Eigenheim: Die besten Gemeinden für junge Familien
Viele junge Familien träumen vom Eigenheim. Die Migros Bank und die Beratungsfirma IAZI haben über 2000 Schweizer Gemeinden untersucht: Welcher Ort ist am attraktivsten, um den Traum wahr werden zu lassen?
Der Schlagersänger Leonard. Die Ex-Skirennfahrerin Maria Walliser. Und Hans Hürlimann, der ehemalige Bundesrat und Vater des Schriftstellers Thomas Hürlimann. Drei ganz unterschiedliche Personen, die eine Gemeinsamkeit eint: Sie stammen aus den drei attraktivsten Schweizer Gemeinden für junge Familien mit Eigenheimwunsch.
Die Migros Bank hat zusammen mit der Beratungsfirma IAZI über 2000 Schweizer Gemeinden auf ihre Attraktivität hin untersucht. Am besten abgeschnitten haben Seedorf UR, Mosnang SG und Walchwil ZG. Diese drei Gemeinden dürften vielen jungen Familien ebenso wenig bekannt sein wie die dort geborenen «Promis». Wer sich aber nur auf die allgemein bekannten städtischen Zentren fokussiert, wird bei der Suche nach Wohneigentum kaum fündig.
Das sagen die drei Gemeinden
«Das Spitzenresultat für Seedorf UR beweist, dass auch eine periphere Gemeinde durchaus reizvoll sein kann», erklärt Toni Stadelmann, Gemeindepräsident von Seedorf UR. «Die Untersuchung bestätigt unsere Bemühungen und unsere Innensicht einer familienfreundlichen Gemeinde. Finanzielle Überlegungen sind zwar die Basis, machen aber alleine keinen attraktiven Wohnort aus. Als entscheidend bezeichnen wir die Einflussfaktoren der Lebensqualität.» Als ausschlaggebend sieht Stadelmann dabei funktionierende soziale Netzwerke, eine überschaubare Grösse, eine gute Grundinfrastruktur, attraktive Naherholung sowie die Nähe zu regionalen Zentren.
Auch Gemeindepräsident Renato Truniger von Mosnang SG verweist auf die Lebensqualität für junge Familien. «Mosnang liegt als liebliches Naherholungsgebiet mit gutem Verkehrsanschluss im unteren Toggenburg und überzeugt mit einer gut ausgebauten Infrastruktur. Unser reges und vielfältiges Vereinsleben lässt unsere Gemeinde oftmals bis weit über die Gemeindegrenze hinaus wahrnehmen und verleiht unserer Gemeinde das gewisse Etwas.»
In Walchwil ZG am Zugersee erklärt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Yvonne Kronenberg: «Familienfreundlichkeit liegt uns am Herzen. Wir setzen uns weiter dafür ein, erschwinglichen Wohnraum für junge Familien zu ermöglichen – trotz hohen Immobilienpreisen an begehrter Lage.»
Städte: (Fast) alle schneiden schlecht beim Eigenheim ab
Bei der Suche nach Wohneigentum sind die Immobilienpreise die grösste Barriere – das geht aus einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hervor. Fast 80 Prozent der befragten Personen empfinden die Preise für ein Eigenheim als zu hoch. Das gilt insbesondere für die jüngere Generation, die sich noch am Anfang der Ansparphase und des Vermögensaufbaus befindet. Den knappen finanziellen Mitteln in jungen Jahren steht ein umso grösserer Wunsch nach Wohneigentum gegenüber. Fast jede zweite Person zwischen 30 und 49 Jahren ist laut ZHAW-Studie aktiv auf der Suche nach einem Eigenheim.
Die Suche bleibt in vielen städtischen Lagen und Agglomerationen erfolglos – die Preise sind für viele junge Familien schlicht unerschwinglich. Hinzu kommt, dass grössere, familientaugliche Objekte häufig dünn gesät sind. Ein weiterer Faktor, der zu berücksichtigen ist (und der daher auch ein Kriterium des Gesamtrankings von Migros Bank und IAZI darstellt): Viele Städte und Agglomerationen weisen hohe Krankenkassenprämien auf – ein oft schwer zu stemmender Kostenblock für junge Familien.
