Pensionsplanung in der Schweiz: So sichern Sie Ihren Lebensstandard
Wie viel Geld steht Ihnen im Alter wirklich zur Verfügung? Eine berechtigte Frage – denn AHV und Pensionskasse decken zusammen oft nur 60 bis 70 Prozent des letzten Lohns. Die Lücke müssen Sie selbst schliessen. Am besten frühzeitig. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, was Sie ab 45, ab 50 und ab 60 Jahren konkret tun können, damit Sie im Ruhestand Ihren Lebensstandard halten können.
Das Wichtigste in Kürze
– Die Leistungen aus AHV und Pensionskasse decken den finanziellen Bedarf im Alter oft nicht vollständig.
– Für einen angemessenen Lebensstandard nach der Pensionierung ist privat angespartes Kapital nötig.
– Privater Vermögensaufbau braucht Zeit – idealerweise beginnen Sie spätestens ab 45 damit.
– Je früher Sie planen, desto mehr Optimierungsmöglichkeiten haben Sie: bei Steuern, Vorsorgelücken und dem Bezug von Vorsorgekapital.
– Die wichtigsten Entscheide – Rente oder Kapital, Pensionierungszeitpunkt, Nachlass – sollten gut vorbereitet sein.
Rechner: Wie hoch wird meine Rente sein?
Mit dem Rentenrechner der Migros Bank können Sie jetzt Ihre Einnahmen aus der AHV und der Pensionskasse berechnen.
1. Aktien mit Preissetzungsmacht
Aktien von Unternehmen, die in der Lage sind, ihre Preise an die Inflation anzupassen, können eine gute Absicherung sein. Unternehmen aus Sektoren wie z.B. Konsumgüter oder Gesundheitswesen haben oft eine starke Preissetzungsmacht.
2. Aktien mit hohen Dividenden
Unternehmen, die stabile und wachsende Dividenden zahlen, können eine gute Möglichkeit sein, die Inflation auszugleichen.
3. Immobilien
Immobilien gelten als klassischer Inflationsschutz, denn Mieten und Immobilienpreise steigen oft mit der Inflation. Indirekte Immobilienanlagen in Form von Schweizer Immobilienfonds eignen sich sehr gut, um selbst kleinere private Vermögen besser zu diversifizieren. Direktanlagen in Renditeimmobilien, z.B. die Vermietung einer Eigentumswohnung oder der Kauf eines Mehrfamilienhauses, bilden erhebliche Klumpenrisiken und kommen daher nur für vermögende Privatanleger infrage.
4. Infrastruktur
Infrastrukturinvestitionen sind eine Art spezielle Immobilienengagements. Statt in Wohn- oder Gewerbeliegenschaften wird in Bauten von Energie-, Transport- oder Telekominfrastruktur investiert. Es gibt auf dem Schweizer Markt eine ganze Reihe von Anlagefonds für indirekte Infrastrukturanlagen, die es Privatanlegern ermöglichen, selbst kleinere private Vermögen zu diversifizieren.
5. Gold und Silber
Das Gold gilt traditionell als Inflationsschutz. Aber aufgepasst: Wenn die Inflation steigt, steigt nicht automatisch auch der Goldpreis. Eine erhöhte Inflation führt nämlich in der Regel auch zu höheren Zinsen. In einem solchen Umfeld wirkt sich der Nachteil des Goldes, dass es keine Zinsen abwirft, besonders negativ aus und führt zu sinkenden Preisen. Es gilt: Gold steigt bei sinkenden Realzinsen (Zins minus Inflationsrate). Mit anderen Worten: Das Gold notiert umso höher, je höher die Inflation und je tiefer gleichzeitig die Zinsen sind. Dieser Zusammenhang gilt übrigens – in etwas weniger ausgeprägtem Ausmass – auch für Silber.
6. Rohstoffe
Nicht nur Edelmetalle wie Gold und Silber können eine Absicherung gegen Inflation bieten, sondern auch Rohstoffe wie Industriemetalle (Eisen, Kupfer, Aluminium, Seltene Erden usw.), fossile Energieträger (Öl, Kohle, Gas) sowie Soft Commodities (Agrargüter und Fleischerzeugnisse). Steigende Rohstoffpreise sind oft ein Treiber der Inflation, sodass Investitionen in Rohstoffe von dieser Entwicklung profitieren können. Es gibt auf dem Schweizer Markt zwar eine Reihe von strukturierten Produkten, ETFs usw. für Rohstoff-Engagements. Diese sollten aber nur professionelle Privatanleger nutzen.
7. Inflationsgeschützte Anleihen
Inflationsgeschützte Anleihen (auch als inflationsindexierte Anleihen oder Inflation-Linked Bonds bezeichnet) sind eine spezielle Art von Staats- oder Unternehmensanleihen, deren Nominalwert an die Entwicklung der Inflation gekoppelt sind. Dadurch bieten sie Anlegern Schutz vor der Entwertung ihres Kapitals. Solche Anleihen finden sich vor allem in angelsächsischen sowie in einigen europäischen Ländern; in der Schweiz sind sie aufgrund der moderaten Inflation nicht üblich.
8. Globale Diversifikation
Die Inflation kann von Land zu Land unterschiedlich ausfallen und betrifft auch nicht alle Anlageklassen gleichermassen. Durch eine Diversifikation des Vermögens über verschiedene Länder und Anlageklassen lassen sich die negativen Folgen von Inflation verringern.
9. Mehr Einkünfte
In Zeiten steigender Inflation ist es wichtig, aktiv mit Ihrem Arbeitgeber über eine Gehaltserhöhung zu sprechen. Ist das kein Thema (z.B. auch bei Rentnern, die nicht mehr berufstätig sind), lassen sich zusätzliche Einkommensquellen auch durch Nebentätigkeiten z.B. als Freelancer oder durch Vermietung/Untervermietung von Wohnraum erschliessen.
