Markteinschätzung

Ist der SMIM die zweite Wahl nach dem SMI?

Wenn in den Nachrichten vom Schweizer Aktienmarkt berichtet wird, ist meistens der SMI gemeint. Der Index der mittelkapitalisierten Unternehmen SMIM gerät dabei in Vergessenheit. Wie unterscheidet sich der SMIM vom SMI und lohnt es sich als Anlegerin oder Anleger im SMIM investiert zu sein?

Andrea Bally
Publiziert
Lesedauer: 4 Minuten

Zusammenfassung

– Der SMI Mid Index (SMIM) umfasst die 30 grössten und liquidesten Schweizer Aktien ausserhalb des Swiss Market Index (SMI).

– Aufgrund geringer Analystenabdeckung und medialer Präsenz bietet der SMIM Investoren Chancen, da weniger Informationen bereits im Markt eingepreist sind.

– Der Index ist durch eine breitere Diversifikation und geringeres Klumpenrisiko gekennzeichnet, was ihn von seinem Pendant, dem SMI, klar unterscheidet.

Geringe Aufmerksamkeit und dünne Coverage der Analysten

Wenn in der Schweiz von der Börse die Rede ist, ist meistens der Aktienindex SMI gemeint. Er erscheint regelmässig in der Tagesschau, ist oft die Messlatte für die Performance des eigenen Depots und Finanzinstitute bauen darauf Futures, Optionen und Strukturierte Produkte. Der SMI vereint zwanzig Titel, von denen drei - Roche, Novartis und Nestlé –  so stark gewichtet sind, dass sie zusammen die Hälfte des Index ausmachen. Eine Ebene darunter befindet sich der Aktienindex SMIM, der ebenfalls die Schweizer Wirtschaft abbildet und keineswegs weniger interessant ist.

Das Schattendasein des SMIM hat wenig mit der Qualität seiner Unternehmen zu tun. Vielmehr liegt es daran, dass Anlegerinnen und Anleger meist eine engere Verbindung zu den SMI-Unternehmen haben. Die SMI-Schwergewichte verkaufen Produkte und Dienstleistungen, die jeder kennt, wie Medikamete, Kaffee und Versicherungen. SMIM-Unternehmen verkaufen hingegen vor allem Produkte an andere Unternehmen. Dabei sind es oft hochspezialisierte Produkte wie beispielsweise Vakuumventile, Hochleistungspolymere oder Antriebsysteme für Gebäudetechnik. Diese Geschäftsmodelle sind häufig komplex und bei der breiten Bevölkerung kaum bekannt. Ihre Tätigkeiten lassen sich nicht in wenigen Worten einfach erklären und es fehlt an Markenwiedererkennung. Hinzu kommt, dass viele SMIM-Unternehmen ihre Geschäftsergebnisse nur halbjährlich veröffentlichen, was die mediale Aufmerksamkeit schmälert. Es gibt auch technische Gründe für die geringere Beachtung: Der SMIM wird selten als Benchmark für Schweizer Aktienmandate genutzt – hier bevorzugt man den SMI oder den SPI. Das bedeutet, dass indexbasiertes Kapital kaum in den SMIM fliesst. Zudem ist die Kapazität des SMIM begrenzt. Grosse institutionelle Anleger wie Pensionskassen können im SMIM keine bedeutenden Positionen aufbauen, ohne die Kurse zu beeinflussen. Dies führt dazu, dass die Analystenabdeckung für SMIM-Titel oft geringer ist, was wiederum die Aufmerksamkeit am Markt reduziert.

Gerade diese Vernachlässigung des SMIM kann jedoch für Anlegerinnen und Anleger eine Chance sein. Eine geringe Analystenabdeckung und weniger mediale Präsenz sind aus der Perspektive eines Investors keine Nachteile, sondern können sogar interessante Möglichkeiten eröffnen.

Was macht den SMIM aus?

Der SMIM vereint die 30 grössten und liquidesten Titel, die im SPI, aber nicht im SMI enthalten sind. Die ordentliche Review findet einmal jährlich Ende September statt. Wie der SMI, ist der SMIM ein Kursindex, bei dem die Dividenden nicht einfliessen. Der SMIM kennt aber im Gegensatz zum SMI, wo ein einzelner Titel maximal 18 Prozent am Index ausmachen darf, keine Kappungsregel. Im SMIM gibt es keine vergleichbare Obergrenze, da bislang kein Titel dominierte. Zusammen mit dem SMI bildet der SMIM den SMI Expanded, der auf etwa 95 Prozent der frei handelbaren Schweizer Aktien kommt. Der Rest verteilt sich auf mehrere hundert kleinere Gesellschaften.