Andererseits punkten die Städte mit dichtem Mobilitätsangebot, kurzer Erreichbarkeit eines breiten Arbeitsplatzangebots sowie gut ausgebauter Infrastruktur für medizinische Versorgung, Freizeit und Schulwesen. Aber im Gesamtranking platzieren sich die meisten Städte trotzdem auf den hinteren Rängen. Allein unter den letzten 20 Gemeinden finden sich die folgenden Städte in absteigender Reihenfolge: Renens VD, Genf GE, Ittigen BE, Lausanne VD, Bern BE, Biel BE, Basel BS, Prilly VD und – als letztplatzierte Gemeinde überhaupt – Ostermundigen BE. Vergleichsweise weit vorne zu finden sind dagegen die Städte Rapperswil (Rang 231), Zug (286) und Frauenfeld (289).
Welcher Wohnort passt für meine Familie?
Bei der Wahl des Wohnorts spielen viele Faktoren eine Rolle. Für die einen Familien sind tiefe Wohnkosten oder die Nähe zu einem attraktiven Arbeitsmarkt wichtig, für andere sind es eine hohe Versorgungsdichte oder tiefe Steuern. Welcher Wohnort Ihren Wünschen entspricht, können Sie mit dem kostenlosen Ortsbericht der Migros Bank erfahren.
Romandie, Tessin, Tourismusregionen: Hier haben es junge Familien schwer
Weit hinten rangieren nicht nur viele Städte. Dort finden sich ebenso die meisten Westschweizer und Tessiner Gemeinden. Verantwortlich für das tiefe Ranking sind oftmals Faktoren wie Steuerhöhe, teure Krankenkassenprämie sowie die allgmeine Sicherheit (gemessen an Straftaten und Strassenverkehrsunfälle), auf die gerade junge Familien mit Kindern achten. Vergleichsweise gut schneiden in der Romandie Freiburger Gemeinden ab. Entsprechend kommt auch die bestplatzierte Ortschaft der lateinischen Schweiz aus dem Kanton Freiburg, nämlich Marsens (Gesamtranking Rang 27). Danach folgen Orsières VS (115) und Mies VD (126).
Ebenfalls mässig geeignet für junge Familien mit Eigenheimwunsch sind Tourismusregionen. Dort ist das Wohnraumangebot für Familien eingeschränkt, die Preise sind hoch, und der Anteil der jungen Bevölkerung ist tief. Das sind alles Faktoren, die auf viele Tessiner Gemeinden zutreffen. Die ersten Gemeinden aus der Schweizer Sonnenstube finden sich mit Comano, Maggia und Castel San Pietro erst auf den Plätzen 221, 335 und 374.
Zentral- und Ostschweiz: Oft ideal für junge Familien
Wenn nicht in der Süd- und Westschweiz: Wo finden sich dann die attraktivsten Gemeinden für junge Familien mit Eigenheimwunsch? «Wenn man auf die Gemeindetypologie des Bundesamts für Statistik abstellt, handelt es sich bei den attraktivsten Standorten meist um sogenannte ‹periurbane Gemeinden›, also unmittelbar an Agglomerationen angrenzende, bereits ländlich geprägte Ortschaften, oder um ‹ländlich zentral gelegene Gemeinden›, die über gemässigte Eigenheimpreise, hohe Sicherheit und gute Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen und Naherholungsgebieten verfügen», erklärt Roman Ballmer, Head of Economic Products und stellvertretender CEO von IAZI. «Gemeinden mit solchen Kriterien finden sich gehäuft in der Ost- oder Zentralschweiz.»
Das zeigt das Siegertrio Seedorf UR, Mosnang SG und Walchwil ZG. In der Zentralschweiz gibt es neben Walchwil einige weitere Gemeinden, die trotz tiefer Steuern immer noch vergleichsweise erschwingliche Immobilienpreise aufweisen und sich entsprechend weit vorn im Ranking platzieren. Beispiele sind etwa Freienbach SZ und Hergiswil NW. Auch der Kanton Zürich hat mit Küsnacht und Zumikon zwei steuergünstige Gemeinden, die sich im Gesamtranking für junge Familien relativ weit vorne platzieren.
