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Was sind «Strukturierte Produkte»? 8 wichtige Fakten

Strukturierte Produkte kombinieren klassische Anlagen wie Aktien oder Obligationen mit zusätzlichen Elementen – und eröffnen so neue Chancen für Rendite und Risikosteuerung. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie strukturierte Produkte funktionieren, welche Varianten es gibt und für wen sie sich eignen. Acht kompakte Fakten, die Ihnen den Einstieg ins Thema erleichtern – fundiert, verständlich und auf den Punkt gebracht.

Marlies Keck
Publiziert
Lesedauer: 8 Minuten

Zusammenfassung

– Strukturierte Produkte sind: Kombinationen aus klassischen Anlagen (z.B. Aktien oder Obligationen) und Derivaten, die auf eine bestimmte Marktentwicklung setzen – mit klar definiertem Chance-Risiko-Profil.

– Zielgerichtete Strategien: Je nach Produkttyp sind Erträge möglich, selbst wenn die Märkte stagnieren oder fallen – teilweise mit Kapitalschutz.

– Verschiedene Produkttypen: Zu den Hauptkategorien gehören Kapitalschutz-, Renditeoptimierungs-, Partizipations- und Hebelprodukte.

– Bausteine: Derivate wie Optionen, Termingeschäfte oder Swaps bilden das Kernstück – sie bestimmen, wie sich das Produkt im Markt verhält.

– Risiken: Der Verlust des eingesetzten Kapitals bei ungünstiger Marktentwicklung oder bei Ausfall des Emittenten ist möglich.

– Einstieg mit kleinen Beträgen: Erste Erfahrungen sind schon mit überschaubarem Einsatz möglich – ideal für Anlegende, die sich langsam an die Produkte herantasten möchten.

1. Strukturierte Produkte einfach erklärt

Strukturierte Produkte kombinieren klassische Anlagen wie Aktien oder Obligationen mit einem sogenannten «Derivat». Das ist ein Finanzinstrument, mit dem auf die künftige Entwicklung eines bestimmten Marktes oder eines Kurses gesetzt wird – etwa darauf, dass ein Aktienkurs steigt, fällt oder seitwärts verläuft.

Ein Strukturiertes Produkt lässt sich also massschneidern, um gezielt auf eine bestimmte Marktentwicklung zu spekulieren oder die Aussichten in bestimmten Börsenphasen zu verbessern – z.B. mit Renditechancen trotz stagnierender Kurse oder mit einem Teil-Kapitalschutz bei Marktturbulenzen.

Je nach Zusammenstellung bringen Strukturierte Produkte unterschiedlich hohe Risiken und Chancen mit sich. Wer ihre Funktionsweise versteht, kann sie gezielt ins Portfolio integrieren. Der Handel mit solchen Produkten erfordert fundiertes Wissen – denn sie sind komplexer und können so mehr Risiken beinhalten als klassische Anlagen.

2. Für wen eignen sich Strukturierte Produkte?

Strukturierte Produkte richten sich an erfahrene Anlegende, die gezielt auf eine bestimmte Marktentwicklung setzen wollen – sei es z.B. zur Partizipation an einem Aktienkorb, zur Renditeoptimierung, als Absicherung oder um eine seitwärts laufende Phase besser zu nutzen. Besonders geeignet sind sie für Personen, die sich aktiv mit ihrem Portfolio beschäftigen und bereit sind, komplexere Produkte mit höheren Risiken einzugehen.

3. Welche Vorteile haben Strukturierte Produkte?

Strukturierte Produkte bieten folgende Vorteile:

  • Gezielte Markterwartung umsetzbar: Sie können auf spezifische Szenarien setzen – etwa auf stagnierende, leicht oder deutlich steigende oder auch fallende Kurse.
  • Renditechancen in Seitwärtsmärkten: Auch wenn sich der Markt kaum bewegt, lassen sich mit gewissen Produkten attraktive Erträge erzielen.
  • Teilweiser Kapitalschutz möglich: Einige Varianten schützen einen Teil des eingesetzten Kapitals vor Verlusten – je nach Produkttyp und Konstruktion.
  • Flexibilität: Die Vielfalt an Strukturierungen erlaubt es, individuelle Risiko-Rendite-Profile abzubilden.
  • Breites Angebot: Strukturierte Produkte sind für viele Märkte und Basiswerte verfügbar – ob Aktien, Indizes, Rohstoffe oder Währungen.

