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Nachhaltige Fonds: Wie werden die Wertpapiere ausgewählt?

Wie funktioniert die Selektion von nachhaltigen Anlagen? Erfahren Sie mehr dazu in diesem Beitrag.

Benjamin Gränicher
Publiziert Aktualisiert
Lesedauer: 6 Minuten

Zusammenarbeit mit MSCI ESG Research

Zur Gewährleistung einer sorgfältigen Nachhaltigkeitsprüfung hat sich die Migros Bank für eine Zusammenarbeit mit MSCI ESG Research entschieden. MSCI ESG Research ist ein global führender Anbieter von Nachhaltigkeitsanalysen, der mehr als 170 Analysten beschäftigt und über 40 Jahre Erfahrung aufweist. Die Nachhaltigkeitsprüfung ergänzt den bewährten Anlageprozess der Migros Bank um einen weiteren Schritt: Die nicht nachhaltigen Titel werden aus dem Anlageuniversum entfernt, bevor das Investment Office die Titelauswahl vornimmt. Ein externer Partner garantiert die Unabhängigkeit dieserAnalyse.

Bevor die Selektion nachhaltiger Unternehmen vorgenommen werden kann, muss ein standardisiertes Verfahren definiert werden, welches deren Bewertung in den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung («Environmental, Social and Governance», kurz: «ESG») objektiviert. Im Anschluss erfolgt die Informationsbeschaffung bei den Unternehmen selbst und bei unabhängigen Quellen. Dazu zählen Berichte von staatlicher Seite und von NGOs oder auch Presseartikel. Gemeinsam mit MSCI ESG Research wurde hierfür ein dreistufiges Verfahren gewählt, das eine Kombination von Ausschlusskriterien und einem Best-in-Class-Ansatz darstellt. Best-in-Class bedeutet, dass nur die nachhaltigsten Firmen jeder Branche zur Investition zugelassen werden.

Stufe 1: MSCI ESG Business Involvement Screening Research (BISR) (Moralisch umstrittene Geschäftsfelder ausschliessen)

Hinter dem langen Namen «Business Involvement Screening Research» versteckt sich eine einfache Idee. Das Screening gewährleistet, dass nicht in moralisch umstrittene Geschäftsfelder investiert wird. Moral oder Wertvorstellungen sind von Land zu Land bzw. von Person zu Person verschieden. Während Kernenergie in Frankreich als saubere Energiequelle wahrgenommen wird, stimmte die Schweizer Bevölkerung beim Urnengang zum Energiegesetz für ein Neubauverbot von Atomkraftwerken und für die Förderung von erneuerbaren Energien. Die auf den Binnenmarkt fokussierte Migros Bank orientiert sich bei den Ausschlüssen von Geschäftsfeldern am durchschnittlichen Weltbild eines Schweizers. Konkret sind folgende Branchen von Investitionen ausgeschlossen: Alkohol, Tabak, Kernenergie, genetisch veränderte Organismen, militärische Waffen, zivile Feuerwaffen, Glücksspiel und Pornographie.

Mit der Definition der ausgeschlossenen Branchen sind allerdings noch nicht alle Entscheidungen getroffen. Nicht jedes Unternehmen ist so fokussiert wie beispielsweise Philip Morris, dessen einziges Geschäftsfeld die Produktion und die Vermarktung von Tabakprodukten darstellt. In der Wertschöpfungskette eines Produktes sind heutzutage eine Vielzahl von Unternehmen involviert. Es müssen also auch die Zulieferer und der Vertrieb geprüft werden.

Gleichzeitig sollen Firmen nicht ausgeschlossen werden, wenn der Anteil eines beanstandeten Geschäftsfeldes keine materielle Bedeutung hat. Die Definition von Schwellenwerten für unterschiedliche Teile der Wertschöpfungskette, deren Überschreitung zu einem Ausschluss führt, ist in diesem Fall die eleganteste Lösung. Denken Sie zum Beispiel an Dufry, den Betreiber von Duty-Free Shops an Flughäfen. Mit 15% erzielt er einen nicht unwesentlichen Anteil seines Umsatzes mit dem Verkauf von Alkohol. Dufry überschreitet damit den relevanten Schwellenwert von 5% deutlich.

Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der Schwellenwerte, welche bei den Fonds der Migros Bank zur Anwendung kommen:

