Markteinschätzung

Fussball-WM: Tor für die Wirtschaft?

Am 11. Juni fiel der Anpfiff zur grössten Fussball-Weltmeisterschaft der Geschichte. 48 Nationen, 104 Spiele, drei Gastgeberländer – und Milliarden von Fans weltweit. Doch was bedeutet dieses Megaevent abseits des Rasens für die Volkswirtschaft?

Valentino Guggia
Publiziert Aktualisiert
Lesedauer: 4 Minuten

Es ist soweit. Trotz Kritik am Hauptgastgeberland USA aufgrund des politischen Kurses unter Präsident Donald Trump und an der FIFA für ihre Gestaltung der Ticketpreise ist das WM-Fieber ausgebrochen. Panini-Bilder werden rege ausgetauscht, und es wird eifrig über die besten Aufstellungen auf dem Rasen und über die richtigen Ergebnis-Tipps diskutiert. Kurz: Seit Donnerstag, 11. Juni, kämpfen die Schweiz und 47 weitere Teams um den goldenen WM-Pokal.

Ein Turnier der Superlative

Die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada ist in jeder Hinsicht ein Rekordturnier: Erstmals wird die Endrunde von drei Ländern gemeinsam ausgetragen, erstmals nehmen 48 Mannschaften teil, und erstmals finden die Spiele in 16 Stadien über einen ganzen Kontinent verteilt statt. Laut FIFA werden rund 6,5 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer die Stadien besuchen – ein Besucherrekord trotz ebenfalls rekordhoher Ticketpreise.

Was die organisatorischen Kosten angeht, bieten die drei Gastgeberländer einen entscheidenden Vorteil, da sie zum grössten Teil auf bestehende Infrastrukturen zurückgreifen können. Die meisten Spielorte sind existierende NFL- oder Fussballstadien. Der Bau neuer Stadien konnte so vermieden werden: Dieser war eine der grössten Kostenfallen früherer Weltmeisterschaften, und nicht selten kam vor, dass die Neubauten nach dem Turnier wenig genutzt oder gar aufgegeben wurden.

Ein willkommener Konjunkturimpuls

Mehrere Wirtschaftszweige werden von der Fussball-WM profitieren. Insbesondere Dienstleistungen im Hotel- und Gaststättengewerbe der Gastgeberstädte sowie Verkehr und Detailhandel (Sportartikel, Elektronik, Food) werden eine höhere Nachfrage bedienen können. 

Dennoch darf man die Auswirkungen nicht überschätzen. Die drei Gastgeberländer erwirtschaften zusammen ein Bruttoinlandprodukt (BIP) von über 30 Billionen US-Dollar. Ein einzelnes Sportevent – selbst in dieser Grössenordnung – hinterlässt im gesamtwirtschaftlichen Bild kaum nachhaltige Spuren. Zudem sind nicht alle WM-Touristen «zusätzliche» Gäste. Schätzungen zufolge wären rund 40 Prozent der WM-Touristen ohnehin in die USA gereist – sie haben lediglich ihren Reisezeitpunkt angepasst. Volkswirtschaftlich gesehen ist das keine neue Wertschöpfung, sondern eine Verschiebung. 

Also ja, die Weltwirtschaft wird positive konjunkturelle Effekte haben, aber sie werden eher vorübergehender Natur sein. Insbesondere für Mexiko wird ein Konjunkturimpuls nützlich sein, aber nicht das Heilmittel für die gegenwärtigen konjunkturellen Schwierigkeiten aufgrund der Handelshemmnisse mit den Vereinigten Staaten.

Auch die Schweiz profitiert – aus der Distanz

Das WM-Turnier findet zwar in Nordamerika statt, doch die Schweiz hat eine besondere Verbindung zum Grossevent, da die FIFA seit 1932 ihren Hauptsitz in Zürich hat. Und genau das spielt volkswirtschaftlich eine wichtige Rolle.

Wenn die FIFA-Übertragungsrechte, Sponsoringpakete oder Markenrechte verkauft, gilt dies in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als Produktionsleistung einer in der Schweiz ansässigen Organisation. Die Einnahmen fliessen also – zumindest buchhalterisch – ins Schweizer BIP ein, selbst wenn kein einziges Spiel hierzulande stattfindet. Laut Schätzungen des KOF-Instituts der ETH Zürich dürfte das Turnier das Schweizer BIP-Wachstum 2026 um rund 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte erhöhen. Die Einnahmen aus Übertragungsrechten (rund 3 Milliarden Franken) fallen bei dieser WM in Nordamerika mit dem Interesse des grossen amerikanischen TV-Markts schätzungsweise rund eine Milliarde Franken höher aus als beim Turnier in Katar.

Neben der FIFA haben auch die UEFA und das IOC ihren Sitz in der Schweiz. So fliessen die grossen Zahlungsströme in nationale Wertschöpfungsstatistik mit einem regelmässigen Rhythmus ein. Solche wiederkommenden Aufschläge verzerren die Interpretation des Konjunkturgeschehen und könnte zu falschen Schlüssen verleiten. Aus diesem Grund veröffentlicht das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) eine sporteventbereinigte Version der BIP-Statistik. Das SECO blendet die Sporteffekte dabei nicht einfach aus – es glättet sie zeitlich. Die Einnahmen werden symmetrisch rund um das Eventjahr verteilt: Ein Viertel im Eventjahr selbst, je ein Viertel im Vorjahr und im Folgejahr, je ein Achtel zwei Jahre davor und danach. So entsteht ein geglättetes Bild, das konjunkturelle Trends besser sichtbar macht.

Viel Vergnügen bei der WM und «Hopp Schwiiz»!

(Foto: Keystone / Eric Adler, The Kansas City Star)

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