Strukturierte Produkte können also gezielt eingesetzt werden, um das eigene Portfolio zu ergänzen – sei es zur Absicherung, zur Diversifikation oder zur Ausnutzung spezieller Markterwartungen.

4. Welche Arten von «Strukturierten Produkten gibt es?

Kapitalschutz

Diese Produkte sichern einen Teil oder das gesamte eingesetzte Kapital bis zum Laufzeitende ab – und bieten zusätzlich eine Chance auf Gewinne, etwa wenn ein Basiswert steigt. Sie eignen sich für sicherheitsbewusste Anlegende, die dennoch von möglichen Kursgewinnen profitieren möchten.

Renditeoptimierung

Sie bieten die Möglichkeit, eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen – z.B. wenn sich ein Basiswert seitwärts oder leicht steigend entwickelt. Im Gegenzug verzichten Sie auf einen Kapitalschutz. Ein Beispiel ist der Barrier Reverse Convertible (BRC), der eine attraktive Couponzahlung bietet, solange eine definierte Kursschwelle nicht unterschritten wird.

Hebel

Diese Produkte – etwa Warrants oder Mini-Futures – verstärken Kursbewegungen. Bereits kleine Änderungen im Basiswert können grosse Gewinne oder Verluste auslösen. Sie eignen sich nur für sehr risikofreudige und versierte Anlegende und basieren häufig auf Optionen oder Futures (also Termingeschäften).

Was steckt drin: Optionen, Futures und Swaps einfach erklärt

Strukturierte Produkte beinhalten meist sogenannte Derivaten – also Finanzinstrumente, mit denen auf die zukünftige Kursentwicklung eines Basiswerts gesetzt wird. Die drei wichtigsten Typen sind:

  • Optionsgeschäfte: Sie geben das Recht, einen Basiswert zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen – ohne die Pflicht dazu.
  • Termingeschäfte (Futures): Im Gegensatz zur Option sind diese Verträge verbindlich. Sie verpflichten beide Parteien (Käufer und Verkäufer), den Basiswert zu einem festgelegten Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis zu handeln.
  • Swaps: Dabei tauschen zwei Parteien Zahlungsströme – etwa fixe gegen variable Zinsen. Sie kommen eher bei komplexeren Strukturierten Produkten zum Einsatz.

Diese Bausteine ermöglichen es, die Risikostruktur und Renditechancen eines strukturierten Produkts gezielt zu gestalten – je nach Marktmeinung und Anlegerprofil.

5. Risiken: Wie sicher sind Strukturierte Produkte?

Welche Risiken muss ich beachten?

Strukturierte Produkte bieten interessante Chancen – bergen aber auch spezifische Risiken. Diese sollten Sie genau kennen, bevor Sie investieren:

  • Emittentenrisiko: Strukturierte Produkte sind sogenannte Inhaberschuldverschreibungen. Das bedeutet: Sie sind abhängig von der Zahlungsfähigkeit (Bonität) der herausgebenden Bank. Gerät diese in finanzielle Schwierigkeiten, droht der Verlust des gesamten Kapitals – unabhängig von der Marktentwicklung.
  • Marktrisiko: Entwickelt sich der Basiswert (z.B. eine Aktie oder ein Index) anders als erwartet, kann das Produkt an Wert verlieren. Je nach Konstruktion drohen bei sinkenden Kursen Verluste – auch bis zum Totalverlust.
  • Liquiditätsrisiko: Nicht alle Produkte lassen sich jederzeit verkaufen. Wer vor Laufzeitende aussteigen will, muss unter Umständen mit Kursabschlägen rechnen.
  • Komplexitätsrisiko: Viele unterschätzen die Funktionsweise strukturierter Produkte. Laut der Spar- und Anlageumfrage 2025 der Migros Bank schätzen 53 Prozent der Schweizer Bevölkerung ihr Wissen zu Finanz- und Anlagethemen als eher tief ein. Besonders bei Frauen (60 Prozent) und Personen über 55 Jahren (56 Prozent) ist die Unsicherheit gross. Strukturierte Produkte setzen aber ein fundiertes Verständnis voraus – gerade in Bezug auf Derivate, Rückzahlungsmechanismen und Barrieren.
  • Währungsrisiko: Wird ein Produkt auf Basis von Fremdwährungen konstruiert, kann sich der Wechselkurs negativ auf die Rückzahlung auswirken.