  • Alkohol: Alle als «Produzent» geltenden Unternehmen, die 5% oder mehr als 500 Mio. US-Dollar (USD) Umsatz mit alkoholischen Produkten machen.
  • Tabak: Alle als «Produzent» klassierten Unternehmen und alle als «Distributor», «Einzelhändler» oder «Zulieferer» geltenden Unternehmen, welche mehr als 15% Umsatz mit Tabak machen.
  • Nukleare Energie: Alle als «Nukleare Versorger» klassierten Unternehmen. Alle Unternehmen, welche Tätigkeiten in Uranförderung, Design von nuklearen Reaktoren oder Anreicherung von Uran haben. Zudem werden alle als «Zulieferer» klassierten Unternehmen, die mehr als 15% Umsatz in nuklearer Energie erwirtschaften, ausgeschlossen. Zuletzt ausgeschlossen werden Unternehmen mit 6000 MW oder mehr als 50% installierter Kapazität von nuklearen Energiequellen.
  • Genetisch modifizierte Organismen: Alle Unternehmen, welche Umsatz in genetisch modifizierten Pflanzen oder Samen machen.
  • Militärische Waffen: Alle Unternehmen, welche «Nuklearwaffen», «Chemische oder Biologische Waffen», «Cluster Bombs», «Landminen» oder «Uranwaffen» produzieren. Zudem alle als Produzent von «Waffen» oder «Waffensupportsysteme» geltenden Unternehmen, die 5% oder mehr als 500 Mio. USD Umsatz mit diesen Kategorien machen.
  • Zivile Feuerwaffen: Alle als «Produzent» klassierten Unternehmen und alle als «Detailhändler» klassierten Unternehmen, die 5% oder mehr als 20 Mio. USD Umsatz mit zivilen Feuerwaffen machen.
  • Glücksspiel: Alle als «Operations» oder «Support» bezeichneten Unternehmen, die 5% oder mehr als 500 Mio. USD Umsatz mit Glückspiel machen.
  • Pornographie: Alle als «Produzent» geltenden Unternehmen, die 5% oder mehr als 500 Mio. USD Umsatz mit Pornographie machen.

Stufe 2. MSCI ESG Controversies Screen (Unternehmen mit Normverstössen ausschliessen)

Bei Anlegern werfen häufig nicht nur die Geschäftsfelder der Unternehmen Fragen zur Nachhaltigkeit auf, sondern auch deren Geschäftspraktiken. Kurzfristige Gewinnmaximierung verleitet Firmen immer wieder zur Verletzung von nationalen Gesetzen oder von internationalen Normen. Ein trauriges Beispiel hierfür lieferte die US-Bank Wells Fargo, die sich mit ihrem Geschäftsgebaren über amerikanisches Recht hinwegsetzte und Kunden schädigte. Weil die Geschäftsleitung viel zu hohe Verkaufsziele definierte, haben die Kundenberater ihren Kunden über Jahre hinweg zusätzliche Kontos eröffnet und Kreditkarten bestellt. Dies geschah ohne Wissen und Einwilligung der Kunden.

Solche Unternehmen soll der MSCI ESG Controversies Screen ausschliessen. Der Screen prüft, ob es bei den analysierten Unternehmen zu schweren Verstössen gegen die nationale Gesetzgebung oder internationale Normen wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) oder den UN Global Compact gekommen ist. Diese internationalen Normen setzen sich unter anderem für faire Arbeitsbedingungen, Massnahmen gegen Kinderarbeit oder Korruption ein.

Stufe 3. MSCI ESG Ratings
(Nur die vorbildlichsten Unternehmen zulassen)

Die ersten beiden Stufen verhindern, dass in ethisch fragwürdige Firmen investiert wird. Spezialisten bezeichnen diese Vorgehensweise als Negativscreening. Auf Stufe 3 werden mit Hilfe der MSCI ESG Ratings besonders vorbildliche Unternehmen identifiziert. Für jede Branche werden die Unternehmen nach einem Punkteraster bewertet. Nach der Beurteilung aller Unternehmen auf einer Skala von 1 bis 10 werden die Ergebnisse in Nachhaltigkeits-Ratings, analog der Bonitätsskala von Obligationen, von AAA-CCC umgewandelt. Dabei erhalten die besten Unternehmen ein Rating von AAA. Für Neuinvestitionen in den Migros Bank Fonds müssen die Unternehmen ein Mindestrating von BBB aufweisen. Nur die besten Unternehmen jedes Sektors sind zur Investition zulässig.

Mit diesen dreistufigen Auswahlverfahren schrumpft das Anlageuniversum bei Anleihen von ca. 8000 Schuldnern auf etwa 2700. Bei Aktien reduziert es sich von 6500 kotierten Unternehmen auf ungefähr 500. Schweizer Unternehmen schneiden beim Thema Nachhaltigkeit im internationalen Vergleich insgesamt gut ab. Bei einem Blick auf Unternehmen aus dem SMI fällt jedoch auf, dass vor allem im Finanzsektor und der Uhrenbranche noch einiges an Nachholbedarf besteht. Momentan sind folgende Unternehmen nicht für eine Investition zugelassen: UBS, Credit Suisse, Julius Baer, Swiss Life, Richemont und Swatch.

Trotz der drastischen Reduktion des Anlageuniversums stehen immer noch genügend Unternehmen aus allen Branchen zur Verfügung, um für den Anleger ein diversifiziertes Portfolio mit ähnlichen Rendite-Risiko-Eigenschaften wie bei traditionellen Produkten zusammenstellen zu können. Die beschriebene Methodik findet Anwendung auf alle nachhaltigen Strategiefonds der Migros Bank.

Nachhaltige Strategiefonds Risikoprofil
Migros Bank (CH) Fonds Sustainable 0 Einkommen
Migros Bank (CH) Fonds Sustainable 25 Konservativ
Migros Bank (CH) Fonds Sustainable 45 Ausgewogen
Migros Bank (CH) Fonds Sustainable 65 Wachstum
Migros Bank (CH) Fonds Sustainable 85 Dynamisch
Nachhaltige Vorsorgefonds Risikoprofil
Migros Bank (CH) Fonds Sustainable 0 V Einkommen
Migros Bank (CH) Fonds Sustainable 25 V Konservativ
Migros Bank (CH) Fonds Sustainable 45 V Ausgewogen

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