Investieren

Staking: So lässt sich laufendes Einkommen aus Kryptowährungen generieren

Neue Bitcoins entstehen durch Mining, andere Kryptowährungen durch sogenanntes Staking. Dieses wird immer populärer. Im Unterschied zum Mining können von Staking auch kleinere und mittlere Investor*innen profitieren, und zwar in Form eines zinsähnlichen Einkommens.

Urs Aeberli
Publiziert Aktualisiert
Lesedauer: 5 Minuten

Kurskapriolen sind bei Kryptowährungen an der Tagesordnung. Entsprechend fokussieren sich viele Anleger*innen auf Trading und kurzfristige Kursgewinne. Mittlerweile gibt es allerdings auch Möglichkeiten, laufende Erträge wie bei einer zinstragenden Obligation zu generieren. Das kann über das sogenannte Staking erfolgen. Das Interesse daran wächst nicht zuletzt durch die Umstellung der Kryptowährung Ethereum auf Ethereum 2.0 – dazu später mehr. 

Schürfen oder schmieden: Zwei Arten von Blockchains

Um Staking zu verstehen, muss man zuerst die Grundidee der Blockchain-Technologie kennen. Die meisten Kryptowährungen basieren auf Blockchains – kontinuierlich erweiterten Ketten von verschlüsselten Datensätzen, auf denen sämtliche Transaktionen gespeichert sind. Die Verifizierung und Verarbeitung erfordert Rechenleistung. Wer diese zur Verfügung stellt, erhält einerseits Transaktionsgebühren, andererseits (und das ist der interessantere Teil) die Chance auf die Zuteilung neuer Coins. Bei der grössten Kryptowährung, dem Bitcoin, bemisst sich die Zuteilung nach Arbeitsleistung – eine Belohnung für die Lösung aufwendiger mathematischer Aufgaben. Dieses sogenannte Proof-of-Work-Konzept (PoW) hat einen grossen Nachteil: Es ist extrem energieintensiv, weil das Lösen der Aufgaben viel Rechenleistung erfordert.

Viele Kryptowährungen nutzen stattdessen das Proof-of-Stake-Konzept (PoS), das deutlich weniger Energie benötigt. Bei PoS bemisst sich die Chance auf Zuteilung neuer Coins nicht nach Arbeitsleistung, sondern nach dem persönlichen «Stake», dem aktuellen Anteil an der jeweiligen Kryptowährung. Je mehr Coins man also besitzt, desto höher ist die Chance, zum Validieren von Transaktionen per Zufallsprinzip ausgewählt zu werden und damit Staking-Rewards in Form neuer Coins zu verdienen. Um dieses Konzept gegenüber PoW abzugrenzen, spricht man bei PoS vom «Schmieden» (englisch Forging) neuer Coins, bei PoW vom «Schürfen» (Mining).

Ethereum 2.0 sorgt für Aufschwung

Kryptowährungen mit PoS-Verfahren werden bei Coin-Haltern immer beliebter. Das Portal stakingrewards.com weist derzeit über 140 Kryptowährungen mit Stakes aus. Prominentes Beispiel ist die nach Bitcoin zweitgrösste Kryptowährung Ethereum: Sie migriert unter der Bezeichnung Ethereum 2.0 von PoW auf PoS. Diese mehrjährige Umstellung soll den Energiebedarf für die Validierung von Transaktionen um 99,95 Prozent reduzieren und Ethereum 2.0 zu einer der umweltfreundlichsten Kryptowährungen machen. Gleichzeitig soll die Zahl der Transaktionen pro Sekunde von aktuell durchschnittlich 15 auf bis zu 100’000 steigen. 

Weil die Migration auf Ethereum 2.0 noch am Anfang steht, sind erst rund 6 Prozent der Coins «gestaked» – Tendenz steigend. Der Anteil bewegt sich bei anderen Kryptowährungen mit PoS-Blockchains bereits in ganz anderen Grössenordnungen: Beispielsweise bei Cardano oder Solano sind es über 70 Prozent. 

Für Risikofreudige sind zweistellige Renditen möglich

Die Staking-Rewards unterscheiden sich deutlich. So weist das Portal stakingrewards.com bei gängigen Coins wie Ethereum 2.0, Cardano und Solano rund 5 bis 6 Prozent aus, bei exotischen wie ChainX oder DDKoin über 80 bzw. 90 Prozent. Zum Vergleich: Anleger*innen können ihre Kryptowährungen auf verschiedenen Handelsplattformen auch konventionell im Sinne eines Darlehens verleihen. Diese Zinssätze fallen tiefer aus als die Staking-Rewards; bei Bitcoin und Ethereum betragen sie rund 4 Prozent. Staking-Rewards sind also vergleichsweise interessant. 

Zu beachten gilt, dass Coins, die «gestaked» sind, für eine Zeit lang gesperrt bleiben, je nachdem für einige Tage bis zu mehreren Monaten. Sie lassen sich also nicht gewinnbringend veräussern, wenn der Kurs einen neuen Rekordstand erreicht. Und ebenso wenig kann man die Reissleine ziehen und aussteigen, wenn der Coin auf Talfahrt geht. Wer aber als Buy-and-Hold-Anleger*in Kryptowährungen langfristig hält, kann sich mit Staking ein laufendes Einkommen verschaffen.

