Plastikfrei? Verpackung neu gedacht – wie Unternehmen heute umstellen müssen
Verpackungen sind allgegenwärtig: Sie verursachen rund 40 Prozent des globalen Plastikmülls – oft nach nur kurzer Nutzung. Ein Umdenken in der Gestaltung und Nutzung von Verpackungen wird für Unternehmen immer wichtiger, um ökologische und wirtschaftliche Vorteile zu nutzen. Was heisst das für Anlegerinnen und Anleger?
Verpackungen sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Alltags, sei es bei Online-Paketen, Joghurt- oder Coffee-to-go-Bechern. Sie machen weltweit etwa 40 Prozent des gesamten Plastikabfalls aus, wobei viele dieser Produkte nur kurzzeitig genutzt und anschliessend entsorgt werden. Für Unternehmen wird deutlich, dass ein Umdenken in der Gestaltung und Nutzung von Verpackungen nicht nur ökologische Vorteile mit sich bringt, sondern auch dazu beitragen kann, potenzielle Reputations- und Kostenrisiken zu minimieren. Gleichzeitig eröffnet dieser Wandel spannende Möglichkeiten: Innovative Unternehmen können mit nachhaltigen Lösungen neue Märkte erschliessen, während Anlegerinnen und Anleger von zukunftsorientierten Investitionen profitieren können.
Warum «plastikfrei» allein nicht die Lösung ist
Die einfache Forderung «kein Plastik mehr» greift zu kurz. Kunststoffe haben teils wichtige Funktionen: Sie sind leicht, bruchsicher, schützen Lebensmittel vor Verderb und können, sofern sie richtig gestaltet sind, gut recycelt werden. Das Problem liegt weniger im Material an sich, sondern im Umgang damit: Einweg-Designs, überflüssige Umverpackungen und fehlende Sammel- und Recyclingsysteme führen dazu, dass ein grosser Teil der Verpackungen nach kurzer Nutzung im Abfall oder in der Umwelt landet.
Gleichzeitig zeigt die Realität, wie weit der Weg noch ist: Eine aktuelle Studie kommt zum Schluss, dass 2022 weniger als 10 Prozent der global produzierten Kunststoffe aus Recyclingmaterial bestanden. Statt «Plastik ja oder nein» rückt deshalb eine andere Frage in den Vordergrund: Wie kann Verpackung so gestaltet werden, dass sie mit möglichst wenig Material auskommt, wiederverwendbar ist oder im Kreislauf bleibt?
Regulierungen setzen den Rahmen – auch für Schweizer Unternehmen
Politik und Regulatoren setzen verstärkt auf neue Rahmenbedingungen, um den Umgang mit Verpackungen nachhaltiger zu gestalten. In der EU verpflichtet die neue Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) Unternehmen dazu, bis 2030 Verpackungen so zu entwickeln, dass sie grundsätzlich wiederverwendbar oder recycelbar sind. Zudem werden konkrete Rezyklatquoten von 10 Prozent bis 35 Prozent für alle Kunststoffverpackungen sowie Mindestanteile von Recyclingmaterial in Papier-, Karton-, Glas- und Metallverpackungen gefordert. Dies soll den Verbrauch von Primärmaterialien in allen Bereichen reduzieren und den Weg für Mehrweg- und Refill-Lösungen ebnen.
Auch in der Schweiz wird derzeit an einer umfassenden Verpackungsverordnung gearbeitet. Im Fokus steht das Prinzip der erweiterten Produzentenverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR), das Hersteller und Importeure stärker in die Verantwortung für Sammlung, Recycling und Entsorgungskosten einbindet. Ergänzend dazu wird ein landesweites Sammelsystem für Plastikverpackungen und Getränkekartons entwickelt, das 2025 schrittweise in ersten Gemeinden eingeführt wurde.
