weiteren Zinssenkung. Die US-Notenbank wird im nächsten Jahr aber wieder zu einem behutsamen Senkungszyklus zurückkehren.

Währungen

Die Währungsentwicklung der kommenden Monate wird von einem Dreiklang geprägt: einer nur zögerlich helleren Konjunktur in Europa, einer noch immer robusten US-Wirtschaft und einer SNB, die mit Nullzins und hoher Glaubwürdigkeit den Franken verankert. Vor diesem Hintergrund erwarten wir beim Franken sowohl gegenüber dem Dollar als insbesondere auch gegenüber dem Euro nur wenig Bewegung.

Santosh Brivio

Lead Economic Research

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