Am 18. September steht eine Neuzusammensetzung des SMIM an. Wie bereits bekannt gegeben wurde, werden Swisscom und Kühne + Nagel aus dem SMI in den SMIM aufgenommen, während Galderma und Sandoz den umgekehrten Weg gehen und in den SMI wechseln. Neu im SMIM vertreten ist der Geruchshersteller DMS-Firmenich, während das Chemieunternehmen Clariant den Index verlässt.

Wie sieht die Sektorzusammensetzung aus?

Der SMI lässt sich grob als ein Index für Pharma- und Nahrungsmittelunternehmen mit einem zusätzlichen Fokus auf den Finanzsektor beschreiben. Im Vergleich dazu zeigt der SMIM eine etwas andere sektorale Ausrichtung. Was die Unternehmen innerhalb des Indexes verbindet, ist weniger ihre Grösse, sondern vielmehr ihr Geschäftsmodell. Die überwiegende Mehrheit der vertretenen Firmen richtet sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen an andere Unternehmen statt an Endverbraucher. Innerhalb des Indexes lassen sich dabei sechs Hauptgruppen unterscheiden.

  • Industrie: Schindler, Georg Fischer, Bucher, Belimo und VAT Group
  • Spezialchemie und Inhaltsstoffe: Ems-Chemie und Barry Callebaut (ab 18. September: DMS Firmenich)
  • Zulieferer der Pharma- und Biotechbranche: Straumann, Sonova, Tecan, Bachem
  • Dienstleistungen: SGS, Adecco, DKSH, Avolta, Flughafen Zürich
  • Finanz- und Immobilien: Julius Bär, PSP Swiss Property, Swiss Prime Site
  • Konsum- und Versorger: Swatch, Lindt- und Sprüngli, Sunrise und BKW

Zyklische Branchen

Der SMIM wird stark von zyklischen Branchen geprägt und spiegelt die exportorientierte Struktur der Schweizer Wirtschaft wider. Im Gegensatz dazu sind «krisensichere Branchen» wie die Nahrungsmittelindustrie im Index kaum vertreten. Stattdessen dominieren Unternehmen, deren Geschäftserfolg eng mit dem Wachstum der Weltwirtschaft verknüpft ist. Diese Abhängigkeit führt jedoch dazu, dass sie in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche ebenfalls stärker unter Druck geraten.

Ein anschauliches Beispiel ist die VAT Group, ein Hersteller von Vakuumventilen, der derzeit vom Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) profitiert. Auch Georg Fischer, ein Unternehmen, das auf Gebäudetechnik und Wasserinfrastruktur spezialisiert ist, zeigt eine ähnliche Abhängigkeit. Beide Firmen spüren die Auswirkungen globaler Konjunkturzyklen unmittelbar in ihren Auftragsbüchern.

Wachstumspotenzial statt reiner Substanz

Bei den SMI-Giganten wie Nestlé verläuft das Wachstum mittlerweile eher moderat. Für Anlegerinnen und Anleger steht hier vor allem die jährliche Dividende im Vordergrund. Im Gegensatz dazu zeigen SMIM-Unternehmen ein dynamischeres Bild: Sie erschliessen neue Märkte und setzen oft stark auf Innovation. Ein herausragendes Beispiel dafür ist Straumann. Der Spezialist für Zahnimplantate verzeichnet seit Jahren ein beeindruckendes Wachstum, angetrieben durch die Expansion in Schwellenländer und die fortschreitende Digitalisierung der Zahnmedizin. Statt sich auf die Verwaltung des bestehenden Geschäfts zu beschränken, investiert Straumann gezielt in die globale Marktführerschaft.

Höhere Volatilität

Die Volatilität zeigt, wie stark ein Kurs von seinem Trend abweicht. Im Vergleich zum SMI ist sie im SMIM deutlich ausgeprägter. Dies liegt weniger an der Grösse der Unternehmen, sondern vielmehr an der Spezialisierung ihrer Geschäftsmodelle. Die meisten SMIM-Unternehmen agieren in Nischenmärkten. Bereits ein Umsatzrückgang von 15 Prozent kann ihre Gewinne erheblich beeinträchtigen. Diese Hebelwirkung führt an Tagen, an denen neue Geschäftszahlen veröffentlicht werden, oft zu starken Kursschwankungen.