Neben beträchtlichen Kursschwankungen sind Betriebsrisiken zu beachten. Staking erfordert zwar bedeutend weniger technische Infrastruktur als Mining. Gleichwohl sind vertiefte Kenntnisse über Netzwerkprotokolle sowie das Sicherstellen einer rund um die Uhr verfügbaren Infrastruktur nötig, um Systemausfälle zu vermeiden. Einfacher als das Staking auf eigene Faust ist die Teilnahme z.B. an einem Staking-Pool oder Staking-Service, allerdings fallen hier Zusatzgebühren an. Solche Dienstleistungen werden beispielsweise von renommierte Kryptobörse offeriert, wie Kraken, Binance oder Coinbase. Eine Übersicht verschiedener Anbieter findet sich auf stakingrewards.com.

Gehören Kryptowährungen ins Depot?

Wer sein Vermögen optimal diversifizieren möchte, sollte auf Aktien, Obligationen, Liquidität und alternative Anlagen wie z.B. Gold und Immobilien setzen. Zählen auch Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum & Co. zu den alternativen Anlagen, und taugen auch sie für den Vermögensaufbau? Die Migros Bank betrachtet Kryptowährungen nicht als fixe Bausteine zur Portfoliodiversifikation, sondern als spekulative Depotbeimischung. Dies u.a. wegen ihrer instabilen Korrelation zu anderen Anlagen und wegen ihren oftmals intransparenten und unzureichend regulierten Handelsplätzen. 

Auch wenn Kryptowährungen nicht zur dauerhaften Risikodiversifikation von Vermögensportfolios taugen, werden sie von einer wachsenden Zahl institutioneller Anleger zumindest phasenweise und opportunistisch als Inflationsschutz genutzt. Nach Einschätzung der Migros Bank werden die Teuerungsraten ausserhalb der Schweiz noch einige Zeit das normale Niveau überschiessen. Das könnte die institutionelle Nachfrage nach Kryptowährungen beflügeln – und auch für private Anleger*innen Tradingchancen eröffnen.

Die Migros Bank bietet keinen Handel mit Kryptowährungen an. Über die Migros Bank lassen sich aber börsenkotierte Zertifikate handeln, welche die Kursentwicklung von Kryptowährungen eins zu eins abbilden.

Fragen rund um Ihre Anlagen? Gemeinsam optimieren wir Ihre Finanzen

Nutzen Sie die Chancen der Finanzmärkte. Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten und erreichen Sie Ihre finanziellen Ziele schneller. Unsere Anlageexpertinnen und -experten stehen bereit, um mit Ihnen gemeinsam die besten Lösungen für Ihre Bedürfnisse zu finden.
Mehr erfahren

Beratung vereinbaren

Disclaimer
Die in dieser Publikation der Migros Bank AG enthaltenen Informationen dienen zu Werbe- und Informationszwecken gemäss Art. 68 des Finanzdienstleistungsgesetzes. Sie sind nicht das Ergebnis einer (unabhängigen) Finanzanalyse. Die darin enthaltenen Informationen begründen weder eine Aufforderung, ein Angebot noch eine Empfehlung zum Kauf und Verkauf von Anlageinstrumenten oder zur Durchführung bestimmter Transaktionen oder zum Abschluss eines anderen Rechtsgeschäftes, sondern haben ausschliesslich beschreibenden, informativen Charakter. Die Informationen stellen weder ein Kotierungsinserat, ein Basisinformationsblatt noch einen Prospekt dar. Insbesondere stellen sie keine persönliche Empfehlung oder Anlageberatung dar. Sie berücksichtigen weder Anlageziele, das bestehende Portfolio noch die Risikobereitschaft oder Risikofähigkeit oder finanzielle Situation oder andere besondere Bedürfnisse des Empfängers. Der Empfänger ist ausdrücklich aufgerufen, seine allfälligen Anlageentscheide aufgrund eigener Abklärungen inklusive Studium der rechtsverbindlichen Basisinformationsblätter und Prospekte oder auf der Informationsbasis einer Anlageberatung zu treffen. Die rechtsverbindlichen Produktdokumentationen sind, sofern diese vorgeschrieben und vom Emittenten bereitgestellt wurden, über migrosbank.ch/bib erhältlich. Der Inhalt dieser Publikation wurde möglicherweise ganz oder teilweise mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Die Migros Bank AG verwendet beim Einsatz von künstlicher Intelligenz ausgewählte Technologien und veröffentlicht keine maschinell generierten Inhalte ohne menschliche Überprüfung. Unabhängig davon, ob die vorliegenden Informationen mit oder ohne Unterstützung durch künstliche Intelligenz erstellt wurden, übernimmt die Migros Bank AG keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der vorliegenden Informationen und lehnt jegliche Haftung für allfällige Verluste oder Schäden irgendwelcher Art ab, welche im Zusammenhang mit diesen Informationen entstehen könnten. Die vorliegenden Informationen stellen lediglich eine Momentaufnahme im aufgedruckten Zeitpunkt dar; es erfolgen keine automatischen, regelmässigen Anpassungen.

Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Tipps rund um Ihre Finanzen.

Zum Newsletter anmelden

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Ähnliche Beiträge

Alle Artikel anzeigen
Investieren

Investieren in Gold: Ist das sinnvoll?

Marlies Keck
Investieren

Dividende, Dividenden- und Aktionärsrendite verstehen

Investieren

Investieren mit wenig Geld: Vorgehen und Tipps

Marlies Keck

Ihr Anruf wurde gestartet

Bitte beachten Sie, dass dieses Gespräch wie bei einem gewöhnlichen Telefongespräch unverschlüsselt übertragen wird.