Nachhaltigkeit

Climate Bonds: Eine ideale Beimischung bei nachhaltigen Investitionen?

Viele Anlegerinnen und Anleger möchten wissen, wie sie mit ihrem Geld die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Zukunft unterstützen können. Genau hier setzen «Climate Bonds» oder «Green Bonds» an: Sie verbinden das klassische Prinzip einer Obligation mit einem klaren ökologischen Verwendungszweck. So wird Kapital gezielt in Projekte gelenkt, die Klima- und Umweltziele unterstützen – von erneuerbaren Energien bis zu nachhaltiger Infrastruktur.

Benjamin Gränicher
Publiziert
Lesedauer: 3 Minuten

Was sind Climate Bonds?

Der weltweit erste Green Bond wurde im Jahr 2007 von der Europäischen Investitionsbank unter der Bezeichnung «Climate Awareness Bond» ausgegeben. Erstmals sollte Kapital gezielt für Projekte zur Eindämmung des Klimawandels mobilisiert werden. Was damals als Nische galt, hat sich seither zum Mainstream entwickelt.

Der Begriff «Climate Bonds» wird häufig als Oberbegriff für Obligationen verwendet, deren Erlöse zur Finanzierung nachhaltiger und klimarelevanter Projekte eingesetzt werden. Besonders verbreitet sind Green Bonds, sogenannte grüne Obligationen. Sie sind das grösste Segment innerhalb des breiteren Markts der nachhaltigen Obligationen, zu dem auch Social Bonds, Sustainability Bonds oder Blue Bonds gehören. Ihrem Namen entsprechend wird bei grünen Obligationen das investierte Kapital zweckgebunden für Umweltprojekte verwendet – etwa für erneuerbare Energien, energieeffiziente Gebäude oder nachhaltige Infrastruktur.

Transparenz ist der Kern von Climate Bonds. Der ökologische Nutzen einer solchen Obligation hängt stark von qualitativen Kontrollen und der Berichterstattung ab. Seriöse Emittenten veröffentlichen in der Regel ein Green Bond Framework, lassen dieses extern beurteilen und berichten regelmässig über die Mittelverwendung. Die Green Bond Principles der International Capital Market Association definieren dafür vier zentrale Bausteine: Verwendung der Mittel, Auswahl und Bewertung der Projekte, Verwaltung der Erlöse sowie Berichterstattung. Anlegerinnen und Anleger sollen nicht nur wissen, wer das Geld aufnimmt, sondern auch wofür es eingesetzt wird. Je nach Projekt können dabei beispielsweise Kennzahlen wie vermiedene CO₂-Emissionen, installierte erneuerbare Leistung oder sanierte Gebäudeflächen ausgewiesen werden. Climate Bonds können dadurch eine bessere Nachvollziehbarkeit als viele andere nachhaltige Anlageformen ermöglichen – vorausgesetzt, die Qualität der Daten und der externen Prüfung stimmt.

Warum Obligationen für die Klimawende zentral sind

Klimaschutz ist nicht nur eine technologische, sondern vor allem auch eine Finanzierungsfrage. Neue Windparks, Stromnetze, energieeffiziente Gebäude oder sauberere Verkehrssysteme benötigen langfristiges Kapital. Während Anlegerinnen und Anleger mit Aktien oft neue Technologien, neue Geschäftsmodelle oder neue Märkte mobilisieren, investieren sie mit Obligationen dagegen häufig in die konkrete Umsetzung von grösseren Projekten. Baut ein Energieversorger beispielsweise eine Photovoltaikanlage, geschieht dies oft über Fremdkapital.

Wie akut der Finanzierungsbedarf ist, zeigen aktuelle Daten führender Organisationen: Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt in ihrem aktualisierten Netto-Null-Szenario, dass die jährlichen Investitionen in saubere Energie bis 2030 auf rund 4500 Milliarden Dollar steigen müssen. Zusätzlich beziffert die Climate Policy Initiative den gesamten globalen Klimafinanzierungsbedarf für die Jahre 2024 bis 2030 auf mindestens 6300 Milliarden Dollar pro Jahr. 

Was Climate Bonds im Portfolio leisten können

Anlegerinnen und Anleger können bei Climate Bonds direkt nachvollziehen, welche Klima- oder Umweltprojekte mit ihrem Kapital finanziert werden. Neben diesem fundamentalen Nachhaltigkeitsaspekt erfüllen sie aber auch weitere wichtige Funktionen im Portfolio. 

Bei einer Obligation wird direkt in ein konkretes Anlageinstrument wie beispielsweise in einen Windpark investiert, mit einer klar definierten Laufzeit und klarem Zinssatz. Dadurch ermöglichen Obligationen Anlegerinnen und Anlegern planbarere Erträge, da Zinssatz, Zinszahlungstermine und Rückzahlung des Nennwerts in der Regel von Anfang an feststehen. Gleichzeitig schwanken Obligationen meist weniger stark als Aktien und können dadurch mehr Stabilität ins Portfolio bringen. Als Ergänzung zu Aktien können Obligationen ausserdem zur Diversifikation beitragen und das Gesamtrisiko eines Portfolios reduzieren.