Diese regulatorischen Entwicklungen bieten nicht nur klare Leitlinien für Unternehmen, sondern schaffen auch Planungssicherheit. Sie verdeutlichen, dass traditionelle Einwegmodelle langfristig durch nachhaltigere Alternativen ersetzt werden sollen. Für innovative Unternehmen und Investoren eröffnen sich dadurch attraktive Chancen, um von diesem Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu profitieren.
Wie Unternehmen Verpackungen konkret nachhaltiger machen
Nachhaltige Verpackung heisst nicht nur weniger Plastik, sondern besser gestaltet. Drei Hebel stehen dabei im Vordergrund:
- Vermeiden: Der erste Schritt ist oft einfach und wirtschaftlich: Verpackung weglassen, wo sie keinen Mehrwert bietet. Einzelhändler reduzieren etwa Umverpackungen bei Obst und Gemüse oder ersetzen Plastiksäcke durch wiederverwendbare Beutel. Weniger Material senkt Material- und Entsorgungskosten.
- Re-Design: Wo Verpackung nötig ist, wird das Design entscheidend. Die EU setzt mit «Design for Recycling» neue Standards, die auch für Schweizer Exporteure relevant sind: monomateriale Lösungen (z.B. nur PET), leicht trennbare Komponenten und Verzicht auf recyclinghemmende Stoffe. Beispiele aus der Praxis sind der Wechsel von Verbundfolien zu sortenreinen Kunststoffen oder von schwarzen zu transparenten Materialien.
- Recycle & Re-Use: Rezyklate spielen eine zentrale Rolle: Ein wachsender Anteil des Verpackungsmaterials soll aus Recyclingkunststoff oder Sekundärrohstoffen bestehen. Unternehmen wie die Migros erhöhen den Rezyklatanteil in Eigenmarkenverpackungen und reduzieren den Materialeinsatz. Noch effektiver sind Mehrweg- und Refill-Modelle, wie wiederverwendbare Behälter oder Nachfüllstationen, die langfristig viel Verpackungsmaterial einsparen.
Was das für Anlegerinnen und Anleger bedeutet
Die Art und Weise, wie Unternehmen Verpackungen gestalten, wird zunehmend zu einem entscheidenden Werttreiber. Welche Chancen ergeben sich aus dem Wechsel vom Geschäftsmodell Einweg zu Mehrweg?
Unternehmen, die ihre Verpackungen frühzeitig auf zirkuläre Systeme umstellen, profitieren mehrfach: Sie reduzieren ihre Abhängigkeit von volatilen Rohstoff- und CO₂-Preisen, sind künftigen Quoten und Verboten voraus, senken EPR-Abgaben, erschliessen Fördermittel und positionieren sich bei Konsumentinnen und Konsumenten als glaubwürdig nachhaltige Marke. In der Summe entsteht so ein Business Case, der über die reine Regulatorik hinausgeht. Zirkuläre Verpackung wird zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil:
- Kostenrisiken senken: Die stetig steigende CO2-Bepreisung verteuert den Einsatz von fossilen Kunststoffen. Bei einer Standardverpackung aus Kunststoff liegt der reine CO₂-Kostenaufschlag zwar nur im Cent-Bereich pro Produkt – doch er wirkt über Millionen verkaufte Einheiten, verschiebt Investitionsentscheide und macht kreislauffähige Materialien mittelfristig wirtschaftlich attraktiver.
- Regulatorische Compliance: In der EU und zunehmend auch in der Schweiz werden Unternehmen über Registrierungs- und Meldesysteme eng überwacht. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, riskiert Bussgelder im sechsstelligen Bereich, Nachzahlungen, Vertriebsverbote und negative ESG-Ratings.
- Nachhaltige Verpackung als relevanter Wettbewerbsfaktor: Die Studie «Buying Green» zeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten Produkte mit nachhaltiger Verpackung bevorzugt – und viele sogar bereit sind, dafür einen Aufpreis zu bezahlen. Gleichzeitig beschreiben McKinsey-Analysen, dass Preis und Qualität die wichtigsten Kaufkriterien bleiben, aber eine nachhaltige Verpackung ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal darstellt. Für Unternehmen heisst das: Nachhaltige Verpackung ist kein Nice-to-have mehr – sollte jedoch ohne grossen Preisaufschlag umgesetzt und glaubwürdig kommuniziert werden.
