Nachhaltigkeit

Öko-Strom auf Abruf: Wie Batteriespeicher die Energiewende wirtschaftlich machen

Der Umbau hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung trifft zunehmend auf einen weltweit steigenden Strombedarf. Dadurch wächst die Notwendigkeit nach verlässlicher grüner Energie, die rund um die Uhr nutzbar ist. Eine Lösung sind moderne Batteriespeicher, wobei sie bereits heute die schnellst wachsende Energietechnologie darstellt: Das bietet eine attraktive Anlagechance, mit Aktien wie z.B. Huber + Suhner oder Solaria Energia.

Benjamin Gränicher
Publiziert
Lesedauer: 4 Minuten

Erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft gewinnen durch die Energiewende sowie den steigenden Strombedarf weiterhin an Bedeutung. Ihre Verfügbarkeit ist jedoch schwankend: Da die Sonne nicht durchgehend scheint und Windstille eintreten kann, geht die Stromerzeugung oft nicht mit den Zeiten der höchsten Nachfrage einher, die in der Regel abends liegt. 

Bisherige Lösungen, wie beispielsweise Pumpspeicherkraftwerke, sind geografisch nur begrenzt verfügbar oder werden, wo sie möglich sind, zuweilen durch Einsprachen blockiert. Um die Einschränkung zu umgehen, kommen daher zunehmend Batteriespeicher zum Einsatz. Sie werden während Produktionsspitzen mit der überschüssigen Energie einer Erzeugungsanlage aufgeladen. Diese Energie geben Batteriespeicher bei Bedarf wieder ab, wenn die Anlage nachts oder bei Windstille keinen Strom produziert. Dadurch erhöhen Batteriespeicher die Nutzbarkeit erneuerbarer Energien und minimieren das Risiko von Stromknappheit während sogenannter Dunkelflauten, eine Kombination von fehlender Sonne und Wind.

Batteriespeicher dominieren den Speichermarkt

Im globalen Markt für Energiespeicherung nehmen Batteriesysteme eine Spitzenposition ein: 2026 machen sie mit einem voraussichtlichen Marktvolumen von 81,6 Milliarden Dollar rund 49 Prozent des gesamten Energiespeichermarkts (165,7 Milliarden Dollar) aus. Marktanalysen prognostizieren für Batteriespeicher bis 2036 ein jährliches Wachstum von 9,1 Prozent auf eine Marktgrösse von 195 Milliarden Dollar. Angeführt wird der Nachfrageboom von Lithium-Ionen-Batterien, die inzwischen rund 90 Prozent der neu installierten Batteriespeicher ausmachen. 

Parallel zur Marktdominanz sinken die Kosten durch technologischen Fortschritt und intensiven Marktwettbewerb. Global gingen die durchschnittlichen Batteriepreise 2025 um 8 Prozent zurück, während die Preise in der Schweiz in diesem Jahr sogar um rund ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr fielen. Aufgrund der steigenden Nachfrage sowie der verbesserten Rentabilität eröffnet sich hier ein vielversprechendes Marktumfeld, in das sich eine Investition zunehmend lohnt.

Die langfristige Relevanz von Batteriespeichern verdeutlicht eine Prognose der LUT-Universität: Unter der Annahme eines erfolgreichen Netto-Null-Szenarios, und somit einer vollständig auf erneuerbaren Energien basierenden Stromversorgung, wird bis zum Jahr 2050 rund 95 Prozent  der globalen Energiespeicherung über Batterien abgewickelt.

KI und E-Mobilität treiben exponentielles Wachstum

Diese Relevanz wird durch neue Technologien verstärkt. Rechenzentren für KI, fortschreitende Elektromobilität und der Kryptosektor treiben den weltweiten Strombedarf in neue Höhen. Schätzungen der IEA zufolge könnte sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 im Vergleich zu 2024 auf 945 TWh verdoppeln. Dies entspricht etwas mehr als dem gesamten jährlichen Strombedarf Japans. 