Fazit: Strukturierte Produkte sind keine risikofreie Anlage. Sie sollten nur in Betracht gezogen werden, wenn Sie die Struktur und die potenziellen Verluste verstehen – und bereit sind, dieses Risiko zu tragen.

Welche Rendite kann ich erwarten?

Die Renditechancen Srukturierter Produkte hängen stark von der Produktkategorie und der Marktentwicklung ab:

  • Ein Beispiel: Sie rechnen in den nächsten zwölf Monaten mit einer leichten bis mittleren Kurskorrektur einer bestimmten Aktie – sagen wir, minus 10 bis 20 Prozenrt. Ein direktes Investment wäre in diesem Fall riskant. Setzen Sie stattdessen auf einen Barrier Reverse Convertible (BRC) mit einem Risikopuffer von 30 Prozent, erhalten Sie einen garantierten jährlichen Coupons von 6 Prozent und – falls der Risikopuffer nicht unterschritten wird – den Nominalbetrag retour.
  • Andere Produkte ermöglichen eine überproportionale Beteiligung (Partizipation) an Kurssteigerungen, dafür aber ohne Schutz bei Verlusten. Auch seitwärts laufende Märkte lassen sich mit sogenannten Seitwärtsrendite-Produkten nutzen, wenn gewisse Preisniveaus nicht unterschritten werden.
  • Wichtig: Die mögliche Rendite ist immer an Bedingungen geknüpft. Erfüllt sich die Markterwartung nicht, können die Erträge ausbleiben – oder es entsteht sogar ein Verlust.

6. Wie und wo kann ich Strukturierte Produkte kaufen?

  • Der klassische Weg führt über ein Beratungsgespräch bei Ihrer Hausbank – insbesondere, wenn Sie ein Produkt auf Ihre persönliche Markterwartung oder Risikobereitschaft abstimmen möchten. Dabei erhalten Sie auch Zugang zu sogenannten Primärmarkt-Emissionen, also neuen Produkten direkt ab Ausgabe.
  • Alternativ können viele Strukturierte Produkte auch im Sekundärmarkt an der Börse gehandelt werden – etwa an der SIX Structured Products Exchange. Dort finden Sie transparente Kursangaben, Handelszeiten und Produktdetails.
  • Bei der Migros Bank erhalten Sie Zugang zu einer Vielzahl Strukturierter Produkte. Ihre Beraterin oder Ihr Berater hilft Ihnen, passende Produkte zu finden – abgestimmt auf Ihre Strategie, Ihr Risikoprofil und Ihr Marktverständnis. Übrigens: Der Einstieg ist bereits mit kleinen Beträgen möglich – ideal, um erste Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden, ob Strukturierte Produkte zu Ihnen passen.

7. Wie werden Strukturierte Produkte in der Schweiz besteuert?

Die steuerliche Behandlung Strukturierter Produkte hängt von ihrer Ausgestaltung ab – insbesondere davon, ob sie Erträge ausschütten oder Kursgewinne generieren. Hier die wichtigsten Punkte:

  • Zinserträge (Coupons): Bei Produkten mit festen Coupons – wie etwa einem Barrier Reverse Convertible – gelten die Zinszahlungen als steuerbares Einkommen. Diese müssen Sie in der Steuererklärung angeben.
  • Verrechnungssteuer: Wenn ein steuerpflichtiger Ertrag enthalten ist (z.B. Zinsteil bei einer Couponzahlung), kann eine Verrechnungssteuer von 35 Prozent anfallen – meist bei Schweizer Emittenten. Diese kann zurückgefordert werden, sofern die Erträge korrekt deklariert werden.
  • Kapitalgewinne: Diese sind grundsätzlich steuerfrei – sofern Sie die Produkte als Privatperson im Privatvermögen halten und diesbezüglich keine gewerbsmässige Tätigkeit vorliegt.
  • Vermögenssteuer: Der Kurswert per 31. Dezember zählt zum steuerbaren Vermögen. Das gilt für alle Strukturierten Produkte – unabhängig von der Renditeentwicklung.

Wichtig: Da Strukturierte Produkte sehr unterschiedlich konstruiert sein können, ist die steuerliche Behandlung im Einzelfall komplex. Lassen Sie sich bei grösseren Investitionen oder Unsicherheiten von einer Steuerfachperson beraten.

8. Passen Strukturierte Produkte in meine Anlagestrategie?

  • Strukturierte Produkte können eine gezielte Ergänzung für Ihr Portfolio sein, sofern Sie die Produkte verstehen und Ihre Anlagestrategie klar definiert ist. Sie eignen sich vor allem für erfahrene Anlegende mit konkreter Markterwartung und erhöhter Risikobereitschaft. Für sicherheitsorientierte Personen oder Einsteiger/-innen sind Strukturierte Produkte in der Regel weniger geeignet. Denn viele Varianten bieten keinen Kapitalschutz und reagieren empfindlich auf Kursbewegungen – sowohl nach oben als auch nach unten.
  • Das Gute ist: Sie können es mit überschaubarem Risiko ausprobieren. Strukturierte Produkte ermöglichen den Einstieg bereits mit kleinen Beträgen. So lassen sich erste Erfahrungen sammeln, bevor grössere Beträge investiert werden.
  • Aber: Auch wenn sich bestimmte Produkte auf den ersten Blick attraktiv präsentieren (etwa durch hohe Coupons), sollten Sie nie die Bedingungen im Kleingedruckten übersehen. Rückzahlungsmechanismen, Barrieren, Knock-out-Schwellen oder die Bonität des Emittenten entscheiden mit über Erfolg oder Misserfolg. 
  • Die passende Anlagestrategie hängt von vielen individuellen Faktoren ab. In unserem Ratgeber-Beitrag «Der Weg zur passenden Anlagestrategie» erfahren Sie, wie Sie Schritt für Schritt Ihr optimales Portfolio finden.
  • Sind Sie unsicher, welche Rolle Strukturierte Produkte in Ihrem Portfolio spielen sollen? Dann lassen Sie sich beraten. Die Expertinnen und Experten der Migros Bank helfen Ihnen, Ihre Ziele, Ihr Risikoprofil und Ihren Anlagehorizont zu analysieren – und zeigen Ihnen, ob und wie Strukturierte Produkte zu Ihrer Strategie passen.

Fazit

  • Strukturierte Produkte können eine spannende Ergänzung im Portfolio sein. Wer Markterwartungen gezielt umsetzen will und bereit ist, sich mit der Funktionsweise auseinanderzusetzen, findet darin flexible Anlagemöglichkeiten mit Renditepotenzial. Voraussetzung ist: Sie verstehen, wie das Produkt funktioniert – und welches Risiko Sie eingehen.
  • Unser Tipp: Starten Sie mit einem kleinen Betrag und sammeln Sie erste Erfahrungen. So lernen Sie, wie sich Strukturierte Produkte in verschiedenen Börsenphasen verhalten – ohne sich gleich zu stark zu exponieren. Und: Lassen Sie sich beraten. Wir helfen Ihnen, das passende Produkt für Ihre persönliche Strategie zu finden.
  • Möchten Sie auch mehr über Anlagefonds oder Obligationen erfahren? Unsere Artikel «Was ist ein Fonds?» bzw. «Was sind Obligationen» erklären Ihnen alles, was Sie dazu wissen müssen.

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