Home-Office: Wer ortsungebunden arbeitet, spart Geld beim Eigenheim
Anders als die beiden erwähnten Zürcher Seegemeinden sind viele der Top-Standorte eher peripher. Das gilt beispielsweise für die vier Ostschweizer Ortschaften Mosnang SG, Nesslau SG, Neckertal SG und Gais AR aus den Top-20. Von den über 2000 untersuchten Schweizer Gemeinden rangieren sie beim Kriterium «Mobilität und Verkehr» nur auf den Plätzen 1793 bis 1925 (siehe Tabelle). Aber solche Ortschaften mögen besonders attraktiv sein für junge Eltern, die ortsungebunden arbeiten können. Diese profitieren nämlich von tiefen Immobilienpreisen ohne Nachteil eines langen Arbeitswegs – dank Home-Office.
Eine Möglichkeit, welche die aus Mosnang stammende Ex-Skirennfahrerin Maria Walliser seinerzeit nicht hatte.
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Die 20 besten Gemeinden für junge Familien mit Eigenheimwunsch
Im Gesamt-Ranking aufgeführt werden nur Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohner*innen; die Teil-Rankings beziehen sich auf sämtliche Gemeinden (also auch auf solche mit weniger als 2000 Einwohner*innen).
Quelle: Migros Bank, IAZI
| Gemeinde | Kanton | Bevölkerungszahl | Gesamt-Ranking | Rang Wohn-budgetanteil | Rang Verfügbarkeit grosser Wohneinheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| Seedorf | UR | 2045 | 1 | 1567 | 360 |
| Mosnang | SG | 2889 | 2 | 557 | 26 |
| Walchwil | ZG | 3820 | 3 | 655 | 685 |
| Andelfingen | ZH | 2232 | 4 | 1445 | 610 |
| Nesslau | SG | 3608 | 5 | 891 | 559 |
| Wilen | TG | 2523 | 6 | 387 | 148 |
| Affeltrangen | TG | 2648 | 7 | 294 | 150 |
| Wängi | TG | 4766 | 8 | 578 | 284 |
| Sempach | LU | 4234 | 9 | 1505 | 405 |
| Zell | LU | 2108 | 10 | 750 | 328 |
| Pfaffnau | LU | 2674 | 11 | 695 | 948 |
| Neckertal | SG | 4064 | 12 | 802 | 273 |
| Bütschwil-Ganterschwil | SG | 5041 | 13 | 715 | 606 |
| Willisau | LU | 8910 | 14 | 1444 | 723 |
| Freienbach | SZ | 16520 | 15 | 306 | 1230 |
| Gais | AR | 3066 | 16 | 851 | 663 |
| Zumikon | ZH | 5587 | 17 | 818 | 1108 |
| Teufen | AR | 6364 | 18 | 653 | 785 |
| Leuggern | AG | 2180 | 19 | 3 | 457 |
| Wattwil | SG | 8837 | 20 | 1427 | 1339 |
So wurde bewertet
Im Auftrag der Migros Bank untersuchte die Beratungsfirma IAZI 2145 Gemeinden nach folgenden Kriterien: Wohnbudgetanteil (Immobilienpreis im Verhältnis zum steuerbaren Einkommen), Verfügbarkeit an grossen Wohneinheiten (Anteil von Wohneinheiten mit mindestens 4,5 Zimmern), Jugendquotient (Bevölkerungsanteil der unter 20-Jährigen), Steuerbelastung (für verheiratete, unselbständig Erwerbende mit zwei Kindern), Mobilität und Verkehr (Reisezeit zum nächsten Zentrum mit motorisiertem Individualverkehr und ÖV), Versorgung (medizinische Versorgung, Freizeit, Schulen), Sicherheit (Straftaten und Strassenverkehrsunfälle), Ökologie (Hektaren Grünraum, Wald und Gewässer im Verhältnis zur Einwohnerzahl), Krankenkassenprämien (mittlere monatliche Prämie für Musterfamilie). Für jedes Kriterium wurde jeweils über alle Gemeinden eine Rangfolge erstellt und daraus, unter Gleichgewichtung der einzelnen Kriterien, ein Gesamtranking berechnet.
In der Tabelle wurden nur Gemeinden ab 2000 Einwohnern berücksichtigt. Bei kleineren Gemeinden ist oftmals das verfügbare Wohnangebot in absoluten Zahlen sehr klein. Oder es kommt zu statistischen Verzerrungen (z.B. ein Dorfarzt für 500 Personen kann eine bessere Versorgung als viele Spezialisten in einer grossen Stadt suggerieren).
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