Um diesen enormen Strombedarf bewältigen zu können, sind laut dem Fraunhofer ISE leistungsfähige Batteriespeicher zwingend erforderlich, was zu einem exponentiell steigenden Bedarf führt. Batteriespeicher sind schon heute die am schnellsten wachsende Energietechnologie: Gemäss der IEA wurden 2025 weltweit 108 GW an neuer Batteriespeicherkapazität installiert. Die gesamte Kapazität ist mittlerweile elfmal so hoch wie im Jahr 2021. Auch Infrastrukturkosten werden durch Batteriespeicher reduziert: Durch das Auffangen von Strom stabilisieren Batteriespeicher die Verteilnetze. Dadurch lassen sich mehr Erzeugungsanlagen an das bestehende Netz anschliessen, was zu niedrigeren Netzausbaukosten führt.

In der Schweiz steigt die Nachfrage: Der Bestand an Batteriespeichern hat sich seit 2023 vervierfacht, und die Neuinstallationen verdoppeln sich derzeit von Jahr zu Jahr.

Eine kritische Technologie für nachhaltige Stromerzeugung

Indem Batteriespeicher den Verbrauch von fossilen Energieträgern minimieren und die Nutzung von eigenem Öko-Strom maximieren, tragen sie mit grossem Anteil zu einer erneuerbaren Stromerzeugung bei. Gerade in Ländern mit wenig Potenzial für Pumpspeicherkraftwerke ist dies ein wichtiger Faktor bei der Energiewende.

Laut dem Fraunhofer ISE kann ein Grossbatteriespeicher mit einer Kapazität von 2 GWh bis zu 60’000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Vergleicht man dies mit den jährlichen Schweizer CO2-Emissionen von 32,9 Millionen Tonnen, könnten unter günstigen Bedingungen 555 dieser Anlagen das Äquivalent des gesamten CO₂-Fussabdrucks der Schweiz einsparen.

Da Batteriespeicher bis 2030 mit rund 20 Prozenbt zur globalen CO2-Reduktion beitragen müssen, lenkt der ökologische Handlungsdruck grosse Kapitalströme in diese Technologie.

Wirtschaftliche Vorteile von Batteriespeichern

In Kombination mit Solaranlagen steigern Speicher den Eigenverbrauch auf bis zu 90 Prozent. Dies reduziert die Abhängigkeit von Netzstrom und kann die Elektrizitätskosten stark senken. Je nach Ortschaft profitieren Schweizerinnen und Schweizer sowie Firmen beim Einsatz von Batteriespeichern zusätzlich von kantonalen Fördergeldern. Zudem verteuert die Schweizer CO2-Abgabe von 120 Franken pro Tonne fossile Brennstoffe. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und stärkt die Anreize für den Einsatz von Batteriespeichern.

Auch ohne Solaranlage sind Batteriespeicher wirtschaftlich vorteilhaft: Da Unternehmen für Belastungsspitzen im Stromnetz hohe Gebühren zahlen, können Batteriespeicher diese Lastspitzen um 20 bis 50 Prozent reduzieren und zu Netzentgelt-Einsparungen bis zu 70 Prozent führen. Für private Haushalte steigern Tarifwechsel den finanziellen Nutzen eines Batteriespeichers um rund 12 Prozent.

Geopolitische Risiken und die Kreislauf-Lösung

Trotz der hervorragenden Aussichten dürfen die Risiken nicht ausgeblendet werden. Die Achillesferse der Branche ist die hohe Abhängigkeit von China. Über 90 Prozent der marktführenden Lithium-Ionen-Komponenten, von denen weltweit der Grossteil der Batteriespeicher abhängig ist, werden direkt in China verarbeitet und exportiert. Auch bezüglich des gesamten Batteriespeichermarkts ist China mit einem Marktanteil von 80 Prozent Spitzenreiter. Diese Monopolstellung macht den Westen anfällig für Handelsbarrieren und Lieferkettenunterbrüche, die durch geopolitische Spannungen weiter verschärft werden.

Als Lösung wird in Europa das Recycling von Batterien zunehmend umgesetzt. Mit neuen Initiativen, wie der europäischen Kreislaufstrategie und der European Battery Alliance, werden das Rohstoff-Recycling und die europäische Batterieindustrie gestärkt. Ein weiterer Ansatz ist das «Repurposing»: Lithium-Ionen-Batterien aus Elektrofahrzeugen, die für den Strassengebrauch zu viel Kapazität verloren haben, werden in stationäre Speicher umgewandelt.

