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warnung vor der rentier-falle!

Ratgeber

Daniel Lang, Leiter Produktmanagement der Migros Bank, gibt Auskunft zu aktuellen Fragen:

Ich stehe vor der Pensionierung und überlege mir, das Kapital aus der Pensionskasse (850 000 Franken) auszahlen zu lassen. Allerdings sehe ich kaum attraktive Möglichkeiten, um das Geld anzulegen. Was ist Ihre Meinung dazu?

Beim Wort Rentier denken Sie zunächst wohl an einen nordländischen Hirsch. Daneben gibt es aber auch den Rentier als verwandten Begriff zum Rentner. Der Ausdruck stammt ursprünglich aus dem Französischen (ausgesprochen als«Rεn'tje:»). Im Gegensatz zum klassischen Rentner, der primär von der AHV lebt und knapp budgetieren muss, hat der Rentier zusätzlich ein stattliches Vermögen angespart — so wie Sie und wohl die meisten Pensionäre in der Schweiz.

Doch was meine ich nun mit der Bezeichnung Rentier-Falle? Als Rentier erleben Sie derzeit eine schleichende Vermögenserosion, der Sie sich leider kaum entziehen können. Aufgrund des rekordtiefen Zinsniveaus sind Ihre Zinserträge, als wichtigste Einnahmequelle, nahezu am Versiegen.

Der Grund für die negativen Realzinsen sind die riesigen Staatsschulden in den OECD-Ländern. Diese zwingen die Notenbanken, die Leitzinsen unnatürlich tief zu halten. Das bedeutet generell für Sparer und Besitzer von Obligationen: Indem sie auf ihrem Kapital kaum noch Zinsen erhalten, leisten sie indirekt einen Beitrag zur Gesundung der Staatsfinanzen.

 

Sparer zahlen die Zeche für die Schuldenkrise

Prominente Ökonomen wie der Nobelpreisträger Paul Krugman verlangen von den Notenbanken, dass sie die Realzinsen gar noch stärker ins Negative drücken. Ihre Begründung ist erstaunlich unverblümt: Die Schicht der wohlhabenden Rentiers habe überproportional von den Boomjahren profitiert, darum müssten sie jetzt mehr leisten, um die Krise zu überwinden.

Als Pensionär sind Sie auf einen stabilen Kapitalertrag angewiesen. Alternativen zu festverzinslichen Anlagen zu finden, ist deshalb schwierig. Am ehesten kommen wohl Realwerte wie Immobilien oder dividendenstarke Aktien in Frage. Die Realzinsen sind übrigens nicht nur für Ihr Budget von Bedeutung: Insgesamt besitzen die Schweizer Haushalte Anleihen und Spargelder im Wert von etwa 1000 Milliarden Franken. Sinkt deren reale Verzinsung beispielsweise von 2 Prozent auf null, so schrumpfen die Einnahmen der Haushalte um nicht weniger als 20 Milliarden Franken.