Climate Bonds sind deshalb weit mehr als ein Nischenprodukt. Als wichtiges Finanzprodukt helfen sie dabei, privates und institutionelles Geld gezielt in den grünen Wandel der Wirtschaft einzusetzen, und können sich positiv auf das Portfolio auswirken. Auch in der Vermögensverwaltung wie dem Vermögensverwaltungsmandat Inspire der Migros Bank, werden Green Bonds eingesetzt.

Muss ich auf Rendite verzichten?

Eine häufige Frage lautet: Zahlt man für Green Bonds einen Aufschlag, indem man eine tiefere Rendite für ökologischen Nutzen akzeptiert? In der Fachwelt wird dieser mögliche Renditeabschlag als «Greenium» bezeichnet. Während die europäische Wertpapieraufsicht ESMA im Jahr 2023 noch darauf verwies, dass die Forschungsergebnisse nicht eindeutig sind, zeigen neue Studien ein differenziertes Bild von einem gereiften Markt, weg vom Nachfrageüberhang. Neuere Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass sich das Greenium in gewissen Marktsegmenten deutlich verringert oder sogar gedreht haben könnte. Eine GRASFI-Recherche (Global Research Alliance for Sustainable Finance and Investment) kommt beispielsweise zum Schluss, dass das Greenium in ihrem Datensatz globaler Unternehmensobligationen von 2020 bis 2024 verschwunden beziehungsweise negativ geworden ist.

Für die Praxis heisst das: Green Bonds bedeuten nicht automatisch eine tiefere Rendite als vergleichbare konventionelle Obligationen. Entscheidend bleiben die klassischen Faktoren des Obligationenmarkts wie Laufzeit, Währung, Zinsumfeld, Liquidität und Bewertung – denn der ökologische Zweck ersetzt keine sorgfältige Bonitätsanalyse.

Wie kann man konkret investieren?

Privatanlegerinnen und Privatanleger kaufen selten direkt einzelne Climate Bonds. Der Kauf erfordert viel Aufwand, von der Prüfung der Bonität und Laufzeiten bis hin zur Kontrolle der tatsächlichen Nachhaltigkeit. Zudem braucht es für eine solide Risikostreuung meist mehrere Obligationen.

In der Praxis führt der Weg deshalb meist über aktiv verwaltete Fonds oder breit diversifizierte Obligationenlösungen. Hier übernehmen spezialisierte Teams die Arbeit: Sie analysieren die Emittenten, prüfen die Nachhaltigkeitskriterien, managen das Marktrisiko und überwachen laufend Umwelt- und Impact-Berichte. In erster Linie bietet sich daher eine Beratung durch die Hausbank an, um einzuordnen, ob und welche Green Bonds optimal zum eigenen Anlageprofil, zum Zeithorizont und zur persönlichen Anlagestrategie passen.

Worauf soll ich achten?

Nicht jeder grüne Titel ist automatisch eine gute Anlage. Entscheidend sind drei Ebenen:

  • Erstens die finanzielle Qualität: Die Bonität des Emittenten bleibt zentral. Ein Green Bond ist in der Regel eine Schuldverschreibung des Emittenten – nur weil die Mittel «grün» verwendet werden, verschwindet nicht automatisch das Risiko eines Kredits. 
  • Zweitens die Nachhaltigkeitsqualität: Wichtig sind ein klares Framework, glaubwürdige Projektkategorien, externe Prüfung und regelmässiges Reporting. Die Mittelverwendung sollte nachvollziehbar sein.
  • Drittens die Portfoliopassung: Währung, Laufzeit, Zinsrisiko und Kreditrisiko müssen zur persönlichen Anlagestrategie passen. Climate Bonds können den Obligationenanteil nachhaltiger ausrichten, ersetzen aber keine breite Diversifikation.

Fazit: Klimafinanzierung mit vertrauter Struktur

Climate Bonds machen die Finanzierung der Energiewende für Anlegerinnen und Anleger zugänglicher. Sie funktionieren grundsätzlich wie klassische Obligationen, mit regelmässigen Zinszahlungen, einer definierten Laufzeit und einer klaren Schuldnerstruktur. Der positive Unterschied liegt in der Mittelverwendung: Die Investitionen fliessen in Projekte, die für Klimaschutz, Energiewende oder die Anpassung an den Klimawandel relevant sind.

Grüne Obligationen versprechen zwar keine Höchstrenditen und ersetzen keine sorgfältige Prüfung. Wer aber sein Portfolio zukunftsfähig aufstellen möchte, findet hier ein solides Fundament, das Stabilität und einen guten Zweck sinnvoll verbindet.

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