10. Zusätzliche Fähigkeiten und Qualifikationen
Eine der besten Investitionen, die Sie tätigen können, ist in sich selbst. Durch Weiterbildung, den Erwerb neuer Fähigkeitenund Qualifikationen oder den Aufbau eines Netzwerks können Sie Ihre Einkommensmöglichkeiten erhöhen und so mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten.
Vorsorgeberatung mit der Migros Bank
Fehler bei der Pensionsplanung lassen sich oft mit der richtigen Vorsorgeberatung vermeiden. Die Migros Bank analysiert Ihre Situation ganzheitlich – von der Vorsorgelücke über die Steueroptimierung bis zur Nachlassplanung – und zeigt Ihnen konkrete Massnahmen auf.
Häufige Fehler bei der Pensionierung
Zu spät starten
Der häufigste Fehler ist schlicht: zu lange warten. Wer erst mit 60 beginnt, hat kaum noch Spielraum, um Lücken zu schliessen oder Steuern zu optimieren. Viele Massnahmen – etwa Einkäufe in die Pensionskasse oder der Aufbau mehrerer Säule-3a-Konten – entfalten ihre Wirkung nur über mehrere Jahre.
Fehlende Beratung
Pensionsplanung ist komplex, und die Entscheide sind oft unwiderruflich. Wer sich ausschliesslich auf eigene Recherchen verlässt, übersieht leicht wichtige Optimierungsmöglichkeiten oder unterschätzt steuerliche Konsequenzen. Eine professionelle Beratung zahlt sich in den meisten Fällen aus.
Den Budgetbedarf im Alter unterschätzen
Viele gehen davon aus, dass ihre Ausgaben nach der Pensionierung stark sinken. In der Praxis bleiben sie aber oft nahezu gleich – oder steigen sogar, etwa durch höhere Gesundheitskosten oder mehr Freizeitaktivitäten. Wer zu optimistisch plant, erlebt im Ruhestand eine unangenehme Überraschung.
Nachlass nicht regeln
Wer stirbt, ohne seinen Nachlass geregelt zu haben, überlässt die Verteilung des Vermögens dem Gesetz – das oft nicht dem eigenen Willen entspricht. Dabei geht es nicht nur um Geld: Eine klare Nachlassplanung gibt Ihnen die Gewissheit, dass Ihre Liebsten abgesichert sind, und entlastet sie in einer schwierigen Zeit. Die Pensionierung ist ein guter Moment, um dieses Thema anzupacken – auch wenn es unangenehm ist.
Häufige Fragen zur Pensionsplanung
Was muss ich bei der Planung einer Frühpensionierung beachten?
Eine Frühpensionierung hat ihren Preis: Sie erhalten eine tiefere AHV-Rente – und das lebenslang. Zudem müssen Sie bis zum ordentlichen Referenzalter weiterhin AHV-Beiträge bezahlen, auch wenn Sie nicht mehr erwerbstätig sind. Planen Sie deshalb frühzeitig, ob Ihre Ersparnisse und Ihr Vorsorgekapital für einen längeren Ruhestand ausreichen. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Frühpensionierung.
Wie viel Geld sollte man mit 50 in der Pensionskasse haben?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht – das hängt von Ihrem Lohn, Ihrer Karriere und Ihren Sparzielen ab. Als grobe Orientierung gilt: Mit 50 sollten Sie rund das Drei- bis Vierfache Ihres Jahreslohns in der Pensionskasse angespart haben. Weicht Ihr Guthaben davon ab, lohnt sich ein Blick auf freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse.
Sinkende Umwandlungssätze: Habe ich im Alter noch genug Geld?
Der Umwandlungssatz bestimmt, wie viel Rente Sie aus Ihrem Pensionskassenguthaben erhalten. Viele Pensionskassen haben ihn in den letzten Jahren gesenkt – und weitere Senkungen sind möglich. Das bedeutet: Gleich viel Kapital ergibt künftig eine tiefere Rente. Umso wichtiger ist es, die Vorsorgelücke frühzeitig zu erkennen und mit der Säule 3a oder freiwilligen PK-Einkäufen gegenzusteuern.
Ich bin geschieden. Was muss ich bei der Pensionsplanung beachten?
Bei einer Scheidung wird das während der Ehe angesparte Pensionskassenguthaben aufgeteilt. Das kann Ihre Altersleistung erheblich reduzieren. Prüfen Sie nach einer Scheidung unbedingt Ihren PK-Ausweis und lassen Sie sich beraten, wie Sie allfällige Lücken schliessen können.
Ich bin selbstständig. Was muss ich bei der Pensionsplanung beachten?
Selbständigerwerbende sind nicht obligatorisch in einer Pensionskasse versichert – und haben damit oft eine deutlich grössere Vorsorgelücke. Sie können sich jedoch freiwillig einer Pensionskasse anschliessen oder über die Säule 3a bis 20 Prozent des Nettoerwerbseinkommens einzahlen. Eine frühzeitige Planung ist hier besonders wichtig.
Disclaimer
Dieser Beitrag dient ausschliesslich zu Informationszwecken für Personen in der Schweiz und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Trotz sorgfältiger Recherche können wir keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen übernehmen. Jegliche Haftung, die aus der Nutzung der Inhalte entstehen, wird ausgeschlossen. Für (individuelle) Beratung und spezifische Fragestellungen empfehlen wir, sich an eine qualifizierte Fachberaterin bzw. einen qualifizierten Fachberater oder an eine Steuerexpertin bzw. einen Steuerexperten zu wenden. Bitte beachten Sie, dass wir keine Verantwortung für die Inhalte externer Links übernehmen.