Investment-Cases für Batteriespeicher

Das Vermögensverwaltungsmandat Inspire der Migros Bank bietet spannende Möglichkeiten, um in Batterietechnologien zu investieren.

  • Huber + Suhner: Anlegerinnen und Anleger müssen nicht zwingend einen Batteriespeicherhersteller im Portfolio haben. Risikoärmer ist es, in die Infrastruktur um die Batteriespeicher herum zu investieren, da jeder Batteriespeicher physische Hochleistungs-Verbindungen, Kabel und intelligente Steuerungen braucht, um mit dem Stromnetz zu kommunizieren.
    Das Schweizer Präzisionsunternehmen Huber + Suhner liefert diese Infrastruktur in Form von Konnektivitätslösungen und High-Power-Charging-Kabeln. So verdient Huber + Suhner an diversen Batteriespeichern mit, unabhängig davon welche Batterie-Art sich im Markt durchsetzt. Die Produkte von Huber + Suhner bedienen Branchen, die die Stromnachfrage in die Höhe treiben. Für die E-Mobilität bieten sie Schnellladesysteme und Verbindungslösungen an, die den Strom optimal verteilen. Dank des KI-Booms profitieren sie auch von ihrer Expertise zu Glasfaserverbindungen, die die maximale Produktivität eines Rechenzentrums erhöhen. 
    Gemäss dem Geschäftsbericht 2025 knackte Huber + Suhner beim Auftragseingang erstmals die Milliardenmarke mit 1032 Millionen Franken. Der Nettoumsatz sank leicht im Vergleich zum Vorjahr auf 864,1 Millionen Franken. Jedoch stieg die EBIT-Marge auf 10,5 Prozent, während die Rendite auf das investierte Kapital (ROIC) sich auf 17,1 Prozent verbesserte. Gestützt auf den hohen Auftragsbestand und das positive Momentum bei den Kernprojekten, prognostiziert Huber + Suhner für das laufende Jahr 2026 ein organisches Umsatzwachstum von mindestens 10 Prozent.
  • Solaria Energia: Der spanische Solarspezialist Solaria Energia setzt Speichertechnologie in den unternehmenseigenen Erzeugungsanlagen ein, um deren Wirtschaftlichkeit zu optimieren. Indem Solaria grosse Batteriespeicher (BESS) direkt an seine Solarparks koppelt, umgeht das Unternehmen den Cannibalization-Effekt (mittägliche Stromschwemme zu Tiefstpreisen). Solaria speichert den tagsüber produzierten Solarstrom kostengünstig zwischen und speist ihn erst in den verbrauchsintensiven Abendstunden zu höheren Marktpreisen ein.
    Unter anderem versorgt Solaria durch die Partnerschaft mit Merlin Properties ein Madrider Rechenzentrum und wandelt den hohen KI-Strombedarf über langfristige Abnahmeverträge (hybrid power-purchase-agreements) in krisensichere Gewinne um.
    Laut der aktuellen Ergebnispräsentation stieg der Umsatz der Solaria-Gruppe um 27 Prozent auf 303,4 Millionen Euro, während die EBITDA-Marge um 32 Proeznt auf ein Rekordhoch von 266,1 Millionen Euro wuchs. Zukünftig möchte Solaria bis 2028 rund 770 Millionen Euro in Speicherprojekte auf der Iberischen Halbinsel investieren, um ein Kapazitätsziel von 4 GWh zu erreichen. 

Fazit: Batteriespeicher als Renditefaktor

Batteriespeicher stellen somit eine wirtschaftlich hochinteressante Schlüsseltechnologie dar, die massgeblich zu einer beschleunigten Energiewende beiträgt. Sie machen grüne Energie verlässlicher und für Anlegerinnen und Anleger eine attraktive Investitionsmöglichkeit. Das Portfolio des Vermögensverwaltungsmandats Inspire bietet zwei Einstiegspunkte in diese Schlüsseltechnologie: defensiv mit Schweizer Konnektivitätslösungen von Huber + Suhner und offensiv über die Speicherprojekte von Solaria.

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