Geringes Klumpenrisiko

Wenn Nestlé oder Roche schlechte Zahlen vorlegen, zieht das den gesamten SMI nach unten. Beim SMIM hingegen ist die Situation anders: Hier sind die Gewichte so verteilt, dass kein einzelnes Unternehmen den Index übermässig beeinflusst. Die grössten Titel, wie etwa Helvetia oder VAT Group, machen jeweils lediglich 5 bis 7 Prozent des gesamten Index aus.

Übernahmefantasie

SMIM-Unternehmen gelten oft als globale Technologieführer in ihren jeweiligen Nischen und ziehen daher regelmässig die Aufmerksamkeit grosser ausländischer Konzerne oder Private-Equity-Investoren auf sich. In den letzten Jahren hat der SMIM-Index immer wieder Unternehmen durch Übernahmen verloren. Beispiele hierfür sind Panalpina, das von DSV übernommen wurde, Vifor Pharma, das an CSL verkauft wurde, Sunrise, das in Liberty Global integriert wurde, sowie der Zusammenschluss der ehemaligen SMIM-Mitglieder Helvetia und Baloise.

Ein erheblicher Teil der im SMIM-Index vertretenen Unternehmen ist jedoch durch spezielle Massnahmen vor Übernahmen geschützt. Dazu gehören unter anderem Konstruktionen wie stimmberechtigte Aktien und stimmrechtslose Partizipationsscheine, die beispielsweise bei Lindt & Sprüngli und Schindler zum Einsatz kommen. Zusätzlich spielen Ankeraktionäre und Stiftungen eine entscheidende Rolle beim Schutz von Unternehmen wie EMS-Chemie, Swatch, Kühne + Nagel und Barry Callebaut.

Währung und Zölle

Da die Produktionsstandorte der SMIM-Unternehmen überwiegend in der Schweiz angesiedelt sind, entstehen ihre Kosten grösstenteils in Schweizer Franken. Dies macht sie besonders anfällig für die aktuelle Stärke der Währung. Exportierte Produkte werden durch den starken Franken teurer, was die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland beeinträchtigt, während gleichzeitig die Gewinnmargen im Inland sinken. Zudem sind SMIM-Unternehmen stärker von Zöllen betroffen, da ihre physischen Produkte über die Schweizer Grenze transportiert werden müssen.

Im Gegensatz dazu sind die Unternehmen des SMI weniger stark von der Frankenstärke und Zollbelastungen betroffen. Ihre Produktion erfolgt häufig direkt in den Absatzmärkten, wodurch die Kosten nicht primär in Schweizer Franken anfallen. Dadurch ist der Einfluss der Frankenstärke auf diese Unternehmen geringer. Zwar verlieren die im Ausland erzielten Gewinne durch die Währungsumrechnung etwas an Wert, doch die operativen Margen vor Ort bleiben stabil. Zudem entfallen durch die lokale Produktion viele Exportzölle, was den SMI-Unternehmen einen weiteren Vorteil verschafft.

Warum gezielt in den SMIM-Index investieren?

Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger bietet der SMIM-Index eine attraktive Möglichkeit, ihr Portfolio zu diversifizieren. Im Vergleich zum defensiveren SMI-Index ermöglicht der SMIM den Zugang zu wachstumsstärkeren Aktien im Inland. Allerdings sollte man beachten, dass eine Kombination von SMI und SMIM zu Marktgewichten im Grunde genommen einem teuren Nachbau des SPI-Index entspricht, da dieser bereits beide Indizes integriert.

Der Hauptgrund, den SMIM separat ins Portfolio aufzunehmen, liegt in der bewussten Übergewichtung von Mid Caps im Vergleich zur Marktkapitalisierung. Ein weiterer Vorteil des SMIM ist seine breitere Abdeckung der Schweizer Wirtschaft im Vergleich zum SMI. Durch eine Investition in den SMIM erhalten Anleger Zugang zu zusätzlichen Sektoren wie Halbleiterausrüstung und Immobilien. Zudem trägt der SMIM zur Reduktion von Klumpenrisiken bei, was ihn zu einer überzeugenden Wahl für eine ausgewogenere Anlagestrategie macht.

In den letzten Jahren hat der SMI den SMIM in der Performance klar übertroffen. Auch die aktuelle Bewertung spricht nicht für den SMIM: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für die nächsten zwölf Monate von etwa 22 ist der SMIM teurer bewertet als der SMI mit 18. Wer in einen SMIM-ETF investiert, setzt deshalb nicht auf einen Aufholeffekt, sondern trifft eine bewusste Strukturentscheidung.

(Foto: Keystone / Ennio Leanza)

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