- Förderungen für zirkuläre Verpackungen: Die Schweiz setzt ganz klar Anreizsignale über Gebühren: Wer gut recycelbare, materialeffiziente, rezyklathaltige und weniger Verpackungen einsetzt, kann niedrigere Systementgelte und damit direkte Kostenvorteile erzielen. Dahinter steht das Prinzip der verursachergerechten Beiträge. Aber auch die EU stellt über Programme wie Horizon Europe und LIFE gezielt Gelder für zirkuläre Verpackungslösungen bereit. Die European Circular Economy Stakeholder Plattform listet zudem zahlreiche Förderinstrumente (Strukturfonds, InvestEU, EIB-Kredite), die Unternehmen beim Umstieg auf zirkuläre Geschäftsmodelle unterstützen.
Attraktive Investitionsmöglichkeiten ergeben sich somit besonders in Unternehmen, die:
- Verpackungen kreislauffähig designen
- Rezyklate und alternative Materialien skalieren
- Mehrweg- und digitale Rücknahmesysteme etablieren
- Recyclingtechnologien verbessern und effizienter gestalten
Praxisbeispiel Unilever als Investitionsmöglichkeit
Unilever zählt zu den Konsumgüterherstellern, die ihre Verpackungen zunehmend nach kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien ausrichten. Das Unternehmen arbeitet daran, den Anteil an recycelbaren Monomaterialien zu erhöhen, Rezyklate breiter einzusetzen und in mehreren Produktkategorien Nachfüll- und Mehrwegmodelle zu etablieren. Besonders im Bereich Haushalts- und Pflegeprodukte testet und skaliert Unilever Refill-Systeme, die den Materialverbrauch über den gesamten Lebenszyklus hinweg deutlich senken können. Damit zeigt das Unternehmen, wie globale Marken schrittweise zu einer nachhaltigeren Verpackungsgestaltung beitragen können.
Blick nach vorne: Verpackung als Teil der Lösung
Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob es gelingt, die Abfall- und Klimawirkung von Verpackungen zu reduzieren. Die Kombination aus strengeren Regeln, technologischem Fortschritt und wachsendem Konsumbewusstsein sorgt dafür, dass nachhaltige Verpackung vom «Nice-to-have» zum ernstzunehmenden Wettbewerbsfaktor wird.
Für nachhaltig orientierte Anlegerinnen und Anleger bietet die Migros Bank mit dem Vermögensverwaltungsmandat Inspire die Möglichkeit, ökologisches Handeln mit attraktiven Renditechancen zu verbinden. Unternehmen, die heute in kreislauffähiges Design, Rezyklate, Mehrwegsysteme und transparente Berichterstattung investieren, leisten nicht nur einen messbaren Beitrag zum Ressourcenschutz, sondern können sich auch einen Vorsprung im Markt verschaffen. Für Anlegerinnen und Anleger eröffnet sich damit ein Feld, in dem ökologische Wirkung und wirtschaftliche Chancen eng zusammenliegen.
Verpackungen sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Alltags, sei es bei Online-Paketen, Joghurt- oder Coffee-to-go-Bechern. Sie machen weltweit etwa 40 Prozent des gesamten Plastikabfalls aus, wobei viele dieser Produkte nur kurzzeitig genutzt und anschliessend entsorgt werden. Für Unternehmen wird deutlich, dass ein Umdenken in der Gestaltung und Nutzung von Verpackungen nicht nur ökologische Vorteile mit sich bringt, sondern auch dazu beitragen kann, potenzielle Reputations- und Kostenrisiken zu minimieren. Gleichzeitig eröffnet dieser Wandel spannende Möglichkeiten: Innovative Unternehmen können mit nachhaltigen Lösungen neue Märkte erschliessen, während Anlegerinnen und Anleger von zukunftsorientierten Investitionen profitieren können.
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