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'hätt i doch früecher afa spara'

Ratgeber

Nach jedem Euro-Gipfel heisst es, die Probleme seien gelöst. Und wenig später wird die Krise noch schlimmer. Was kommt da noch auf uns zu? Eine Lagebeurteilung von Daniel Lang, dem Leiter Produktmanagement der Migros Bank.

„Hätt i doch früecher afa spara“, seufzt Sidi Abdel Assar im Lied von Mani Matter, als er merkt, dass seine 150 Schafe nicht ausreichen, um die Angebetene zu heiraten.
Gleiches gilt für die so genannten GIPS-Länder (Griechenland, Italien, Portugal und Spanien): Auch ihre Sparbemühungen kommen zu spät. Weshalb? Das Grundübel der GIPS-Länder sind nicht die Schulden, diese sind zwar schlimm genug. Doch letztlich kranken diese Länder an der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft.

Während Deutschland einen riesigen Leistungsbilanzüberschuss von umgerechnet rund 200 Milliarden Franken pro Jahr erzielt, fahren die GIPS-Länder ein ebenso grosses Defizit ein. Die Leistungsbilanz innerhalb der Euro-Zone ist also in eine gravierende Schräglage geraten. Was auch eine Lösung der Schuldenkrise verhindert.
Der Sparzwang bringt die GIPS-Länder in einen Teufelskreis. Indem sie den Gürtel enger schnallen, schwächen sie ihre ohnehin schon lahme Wirtschaft zusätzlich. Das Perfide an der Situation: Es gäbe ein bewährtes Mittel, um den Exporten dieser Länder auf die Sprünge zu helfen und die Leistungsbilanz wieder ins Lot zu bringen, nämlich eine Abwertung der eigenen Währung.

Die Euro-Krise wird noch sehr, sehr lange dauern
Island, welches vor drei Jahren als erstes Land wegen der Finanzkrise kollabierte, hat seine Währung innert weniger Monate um die Hälfte abgewertet. Das führte zu einem Tourismus-Boom, auch die Fischer profitierten. Inzwischen ist das Land zurück in der Wachstumszone. Die GIPS-Länder dagegen sind an den Euro gekettet. Weil sie ihre Währung nicht abwerten können, bleibt ihnen nur eine so genannte „interne Abwertung“, um wieder wettbewerbsfähig zu werden – sprich sie müssen eine brutale Rosskur mit massiven Lohnkürzungen durchexerzieren.

Was sind die Konsequenzen daraus? Erstens: Weil in der Euro-Zone die Rezepte fehlen, um das Loch in der Leistungsbilanz zu stopfen, wird die Krise sehr, sehr lange dauern. Zweitens zwingt die Krise die Europäische Zentralbank (EZB), die Zinsen auf lange Frist tief zu halten und weitere Staatsanleihen von GIPS-Ländern aufzukaufen. Drittens schafft die EZB damit den Nährboden für zukünftige Inflation – was aufgrund der Franken-Anbindung an den Euro auch die Schweiz betrifft. Und schliesslich bleibt abzuwarten, ob nicht doch das eine oder andere Land beschliesst, das Euro-Korsett zu verlassen.